Konfliktpotenzial in Bayerns Führungsetage

Comeback von Hoeneß? Mit einem Boss könnte es knallen

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Uli Hoeneß mit Matthias Sammer, Karl-Heinz Rummenigge und Karl Hopfner (v.l.n.r.).

München - Uli Hoeneß will sich in Kürze entscheiden, ob er beim FC Bayern wieder eine Führungsposition übernimmt. Der große Macher des Rekordmeisters könnte bei seinem Comeback aber nicht nur auf Gegenliebe stoßen.

In Südfrankreich nahm Uli Hoeneß Abstand. Abstand von seiner 21-monatigen Haftzeit. Abstand von all den Beleidigungen und Schmähungen, die er nach seiner Verurteilung wegen Steuerhinterziehung erdulden musste. Abstand von all den Gerüchten um seine Zukunft.

Gemeinsam mit seiner Familie entspannte der 64-Jährige in der Nähe von Cannes vier Wochen lang, tankte Sonne und Kräfte und feierte den Geburtstag von Ehefrau Susi. Neben der Erholung und dem engen Kontakt zu seiner Familie ging es Hoeneß vor allem darum, "all die Eindrücke aus den vergangenen Monaten zu katalogisieren. Bis jetzt hatte ich dazu noch gar keine Zeit." Danach wolle er sich dann Gedanken um seine Zukunft machen.

Material für den Hoeneßschen Katalog gibt es dabei reichlich: den Prozess im Jahr 2014, seine Zeit im Gefängnis, aber auch die Phase als Freigänger sowie seine Rückkehr an die Säbener Straße zu seinem FC Bayern - für den er offiziell als Assistent der Abteilungsleitung Junior Team im Nachwuchsbereich tätig ist.

Dieses Wochenende kehrt Hoeneß aus dem Urlaub zurück - und alle fragen sich gespannt, welchen Entschluss der langjährige Spieler, Manager und Präsident des Rekordmeisters denn nun gefasst hat?

"Das war's noch nicht!" - macht Uli Hoeneß seine Ankündigung wahr?

Nur wenige zweifeln daran, dass Hoeneß die Worte nicht wahr machen wird, die er am 2. Mai 2014 auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des Klubs wählte, als er wegen der bevorstehenden Haftstrafe zurücktrat: "Wenn ich zurück bin, werde ich mich nicht zur Ruhe setzen. Das war's noch nicht!" Es wird allgemein erwartet, dass Hoeneß im Falle einer Rückkehr nicht nur das Präsidentenamt wieder übernimmt, sondern auch den Vorsitz im Aufsichtsrat.

Die Gunst der Mitglieder und Fans des FC Bayern ist Hoeneß dabei sicher. Sollte er sich bei der nächsten Jahreshauptversammlung als Präsident bewerben, dürfte ihm ein Ergebnis winken, bei dem der nordkoreanischer Diktator Kim Jong-un vor Neid erblassen würde.

Doch wie sieht das bei den anderen Bayern-Bossen aus? Würde ein Hoeneß-Comeback auch bei ihnen auf unbedingte Gegenliebe stoßen? Wir machen den Check und überprüfen die mögliche Hoeneß-Rückkehr hinsichtlich ihres Knallpotenzials in der Führungsetage:

Rummenigge und Hopfner - kein Problem mit den Oberbossen

Sie sind vom Organigramm her die derzeit entscheidenden Akteure beim FC Bayern: Karl-Heinz Rummenigge als Vorsitzender der FC Bayern AG und Karl Hopfner als Präsident des FC Bayern e.V. und gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der AG. Mit Hoeneß prägten sie Jahrzehnte lang die Geschicke des Rekordmeisters, in seiner Abwesenheit führten sie den Klub zu neuen Umsatzrekorden und trieben die Internationalisierung weiter voran. Obwohl es rund um den Transfer von Mats Hummels Missverständnisse zwischen Rummenigge und Hoeneß gab ("Uli hat vielleicht was falsch verstanden"), funken die Bosse auf einer Wellenlänge. Rummenigge und Hopfner würden eine Hoeneß-Rückkehr lieber heute als morgen sehen, auch wenn es für sie einen Machtverlust darstellt, insbesondere für Hopfner, der wohl sowohl das Präsidentenamt als auch den Aufsichtsratsvorsitz abgeben würde.

Knallpotenzial: gering.

Dreesen, Jung und Wacker: Hoeneß-Jünger seit dem ersten Tag

Jörg Wacker (l.), Andreas Jung (2.vl.) und Jan-Christian Dreesen (r.).

Von diesen drei Vorstandsmitgliedern ist in der Regel wenig zu hören oder zu lesen: Jan-Christian Dreesen (Finanzen), Andreas Jung (Sponsoring und Merchandising) und Jörg Wacker (Strategie und Internationalisierung) arbeiten weitgehend von der Öffentlichkeit unbeachtet, dafür aber umso erfolgreicher. Alle drei hätten ohne Hoeneß ihren Posten nie bekommen, von daher werden sie sich hüten, eine Rückkehr des "Mister FC Bayern" in irgendeiner Weise zu sabotieren.
Knallpotenziel: a gmahde Wiesn für den langjährigen Vereinspatron.

Sammer - emotionaler Gegenpart in der Abteilung Attacke

Matthias Sammer kam 2012 vom DFB und trat beim FC Bayern das Amt des Sportvorstands an. Sammers Tätigkeitsfelder bei den Roten sind der Lizenzspielerbereich, die Nachwuchskoordination und Talentförderung. Obwohl Hoeneß den diskussionsstarken Ex-Profi selbst installierte, kam es zwischen den beiden gelegentlich zu Dissonanzen. Öffentlich wurde zuletzt ein Twist über die Saisonziele des Klubs. Während Hoeneß offen vom Triple sprach, tat Sammer die Hoeneß-Meinung als "dummes Zeug" ab. Rummenigge konnte nur mühsam die Wogen wieder glätten. Wer Hoeneß kennt, weiß, dass er eine solche öffentliche Zurechtweisung irgendwo im Wohlfühlbereich zwischen Nierenstein und Ausschlag unter den Achseln ansiedelt und diese Majestätsbeleidigung sicher nicht so schnell vergessen wird.

Auch die Turbulenzen im Nachwuchsbereich, der eigentlich in Sammers Verantwortung liegt, gefallen Hoeneß nicht. Die zweite Mannschaft dümpelt in der vierten Liga vor sich hin, die U19-Junioren werden regelmäßig von der Konkurrenz des TSV 1860 in den Schatten gestellt und seit David Alaba und Holger Badstuber hat kein Nachwuchsspieler mehr den Sprung zu den Profis erfolgreich geschafft. Seit er seinen Job als Freigänger im Bayern-Jugendbereich angetreten hat, bringt Hoeneß viele Dinge selbst voran, offenbar war Sammer für diesen Job nicht der geeignete Mann.

Und dann wäre da noch die Transferbilanz. Sammer werden die Verpflichtungen von Sebastian Rode, Mitchell Weiser und Sinan Kurt zugeschrieben - allesamt keine Enttäuschungen, aber eben auch keine Verstärkungen und inzwischen alle wieder bei anderen Vereinen untergekommen. Volltreffer hingegen waren die Transfers von Arturo Vidal, Douglas Costa, Joshua Kimmich und Kingsley Coman. Deren Wechsel an die Säbener Straße werden allesamt einem anderen als Sammer zugerechnet, nämlich Michael Reschke. Sammer ist von allen Bayern-Funktionären sicherlich derjenige, mit dem es in der Zusammenarbeit mit Hoeneß am lautesten knallen würde. "Motzki" Sammer geht keinem Konflikt aus dem Weg, auch mit Uli Hoeneß nicht - ob eine solche reibungsbehaftete Beziehung dem Klub auf Dauer mehr schadet als hilft, wird die Zukunft zeigen. Abzuwarten bleibt natürlich, inwieweit Sammer nach seiner Erkrankung (Durchblutungsstörung im Gehirn) wieder die exponierte Rolle einnimmt, die er inne hatte und wie sich dies auf das Verhältnis zu Hoeneß auswirken wird.

Knallpotenzial: hoch.

Reschke - Hoeneß' Frühstückspartner und Transferflüsterer

Michael Reschke.

Laut offizieller Pressemitteilung übernahm Michael Reschke 2014 auf expliziten Wunsch von Sammer den neu geschaffenen Posten des Technischen Direktors. Es darf allerdings mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass auch Hoeneß bei dieser Personalie seine Finger im Spiel hatte. Reschke gilt als Bayerns Mastermind in Sachen Kaderplanung. Selten bis nie tritt er in der Öffentlichkeit auf, sondern zieht dank seines hervorragenden, über die ganze Welt gespannten Netzwerks höchst erfolgreich im Hintergrund die Fäden bei Transfers. Seit er Freigänger ist, trifft sich Hoeneß regelmäßig mit Reschke zum Frühstück und berät mit dem Transferexperten die personelle Zukunft. Die beiden vertrauen und schätzen sich.

Knallpotenzial: gleich Null.

FAZIT

Uli Hoeneß wird zurückkommen, das scheint so sicher wie das Amen in der Kirche. Der FC Bayern ist seine zweite Familie, sein Lebenswerk, von dem er trotz der jüngsten persönlichen Rückschläge nicht lassen kann. An der Säbener Straße werden ihm Profis, Fans und Funktionäre den roten Teppich ausrollen und sich über seine Rückkehr freuen. Einzig die Beziehung zu Matthias Sammer birgt ein gewisses Konfliktpotenzial, was aber durchaus auch befruchtend für den Verein sein kann. Einzige Voraussetzung: Die Streitigkeiten, so es sie denn geben wird, bleiben unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit verborgen.

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