Italienischer Starcoach krempelt einiges um

Ancelotti vs. Pep: Was der Italiener beim FC Bayern ändern wird

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Mit Pep Guardiola (l.) will Carlo Ancelotti vor dem Saisonstart mal telefonieren.

München - Ab sofort weht ein frischer Wind an der Säbener Straße - oder besser gesagt: eine angenehm-sanfte italienische Brise. Carlo Ancelotti tritt beim FC Bayern die Nachfolge von Pep Guardiola an - und verändert gleich mal ein paar Dinge.

Am 11. Juli startete der FC Bayern in die Vorbereitung auf die neue Saison. Das Zepter wird dann Carlo Ancelotti führen, der beim Rekordmeister die Nachfolge von Pep Guardiola antritt. Bereits eine gute Woche vor dem offiziellen Auftakt lässt sich Ancelotti an der Säbener Straße blicken, um sich einen Eindruck von seinem neuen Arbeitsplatz und neuen Kollegen zu verschaffen.

Auch wenn der 57-jährige italienische Gentleman generell kein Mann der großen Umbrüche ist, so bringt er doch seine eigenen klaren Vorstellungen mit. Schließlich unterscheiden sich "Carletto" und Pep doch ziemlich in ihren Auffassungen von Taktik und Spielstil, ticken unterschiedlich in Sachen Coaching, Umgang mit den Medien und Menschenführung. Wir listen die Bereiche auf, in denen sofort spürbar wird, dass statt eines spanischen Viento nun ein italienischer Vento an der Säbener weht.

Spielidee

Carlo Ancelotti gilt als genauer Beobachter, der sich den Begebenheiten, seinem Umfeld anpasst. Insofern wird der Italiener sich in den ersten Wochen zunächst einen Überblick verschaffen, welche Spieler mit welchen Fähigkeiten ihm zur Verfügung stehen und danach sein Spielsystem danach ausrichten. Er ist in seiner taktischen Konzeption nicht so festgelegt wie Guardiola (der bei Bayern allerdings auch im Laufe der drei Jahre von seinem ursprünglichen propagierten Barca-Stil abrückte). Generell bevorzugt Ancelotti einen eher abwartenden Spielstil, zu dem auch eigene Konter gehören.

Auch für Torwart Manuel Neuer wird es eine Umstellung geben. Das von Guardiola bevorzugte hohe Gegenpressing wird es so unter Ancelotti nicht mehr geben. Seine Mannschaften stehen generell etwas tiefer, dadurch wird der Welttorhüter seltener als eine Art Libero eingreifen müssen - ohne freilich auf sein modernes Torwartspiel verzichten zu müssen.

Darüber hinaus ist Joshua Kimmich nicht als Innenverteidiger wie zuletzt unter Pep agieren, sondern ist als Sechser beziehungsweise Achter im zentralen Mittelfeld eingeplant. Die Rolle des Rechtsverteidigers, die Kimmich aktuell bei der EM 2016 in der deutschen Nationalmannschaft hervorragend ausfüllt, ist allerdings auch nicht gänzlich vom Tisch. "Wenn ein spielgestaltender Außenverteidiger benötigt wird, kann Joshua diese Position immer besetzen", bestätigt Bayerns Technischer Direktor Michael Reschke.

Mitarbeiterstab

Es wird einen Umbruch im Trainerteam des FC Bayern geben. Mit Pep verabschieden sich auch seine Zuarbeiter Domenec Torrent, Lorenzo Buenaventura, Carles Planchart und Manel Estiarte vom FC Bayern. Ancelotti bringt seinen eigenen Vertrauten mit. Den Kern seines Stabs bilden Fitnesstrainer Giovanni Mauri, Ancelottis Sohn Davide sowie Mauris Sohn Francesco, die beide mit Mauri im Fitnessbereich tätig sein werden. Der Engländer Paul Clement wird Ancelottis Co. Die beiden einzigen Konstanten im Trainerteam sind Co Hermann Gerland und Torwarttrainer Toni Tapalovic.

Verhalten an der Seitenlinie

Erstmals wird Ancelotti am 16. Juli als Bayern-Trainer auch wirklich an der Seitenlinie stehen. Der Test gegen Oberligisten Lippstadt ist zwar keine ernstzunehmende Aufgabe, dennoch wird sich vermutlich schon dort abzeichnen, wie unterschiedlich sich Ancelotti im Vergleich zu Guardiola am Spielfeldrand verhält. Das Duracell-Verhalten des Spaniers ist des Italieners Sache nicht. Statt Gefuchtel und Auf-und-Ab-Marschiere strahlt er von außen Ruhe aus, stets mit dem typischen Kaugummi im Mund und höchstens gelegentlich mit sparsamen Fingerbewegungen Anweisungen erteilend.

Umgang mit den Stars

Die menschlichen Qualitäten Ancelottis übertreffen seine Trainerkünste benahe noch. Egal, wen man fragt, niemand kann etwas Böses über Carletto berichten. der Gentleman behandelt alle gleich, vom Superstar bis zum Nachwuchsmann. Er versteht sich bestens auf den Umgang mit sogenannten schwierigen Charakteren wie Cristiano Ronaldo (bei Real Madrid) oder Zlatan Ibrahimovic (bei Paris St. Germain), er hat einfach ein Händchen für den Umgang mit seinen Spielern. So schwärmt beispielsweise Sami Khedira heute noch von der Zusammenarbeit in Madrid: "Die Tür zu seinem Büro war immer auf, er hat sich immer Zeit genommen. Er schreit eigentlich nie. Ich habe es selten erlebt, dass 25 Spieler quasi nie sauer auf ihren Trainer sind. Ancelotti hat die Mannschaftsführung perfektioniert."

Die Transfergerüchte rund um den FC Bayern

Das werden auch Arjen Robben und Franck Ribéry gerne hören. Denn unter Guardiola spielte das Weltklasse-Flügelduo - allerdings auch verletzungsbedingt - nicht mehr die ganz herausgehobene Rolle wie noch beispielsweise unter Jupp Heynckes. Vor allem Ribéry fehlte in der Zusammenarbeit mit Pep die menschliche Wärme. Die wird er von Ancelotti bekommen, der den Franzosen vor sieben Jahren mal zum FC Chelsea locken wollte. Der neue Coach braucht "Robbery" bereits in der Anfangsphase der Saison, da die Alternativen Douglas Costa (Olympia-Teilnahme) und Kingsley Coman (längere Pause wegen EM-Teilnahme) erst mal nicht zur Verfügung stehen werden.

Verhältnis zu den Medien

Pep Guardiola hat in seinen drei Jahren beim FC Bayern kein einziges Einzelinterview gegeben. Lediglich im Rahmen der üblichen Vor- und Nachberichterstattung absolvierte er die Pflichttermine wie Spieltagspressekonferenzen etc. Seine Unlust, sich im Gespräch mit Journalisten zu erläutern, war ihm dabei (fast) immer deutlich anzumerken. Unter Ancelotti wird das Verhältnis zur Presse sicherlich wieder offener werden. Der Italiener scheut die Medien nicht, sondern spielt im Gegenteil gerne mit ihnen und schreibt auch Kolumnen in verschiedenen medialen Erzeugnissen, wie beispielsweise derzeit für den englischen Guardian.

Hier können Sie die erste Pressekonferenz von Carlo Ancelotti live im Stream und im TV verfolgen.

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