Interview mit Gina Lewandowski

Bayerns US-Girl: "Stadien platzen aus allen Nähten"

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US-Girl beim FC Bayern: Gina Lewandowski trägt seit 2012 das Trikot der Roten.

München - Die Stars des FC Bayern werben auf ihrem US-Trip für die Bundesliga. Gina Lewandowski, das US-Girl an der Säbener Straße, spricht im Interview über ihre Heimat.

Seit 2012 spielt sie für die Frauen des FC Bayern: Gina Lewandowski (31), in Coopersurg/Pennsilvania geborene US-Nationalspielerin. Das tz-Interview über Soccer und die Staaten.

Frau Lewandowski, wie kommt man als kleines Mädchen in den USA auf die Idee, Fußball zu spielen?

Lewandowski: Bei mir in der Schule haben alle Fußball gespielt, also habe ich irgendwann mitgespielt. Es wurden auch viele Camps angeboten, in den Staaten sollen die Kinder ja stets aktiv sein.

Basketball & Co. haben Sie also nie wirklich gereizt?

Lewandowski: Ich habe alles durchgemacht. Basketball, Softball, Volleyball, Fußball hat mir persönlich aber immer mehr Spaß gemacht. Und als ich älter wurde, habe ich mich für Fußball entschieden.

Also ist den Amerikanern Gina Lewandowski mittlerweile ein Begriff.

Lewandowski: Es hat sich rumgesprochen, dass ich in Deutschland Fußball spiele. Ich denke aber nicht, dass jeder in Coopersburg mit Gina Lewandowski etwas anfangen kann.

Wer ist denn bekannter: Gina oder Robert Lewandowski?

Lewandowski: In meiner Heimatstadt?

Genau!

Lewandowski: Keiner so richtig, in Coopersburg interessieren sich die Menschen nicht allzu viel für den Fußball. In den Metropolen ist das schon anders, da wissen die Leute schon, wer Robert Lewandowski ist.

Weiß Robert denn auch, wer Gina Lewandowski ist?

Lewandowski: Mittlerweile schon, ja. Wir haben ein paarmal miteinander gesprochen - auf Deutsch - und sogar schon Trikots getauscht.

Robert ist bei der USA-Tour nicht dabei, aber worauf kann sich der Rest der Mannschaft einstellen?

Lewandowski: Auf eine überragende Stimmung! Ich habe mit vielen meiner Landsleute gesprochen, die sich sehr auf die Bayern und die Spiele vor Ort freuen. Sonst können sie die Bayern nur im TV sehen, daher werden auch die Stadien bestimmt aus allen Nähten platzen.

Also geht es mit dem Fußball weiterhin bergauf in den Staaten?

Lewandowski: Und wie, mittlerweile machen wir bei großen Turnieren sogar Public Viewings (lacht). Es wird immer bekannter, auf jeden Fall. Und auch die Bayern sind den meisten ein Begriff, sie sind in einer Riege mit den ganz großen Klubs wie Real Madrid oder Manchester United. Klar, die großen Namen sind Ronaldo und Messi, den die Amerikaner nun bei der Copa America auch live spielen sehen konnten, aber auch die Stars des FCB sind vielen in den Staaten bekannt.

Nach der WM 2014 war der Soccer-Boom enorm.

Lewandowski: Es hat ein wenig abgenommen, aber das Interesse ist bestehen geblieben. Dennoch muss man sich einfach eingestehen, dass der Fußball nie auf einer Stufe mit Basketball oder Baseball stehen wird. Der US-Fußballverband investiert aber eine Menge Geld in den Fußball und schiebt das Projekt kontinuierlich voran. Es tut sich also was.

Henry, Raul, Pirlo - böse Zungen bezeichnen die MLS als Altherrenliga. Ihre Meinung dazu?

Lewandowski: Das Niveau ist eben nicht dasselbe wie hier in Europa. Wenn die Stars aus Spanien, England oder Italien älter werden und nicht mehr mithalten können in ihren Ligen, können sie in der MLS weiterhin hochklassig ­kicken und entdecken zudem die USA. Die Liga wird aber besser, von Jahr zu Jahr.

Wo können sich die Amerikaner in Sachen Fußball etwas abschauen bei den Deutschen?

Lewandowski: Die komplette Vereinsstruktur ist vorbildlich. In Amerika gibt es nur Schulen, die jeweils sehr weit entfernt sind voneinander, und jeder muss sich alles selbst finanzieren, weshalb Fußball für die Familien auch ein sehr teures Unterfangen ist. Wenn die Eltern wollen, dass ihre Kids in einer guten Mannschaft sind, müssen sie viel Geld in die Hand nehmen. Das reicht aber nur für eine Altersgruppe, danach müssen die Kinder wieder woanders hin. Hier in Europa ist es komplett anders. Die Vereine finanzieren sich selbst und können ihre Strukturen demnach selbst aufbauen und gestalten.

Klingt so, als ob auf diese Weise viele Talente verloren gehen.

Lewandowski: Möglich. Wenn du Talent hast, wirst du aber auch auf anderem Wege erfolgreich. Man kann sich zwar keinen Personal Trainer leisten, der viermal die Woche ins Haus kommt, dafür lernt man, sich durchzusetzen.

Und was können sich die Deutschen von den Amerikanern abschauen?

Lewandowski: Physische Aspekte, denke ich. In den Staaten legt man sehr großen Wert auf Fitness und Athletik, was man gerade bei Topsportlern noch mal verstärkt sieht und was auch in den verschiedenen Sportarten begründet liegt, die hier getrieben werden. Ich habe zum Beispiel neben dem Fußball auch Basketball gespielt, was mir neben der Technik auch physisch eine Menge gebracht hat. Innerhalb der Sportarten zu wechseln, macht doch Spaß. Das könnte in Deutschland vielleicht mehr gefördert werden.

Und wo gefällt es Ihnen nun besser?

Lewandowski: Ich vermisse meine Freunde und meine Familie in den Staaten schon, aber der Fußball hält mich hier genauso wie die neun Jahre, die ich nun in Deutschland verbracht habe. Ich habe mein Leben hier und die Mentalität in Europa ist auch etwas angenehmer, muss ich gestehen. In Amerika ist alles immer so groß und die Leute haben so viel zu tun. Ich wollte mir mal eine Flasche Shampoo kaufen, unter zwei Liter ging aber nichts. So viel wollte ich doch gar nicht. Hier in Deutschland ist alles simpler.

Und es gibt keinen Donald Trump.

Lewandowski (lacht): In der Tat.

Interview: José Carlos Menzel López

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