So war es 2001 und 2013

Krisenherde beim FC Bayern: Holt man so das Triple?

Pep Guardiola, FC Bayern, Triple
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Ist das der Weg zum Triple? Guardiolas Bayern auf Richtungssuche.

FC Bayern - Viele Verletzte auf wichtigen Positionen, ein Trainer vor dem Abschied, ein Maulwurf in der Kabine. Beim FC Bayern gibt es zu Beginn der entscheidenden zweiten Saisonhälfte einige Konfliktherde. Wie sehen da die Chancen aufs Triple aus?

Auch 2001, als der FC Bayern unter Ottmar Hitzfeld die Champions League gewann, und in Jupp Heynckes' Triple-Jahr 2013 lief nicht alles wie geschmiert. Mit welchen Widrigkeiten die Bayern von damals und heute kämpften und kämpfen - wir zeigen Parallelen und Unterschiede.

Die Verletzungssorgen

Jupp Heynckes: Drei auf einen Streich.

Der Bayern-Kader 2016 ist derzeit ausgedünnt, vor allem in der Innenverteidigung kriselt es. Dass der Abwehr-Held von 2013 Jérôme Boateng überhaupt noch ins Triple-Geschehen eingreifen kann, ist unwahrscheinlich. Ebenfalls noch einige Wochen fehlen wird Abwehr-Allrounder Javi Martínez.

Im Dezember 2012 schockte der Kreuzbandriss des Innenverteidigers Holger Badstuber den FC Bayern. Dortmund-Schreck Arjen Robben hatte zudem vor der Winterpause häufiger mit muskulären Problemen zu kämpfen, erzielte aber am Ende das entscheidende Tor im Champions-League-Finale.

2001 wurde es erst gegen Saisonende richtig haarig für den FC Bayern. Die Halbfinals gegen Real Madrid bestritten Torjäger Giovanne Elber und Mittelfeld-Abräumer Jens Jeremies jeweils kurz nach Knieoperationen. Mit Erfolg: Elber schoss in Madrid das 0:1-Siegtor für den FC Bayern, Jeremies traf in München zum entscheidenden 2:1.

Fazit: Verletzungssorgen waren auch 2001 und 2013 ein Riesenthema. Gestoppt haben sie den FC Bayern am Ende nicht, da der Kader breit genug aufgestellt war, um die Ausfälle verkraften zu können. Das gilt, wenn nicht noch mehr passiert, auch für dieses Jahr.

Die Stimmung im Team

Ein Maulwurf, der Kabinengeheimnisse ausplaudert, angebliche Eskapaden im Trainingslager, der bevorstehende Abschied von Pep Guardiola und der Rundumschlag von Matthias Sammer: Beim FC Bayern herrscht momentan geladene Stimmung

Aber auch 2013 war keineswegs alles in Butter bei den Münchnern: Wie jetzt bei Pep Guardiola, stand auch damals der Abschied des Trainers zum Saisonende fest. Der große Unterschied: Jupp Heynckes wäre gerne noch länger beim FC Bayern geblieben, wurde zugunsten seines Nachfolgers Guardiola in den Ruhestand befördert. Das schien den Trainer-Oldie auf dem Weg zum Triple jedoch eher anzustacheln als einzubremsen. Der Rest ist Geschichte. 

Zweites großes Thema damals: Die Affäre um Uli Hoeneß. Gerade als die Saison in die heiße Phase ging, flog dem damaligen FC-Bayern-Präsidenten seine Steuerhinterziehungs-Affäre um die Ohren. Den Kader hat das aber offensichtlich nicht verschreckt.

Die Truppe um Oliver Kahn und Stefan Effenberg, die unter Hitzfeld 2001 den Champions-League-Titel holen konnte, galt nicht als besonders pflegeleicht. Kapitän Stefan Effenberg lobte dennoch die Team-Mentalität:  “Wir hatten eine unglaubliche Harmonie.“

Fazit: Das Zusammengehörigkeitsgefühl hatten die beiden Siegermannschaften von 2001 und 2013 gemeinsam. Die Maulwurf-Affäre von 2016 ist Symptom einer Unruhe im Kader, die der FC Bayern darum dringend abstellen muss.

Die Liga-Situation

Trainer-Legende Ottmar Hitzfeld lässt sich 2001 für den Champions-League-Gewinn feiern.

Der FC Bayern steht zur Zeit in der Liga bestens da. Solide acht Punkte Vorsprung auf Titelrivale Borussia Dortmund nach zwei Rückrundenspielen deuten darauf hin, dass der Traum von der vierten Meisterschaft in Folge sehr wahrscheinlich Realität wird.

2013 war der Vorsprung auf den Verfolger Leverkusen mit elf Punkten sogar noch komfortabler. Bequem wurden die Bayern trotzdem nicht. Es sei „Außergewöhnliches passiert, wir haben 81 Punkte geholt, das wird vermutlich sobald keine Mannschaft erreichen“, sagte Borussia Dortmunds damaliger Trainer Jürgen Klopp nach dem fulmianten Titelgewinn des BVB von 2012. Nur ein Jahr später straften ihn die Triple-Bayern mit 91 Punkten Lügen, pulverisierten Klopps Rekord mit 10 Punkten Differenz.

Da war es im Jahr 2001 schon deutlich enger: Aus einem Dreikampf mit Borussia Dortmund und Schalke 04 wurde am Ende ein Duell mit den Knappen. Den Titel sicherten sich die Bayern erst in der 94. Minute des letzten Spieltags durch den legendären Freistoß von Patrik Andersson. Wer sich daran nicht mehr genau erinnern, fragt am besten einen Schalke-Fan.

Fazit: Was in der Liga passiert, hat mit dem Geschehen in der Champions League nicht viel zu tun, solange der Siegeswille im Team erhalten bleibt. Den Fehler von 2014, diese Spannung zu zerstören, wird Pep Guardiola nicht wiederholen.

Die Rückschläge

Gröbere Schnitzer hat sich der FC Bayern diese Saison noch nicht geleistet. In den laufenden Wettbewerben setzte es bislang nur zwei Niederlagen, eine gegen Arsenal in der Champions League, eine gegen Gladbach in der Bundesliga. Beide haben die Münchner aber, den jüngsten Ergebnissen nach zu urteilen, nicht ins Taumeln gebracht.

Auch die Triple-Sieger von 2013 meisterten die Hürden bis in die Finalspiele relativ unbeschadet. Ein Hallo-wach-Erlebnis, das viele gerne vergessen: Beim FC Arsenal schrammte der FC Bayern nur knapp an einem überraschenden Achtelfinal-Aus vorbei.

Viel heftiger noch wirkte aber das niederschmetternde “Finale Dahoam“ von 2012 nach. Die Niederlage schweißte das Team zusammen.

Ein ähnliches Erlebnis verband die Bayern-Spieler im Jahr 2001. Die „Mutter aller Niederlagen“ im Champions-League-Finale 1999 in Barcelona schuf die Grundlage für den Titel zwei Jahre später. Das Triple gab es trotzdem nicht, Hitzfelds Team war gegen den 1. FC Magdeburg peinlicherweise schon in der 2. Runde des DFB-Pokals ausgeschieden.

Fazit: Beim Thema Rückschläge könnte für den FC Bayern dieses Jahr ein Problem lauern. Paradoxerweise, weil es diese Saison noch keine gab. Die Münchner haben Qualität und Kaderbreite, es fehlt jedoch so ein gemeinsames Schlüsselerlebnis, das die Erfolgsteams von 2001 und 2013 so titelgierig werden ließ. Die Bayern sind also gut beraten, die Ruhe im Kader schnellstmöglich wieder herzustellen, denn große Siege feiert nur, wer bedingungslos an einem Strang zieht.

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