Javier Faus verhöhnt die Roten

Barca-Vize ätzt: "Bayern sind für uns kein Beispiel"

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Als Barca-Vize Javier Faus das Interview mit den Aussagen zum FC Bayern gab, wusste er noch nicht, dass es kurz darauf zum direkten Duell im CL-Halbfinale kommen würde.

München - Ein prall gefülltes Festgeldkonto, seriöse Konzerne als Großsponsoren - warum der FC Bayern trotzdem kein Vorbild ist für den FC Barcelona, erklärt Vizepräsident Javier Faus.

Während der FC Bayern wirtschaftlich auf mindestens zwei äußerst gesunden Beinen steht, plagen den FC Barcelona 280 Millionen Euro Schulden. Sportlich allerdings, das ist spätestens seit Dienstagabend klar, haben die Katalanen zumindest in dieser Saison die Nase vorn.

Weltstars wie Lionel Messi, Neymar oder Luis Suarez machen Barca rund um den Erdball bekannt - dass sich der Klub dabei deswegen hohe finanzielle Verbindlichkeiten auflädt, wird dabei bewusst in Kauf genommen. Das hat nun auch Barca-Vizepräsident Javier Faus in einem bereits vor drei Wochen geführten Interview mit dem "Handelsblatt" bestätigt. "Wenn Sie im nächsten Jahrzehnt wachsen wollen, müssen Sie gewinnen. Man muss um alle Titel mitkämpfen, in jedem Jahr. Man muss präsent sein, das ist wichtig für eine Marke. Und man braucht Kultspieler, die wir haben."

"Als Marke ist der FC Barcelona mehr wert als der FC Bayern"

Kultspieler hat der FC Bayern auch - und diese hat er mit eigenem, selbst verdienten Geld gekauft (oder in der Jugend ausgebildet). Inzwischen ist der deutsche Rekordmeister schuldenfrei, das eigene Stadion, die Allianz Arena, ist bereits abbezahlt, auf dem Festgeldkonto schlummern mehr als 400 Millionen Euro Eigenkapital. Doch Neid kommt bei Faus deswegen nicht auf - ganz im Gegenteil. Er findet, Barca sei ein wahres Wunder in der Fußballwelt. Seine Erklärung: "Wir sind weltweit zusammen mit Real Madrid der einzige Klub, der unabhängig ist. Wir haben keine multinationalen Konzerne im Hintergrund wie Bayern München. Wir haben keinen Scheich, wir haben keinen Milliardär oder eine Private-Equity-Gesellschaft. Wir haben nur uns selbst, unsere Fans und den Wert unserer Marke." Das Vereinsmotto der Katalanen, "Més que un Club" ("Mehr als ein Verein"), ist weltweit bekannt, der Verein pflegt sein Image durch soziales Engagement.

Er wolle nicht, so Faus, "wie der FC Bayern von vier Konzernen (Allianz, Telekom, adidas, Audi - Anmerk. d. Red.) kontrolliert werden. Das würde für uns heißen, dass unser Ausrüster Nike und der Trikotsponsor Qatar Airways uns kontrollieren – das will ich nicht. Wir sind sehr stolz darauf, dass bei uns die Fans die Kontrolle haben." Dabei sind Audi und die Allianz in Deutschland auch Sponsoren für den FC Barcelona. "Diese Konzerne haben ein sehr intelligentes Marketing. Audi hat nicht nur uns, sondern auch Real Madrid – um nicht den Markt zu kannibalisieren und nur die eine Fangruppe als potenzielle Käufer zu haben. Das ist sehr klug", meint Faus dazu.

Auch beim Blick auf die wirtschaftlichen Zahlen will Barcas Finanzmann partout kein gutes Haar am FC Bayern lassen: "Wenn Sie auf den Nettogewinn schauen – da sind wir in den letzten Jahren besser als die Bayern. Wir sind zudem mehr wert als Marke, laut Forbes-Magazin liegen wir vor den Bayern. Also: Bayern ist für uns kein Beispiel."

"Wunderbar, aber kein Wunder da" - Pressestimmen zu Bayern vs. Barca

"Die nächste Gala der drei Außerirdischen" - Pressestimmen

Angesichts der von Milliardären unterstützten Klubs Paris St. Germain und FC Chelsea sieht Faus allerdings durchaus die Gefahr, dass Topstars wie Messi, Neymar oder Suarez irgendwann die Katalanen verlassen könnten. "Wenn ein Klub die Stärke hat, uns diese Spieler wegzukaufen, dann kriegt er sie. Wir müssen uns anpassen an die neuen Marktumstände, an die Paris Saint-Germains und Chelseas. (...) Die Spieler haben ein sehr kurzes Berufsleben und es ist ihr gutes Recht zu bekommen, was die anderen Klubs ihnen zahlen könnten. Nur weil wir als Verein noch anders sind, können wir nicht sagen: Bleib bitte hier, für das halbe Gehalt."

Ab und zu zählen aber auch für Topstars sportliche Argumente. Weder PSG noch Chelsea stehen dieses Jahr im Finale der Champions League. Der FC Barcelona seit Dienstagabend hingegen schon.

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