Gute Feinde kann niemand trennen

Lemke: So lief die Versöhnung mit Hoeneß

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Aus Feindschaft wurde Freundschaft: Uli Hoeneß und Willi Lemke.

München - Die Streitereien zwischen Willi Lemke und Uli Hoeneß waren legendär. Jüngst gratulierte Hoeneß Lemke zum Geburtstag. Feindschaft beendet. Lemke verrät nun, wie es dazu kam.

Willi Lemke gegen Uli Hoeneß, Werder Bremen gegen den FC Bayern München. In den 80er und 90er Jahren lieferten sich die beiden Manager und ihre Teams das ein oder andere Duell. Auf und auch neben dem Platz. Lemke war als Manager von 1981 bis 1999 einer der ärgsten Widersacher der Bayern gewesen und hatte laut 11Freunde noch gegenüber Werder-Chronist Arnd Zeigler, der ihn für sein Buch "Das W auf dem Trikot" interviewt hatte, gesagt: "Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, Uli Hoeneß in meinen Freundeskreis aufzunehmen."

Hoeneß: Unser Verhältnis ist entspannt

Das war 2003, wir schreiben nun 2016. 13 Jahre sind eine lange Zeit. Offenbar lang genug, dass die einstigen Streithähne ihre Feindschaft begraben haben. Jüngst hatte Uli Hoeneß seinem einstigen ärgsten Widersacher persönlich zum Geburtstag gratuliert. Hoeneß sagt über diese Beziehung: "Unser Verhältnis hat sich total entspannt und prima entwickelt. Ich hatte ihn nach meinem Gefängnisaufenthalt angerufen und mich bedankt, dass er die Zeit vor dem Urteil und danach nicht genutzt hat, um auf mich draufzutreten. Daraus hat sich ein Dialog mit mehreren Treffen ergeben." Und wie genau diese Treffen abliefen, das erklärt nun Willi Lemke.

"Es war Ulis Stimme auf der Mailbox"

Dieses "freundschaftliche Verhältnis", wie es Lemke gegenüber Sport Bild bezeichnet, wuchs selbstredend nicht über Nacht: "Ich war für die UN als Sonderbeauftragter in Korea, und es versuchte jemand, mich mit unterdrückter Nummer auf meinem Handy zu erreichen. Am nächsten Tag das gleiche Prozedere. Doch aufgrund des Zeitunterschiedes zwischen Asien und Europa war es bei mir bereits Nacht, mein Handy hatte ich leise gestellt und schlief. Am nächsten Morgen sah ich, dass mir jemand auf die Mailbox gesprochen hatte: Es war Ulis Stimme."

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Und was sagte Hoeneß? "Sinngemäß hinterließ er die Botschaft, dass er es okay fand, dass ich nichts zu seiner Steueraffäre gesagt habe. Darauf gab es von mir anfangs aber keine Reaktion", erklärt Lemke.

"War wichtig, dass er merkte, dass ihm sein Feind die Hand reichen würde"

Wenig später hatte Lemke ein Interview gegeben, in dem er auf die Frage, ob er Uli Hoeneß die Hand reichen würde, mit "Ja" geantwortet. Daraufhin habe Hoeneß wieder mit unterdrückter Nummer angerufen. "Er sagte sinngemäß, dass er sich darüber gefreut habe. Ich hatte das Gefühl und glaube, dass es für ihn nach seiner Geschichte wichtig war und er merkte, wieder den Anschluss an die Gesellschaft zu finden, dass ihm sogar sein ärgster Feind die Hand reichen würde," so Lemke zu Sport Bild.

Wenige Wochen später kam es dann im Frühjahr 2015 zu einem Treffen an der Säbener Straße. Bei diesem Gespräch habe Lemke "einen anderen Uli kennengelernt, einen demütigen Menschen." Auch die alte Feindschaft zwischen den beiden sei ein Thema gewesen. Dennoch sei es "ein superfreundschaftliches Gespräch" gewesen.

"Ich bin der Willi"

Und nun sind die beiden Ex-Streithähne sogar per du: "Bei einem Glas Weißwein stießen wir an. 'Du, ich heiße Uli', sagte er. Ich entgegnete: 'Sorry, du bist ein junger Kerl. Du kannst mir gar nicht das Du anbieten, du bist der Jüngere. Wenn einer es anbieten kann, dann ich. Ich mach das jetzt mal: Ich bin der Willi.' Daraufhin hat Uli gelacht, wir haben angestoßen." 

"Es wird ein steiniger Weg für Uli"

Auch die Rückkehr von Uli Hoeneß als Präsident des FC Bayern kommentiert Lemke überwiegend wohlwollend: "Er hat seine Strafe verbüßt. Die Unterstützung seitens seines Klubs und von allen Bayern-Fans hat er. Aber in Deutschland werden ihn nicht alle unterstützen. Es wird für ihn ein steiniger Weg", sagt Lemke voraus. 

Er hoffe nur, dass Hoeneß das umsetze, was er ihm im persönlichen Gespräch gesagt habe: "Lösungen zu schaffen, dass die Bundesliga nicht nur aus zwei, drei Klubs besteht und die Kluft zwischen den Vereinen nicht noch größer wird, sondern wieder kleiner. Es ist gut, dass Uli zurückkommt. Vor allem dann, wenn er sich für die Liga einsetzt. Ich traue ihm das zu."

Am Freitag treffen dann der FC Bayern München und der SV Werder Bremen zum Auftakt der Bundesliga-Saison aufeinander. Wir berichten im Live-Ticker.

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sdm

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