Spaßkicker ohne Spaß

Po, Rücken, Knie: Das Leiden des Franck Ribéry

Franck Ribéry
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Franck Ribéry.

München - Po, Rücken, Knie - 2014 meint es nicht gut mit Franck Ribéry. Die WM hat der Franzose verpasst, die Champions League startet ohne ihn. Das neue Problem kennt auch Weltmeister Schweinsteiger nur zu gut.

Das Glück währte nur kurz. Strahlend lief Franck Ribéry nach seinem Comeback-Treffer gegen den VfB Stuttgart vor die Fankurve und genoss den Jubelsturm der Bayern-Anhänger. Es sah nach einer großen Befreiung aus nach frustrierenden Monaten, die den französischen Stimmungsfußballer „ganz schön angenervt“ hatten, wie Ribéry im Anschluss an den 2:0-Heimsieg des FC Bayern gestand.

Das verkorkste Jahr 2014 schien sich für den Mittelfeldspieler endlich zum Guten zu wenden. Und das pünktlich zum Start der Champions League, der Lieblingsbühne der besten Kicker in Europa. „Jetzt brauche ich Rhythmus und Spiele“, verkündete Ribéry hochmotiviert. Doch der schöne Plan währte nur kurz: Die Schmerzen an der Patellasehne im linken Knie, die auch beim ersten Saisoneinsatz nicht komplett weg gewesen waren, nahmen prompt wieder zu.

„Franck ist nicht hier, er hat Probleme mit dem Knie und kann nicht spielen“, lautete die kurze Nachricht von Trainer Pep Guardiola am Tag vor dem Königsklassen-Auftakt gegen Manchester City. Die Ampel steht für Ribéry erneut auf Rot. „Ich denke, er fällt die nächsten Tage aus“, sagte Guardiola noch vage auf die Frage nach der neuen Ausfalldauer. Der Spanier äußert sich nicht mehr im Detail zu Verletzungen oder Krankheiten seiner Spieler. „Fragen Sie den Arzt“, lautet seine Standardantwort nach einigen Unstimmigkeiten in der Vergangenheit mit Vereinsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt.

Patellasehne. Das kann schnell gehen, es kann aber auch dauern. Bastian Schweinsteiger ist nach seinem weltmeisterlichen Kraftakt in Brasilien wegen einer Patellasehnenreizung auf unbestimmte Zeit krankgeschrieben. Er hatte die Probleme schon vor dem Turnier gehabt, Der Kapitän der DFB-Elf hat unlängst angekündigt, beim FC Bayern erst wieder ans Comeback zu denken, wenn er schmerzfrei sei.

Geduld zu haben fällt schwer im Leistungssport. „Ich habe immer Lust zu spielen, ist doch klar“, erzählte Ribéry im „Kicker“ nach seinem nur 22 Minuten währenden Saisondebüt gegen Stuttgart. Und er verriet: „Ich verspüre immer noch ab und zu Schmerzen im Knie. Da darf man kein Risiko eingehen.“ War das Comeback doch zu voreilig?

Beim US-Trip des FC Bayern in der Saisonvorbereitung hatten die Knieprobleme begonnen. Sie fügten sich ein in die Pechsträhne 2014, die im Januar mit der Niederlage von Ribéry gegen den Portugiesen Cristiano Ronaldo bei der Wahl des Weltfußballers begonnen hatte. Der Franzose hatte an der verlorenen Wahl zu knabbern. Ribéry konnte nicht an die überragende Form des Traumjahres 2013 anknüpfen, als er mit den Bayern alle möglichen Titel abräumte, Champions League und Club-WM gewann und erstmals auch zu Europas Fußballer des Jahres gekürt wurde - vor den Weltstars Lionel Messi und Ronaldo.

Im Februar folgte eine Operation am Gesäß. Im Frühjahr begannen die Rückenprobleme, die Ribéry schließlich im Sommer auch die Teilnahme an der Weltmeisterschaft kosteten. „Zweieinhalb, drei Jahre war ich auf einem Topniveau, habe immer gespielt, hatte meinen Rhythmus. Und plötzlich, seit Beginn dieses Jahres, war alles anders“, sagte Ribéry über die „harte Zeit“, die nun endlich überwunden schien.

Ribéry ist 31 Jahre alt. Der Hochleistungsfußball fordert körperlich Tribut. Gerade für sein Spiel, die dynamischen Tempo-Dribblings auf dem linken Flügel, die ständigen Zweikämpfe, die permanenten Attacken der Gegenspieler, ist die körperliche Fitness die unverzichtbare Basis. Ribéry kann den Unterschied in Spielen ausmachen, ähnlich wie Arjen Robben oder Mario Götze. „Wir brauchen Franck. Wir brauchen sein Talent im Eins gegen Eins“, sagte Guardiola vor Ribérys Rückschlag.

Es ist bisher einfach nicht das Jahr des Franck Ribéry, der im vergangenen Jahr seinen Vertrag in München („Das ist meine zweite Heimat“) bis 2017 verlängert hatte. Von 21 Ligaspielen 2014 absolvierte er nur zehn. Zu Beginn des Jahres musste er sich einen Bluterguss im Gesäß entfernen lassen, dann waren es hartnäckige Rückenprobleme und aktuell die Patellasehne.

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Dazu kamen noch die Diskussionen in Frankreich um Ribérys WM-Absage und neuerdings über dessen Rücktritt aus der Nationalmannschaft. Sogar der französische UEFA-Präsident Michel Platini hatte sich eingemischt und dem Bayern-Profi sogar mit einer Sperre gedroht. „Ich war von der Entscheidung Francks überrascht. Ich möchte allen Spielern in Erinnerung rufen, dass es nicht ihnen zusteht zu entscheiden, ob sie in der Nationalmannschaft spielen oder nicht“, sagte Platini.

Ribéry zeigte sich davon wenig beeindruckt. Für ihn kommt ein Comeback nicht in Frage. Das habe er Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps in einem Gespräch eindeutig mitgeteilt. „In Zukunft möchte ich mich voll und ganz auf den FC Bayern konzentrieren. Mehr möchte ich zu diesem Thema nicht mehr sagen“, sagte Ribéry zuletzt der Tageszeitung Welt. Der 31-Jährige hat inzwischen ohnehin andere Sorgen.

Die Liste der Knie-Patienten beim FC Bayern ist lang. Zu Ribéry und Schweinsteiger gesellen sich die spanischen Nationalspieler Javi Martínez (Kreuzbandriss) und Thiago (zwei Innenbandrisse). Auch Robben plagte sich vor dem ManCity-Spiel mit leichteren Problemen herum. Immerhin, eine positive Nachricht aus der Krankenabteilung gab es vor dem Champions-League-Start: Beim Abschlusstraining war Thiago im Stadion dabei. Der 23-Jährige absolvierte zwar erst einmal nur das Aufwärmprogramm mit den Kollegen, aber ein Comeback rückt näher.

dpa/sid

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