Drei Jahre, kein Bundesliga-Spiel

Fritz Kloo über seine Zeit beim FCB: "Vom Gerd konnte man nicht lernen"

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Kurze, aber lehrreiche Profikarriere: Fritz Kloo war von 1976 bis 1979 Lizenzspieler beim FC Bayern München. Seit dieser Saison trainiert er die Gautinger Fußballer.

München – Fritz Kloo ist nur noch alten Bayern-Fans ein Begriff. Der Angreifer kam in den 70er-Jahren nicht an Gerd Müller vorbei. Uli Hoeneß brachte ihm etwas Wichtiges bei.

Dass sich seine neue Elf trotz eines 2:0-Vorsprungs gegen Egenburg nur 2:2 unentschieden trennte, wollte er nicht überbewerten. Nach wie vor ist der 58-jährige Fußballlehrer voll des Lobes für seinen neuen Klub. „Welcher Verein schafft es schon, mit lauter eigenen Jugendlichen eine Mannschaft aufzubauen?“, fragt er, ohne eine Antwort zu erwarten. Der Coach, der in den vergangenen zehn Jahren vor allem Jugendteams in der Bezirksoberliga und Landesliga betreute, hat Gefallen an den Würmtalern gefunden, auch wenn die gegen den Verein für Leibesübungen jede Menge klarster Chancen liegen ließen. Allerdings stehen ihm in der Kreisklasse noch einige Überraschungen bevor, die er so in seiner Karriere noch nicht erlebt hat. „Ich weiß eigentlich nicht, was auf mich zukommt“, gibt er sich ganz unbedarft.

Dabei hat Kloo in seiner Laufbahn so alles erlebt, was der Fußball für einen Kicker bereit hält. Von der Saison 1976/77 an hat er drei Jahre für den FC Bayern München gespielt, ohne jedoch in einer einzigen Bundesligapartie aufzulaufen. Es war die bewegteste und aufregendste Zeit beim Deutschen Rekordmeister nach dem zweiten Weltkrieg. Der Verein hatte zum dritten Mal in Serie den Pokal der Landesmeister gewonnen, stand aber vor dem Umbruch. In dieser turbulenten Phase wurde der moderne FC Bayern geboren. Und Fritz Kloo war hautnah dabei. Kloo hatte sich damals bei den A-Junioren der Roten so hervorgetan, dass sich Trainer Dettmar Cramer persönlich für ihn einsetzte und ihn mit einem Dreijahres-Vertrag ausstatten ließ. „Wer schafft schon als Jugendlicher den Sprung in eine Lizenzspieler-Mannschaft?“, weist Kloo darauf hin, dass dies gar nicht so selbstverständlich war.

Zwar hatten die Bayern ihren Zenit überschritten, aber der Kader war erlesen. Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Katsche Schwarzenbeck, Uli Hoeneß oder Bulle Roth waren damals schon Legenden. Und dann gab es aufstrebende Spieler wie Bernd Dürnberger oder Karl-Heinz Rummenigge. „Ich war in der Hierarchie ganz unten“, erinnert sich Kloo. Das Problem des gelernten Mittelstürmers war jedoch, dass er auf seiner Position einen internen Konkurrenten vor sich hatte, wie es in Deutschland keinen zweiten gab und nicht mehr geben sollte. Gerd Müller war im Angriff gesetzt, nur in Privat- oder Freundschaftsspielen durfte ihn der Jungspund vertreten. Was der so genannte „Bomber der Nation“ im gegnerischen Strafraum veranstaltete, war für Kloo einzigartig. „Man konnte vom Gerd nicht lernen, man konnte ihn auch nicht kopieren. Man hatte ganz einfach nicht den Körper und die Schnelligkeit vom Gerd“, erklärt Kloo das Phänomen mit der besonderen Physis des Rekordtorschützen. Rückblickend ist für ihn zwar „der Franz Beckenbauer der beste Fußballer, aber ich glaube dass der FC Bayern ohne den Gerd nie so weit gekommen wäre“.

Im Gegensatz zu Müller hatte Kloo die schwächeren Knochen. Er brach sich sowohl den linken als auch den rechten Mittelfuß. Eine Blinddarmoperation hinderte ihn genauso daran, sich in die Mannschaft zu spielen, wie der Grundwehrdienst bei der Bundeswehr.

Zeuge richtungsweisender Entwicklungen wurde er trotzdem. Im Dezember 1977 wurde Dettmar Cramer mit Guyla Lorant ersetzt, der damals die Frankfurter Eintracht trainierte. Der Ungar, dem die Bayern mit Rang zwölf ihre schlechteste Bundesliga-Platzierung verdanken, hielt sich aber nur ein Jahr. Max Merkel stand vor der Tür, um den Spielern Beine zu machen. Aber Sepp Maier und Paul Breitner, der vor der Saison von Eintracht Braunschweig an die Säbener Straße zurückgekehrt war, wollten den bärbeißigen Österreicher nicht und favorisierten Co-Trainer Pal Csernai. „Das waren die Triebfedern“, erinnert sich Kloo an die Revolte. Unter gewaltigem medialem Getöse setzten sich die Spieler schließlich durch.

Präsident Wilhelm Neudecker nahm seinen Hut und schaffte Raum für eine neue Entwicklung. Im Frühjahr 1979 bezog Uli Hoeneß in der Säbener Straße sein Büro als Manager. „Der Uli war ein Geschäftsmann, der den Verein wieder auf die richtige Bahn gelenkt hat“, würdigt Kloo die Verdienste des ehemaligen Stürmers, der nach bewegten und erfolgreichen Jahren nun vor seiner Wiederwahl als Präsident des Clubs steht. Eine von Hoeneß ersten Amtshandlungen war ein Gespräch mit dem jungen Angreifer. „Du wirst wohl den Anschluss nicht mehr schaffen“, eröffnete ihm der Manager und drängte auf einen Wechsel.

Kloo hatte die Wahl, sein Glück in der zweiten Liga zu probieren oder noch ein Jahr für die Bayern-Amateure zu kicken. Mit Rücksicht auf seinen erlernten Beruf als Bankkaufmann entschied er sich dafür, seine Profi-Laufbahn zu beenden. In dem Jahr, als er in der Reserve spielte, wurden die Bayern Deutscher Meister. Danach wechselte Kloo zum FC Wacker München, wo er fünf Jahre blieb, bevor er weiter zu Gartenstadt Trudering zog. Ins Profigeschäft kehrte er nie mehr zurück.

Fritz Kloo hatte in seiner Bundesliga-Zeit so viel mitgemacht, dass er ganze Bände füllen könnte. Den Abschied von „Kaiser“ Franz zu Cosmos New York, die Ausbootung von Gerd Müller unter Pal Csernai, was „man mit einem so verdienten Spieler wie ihn nicht machen kann“, und den Autounfall, der Sepp Maier die Karriere kostete. Er sah, wie Uli Hoeneß den verschuldeten Verein auf Vordermann brachte und Karl-Heinz Rummenigge zum Weltklasse-Stürmer reifte. Nur gespielt hat Fritz Kloo für den FC Bayern München in der Bundesliga nie.

Christian Heinrich

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