Ex-Profi Andreas Görlitz über den PR-Trip

US-Tour? "Bayern kann mit authentischen Figuren punkten"

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Ex-Bayern-Profi Andi Görlitz - die Aufnahme stammt aus dem Jahr 2009.

München - Der Amerika-erfahrene Andreas Görlitz spricht im Interview über den PR-Trip seines Ex-Klubs in die USA, die Rolle von Jürgen Klinsmann und das Fußball-Potenzial in den Staaten.

Andreas Görlitz (34) hat seine ersten Schritte in den USA schon vor dem FC Bayern absolviert: Im März 2014 unterschrieb der Ex-Profi, der in München für die „Blauen“ vom TSV 1860 und die „Roten“ aufgelaufen ist, bei den San Jose Earthquakes in der Major League Soccer. Wegen einer Verletzung beendete er dort früher als geplant seine Karriere, hat die USA aber dennoch bestens in Erinnerung. Im Interview erklärt der Weilheimer, der in den USA auch die Basis für seine zweite Karriere mit der Band „room77“ gelegt hat, was für den FC Bayern in den Staaten möglich ist (alle Infos zur USA-Reise des FC Bayern hier im News-Ticker).

Herr Görlitz, die Amerikaner und der Fußball: Immer ein spezielles Thema. Was ist Ihre Einschätzung – finden da zwei Welten noch zueinander?

Andreas Görlitz: Auf jeden Fall! Da ist ein riesiges Potenzial, und die Begeisterung wächst von Jahr zu Jahr. Wenn man durch die USA fährt, sieht man überall Fußballplätze, und auf denen toben etliche Kids herum. Es dauert sicher noch so fünf Jahre, ehe man an europäische Verhältnisse heranreicht – aber da wächst eine neue Generation heran, eigentlich ist sie schon da, die mit Fußball echt was anfangen kann.

Die Bayern kommen also nicht zu spät, um diesen Markt zu erobern?

Görlitz: Nein. Manchester United, die Premiere League generell, der FC Barcelona und Real Madrid mit ihren Marken Lionel Messi und Cristiano Ronaldo sind zwar voraus – aber für die Bayern ist noch viel drin, wenn man es clever anstellt.

Clever anstellen, gutes Stichwort. Wie kann der FC Bayern gezielt bei den Amerikanern punkten?

Görlitz: Sie machen das schon einmal richtig, indem sie ein eigenes Büro in New York haben. Es ist wichtig, den Puls der Amerikaner zu fühlen. In den USA lieben die Menschen auch die Show, deshalb kommen Messi oder Ronaldo so gut an. Hier wird vor jedem Ligaspiel die US-Hymne gespielt, und sogar bei einem Testspiel gegen LA Galaxy zum Beispiel landen Fallschirmspringer mit der Flagge im Stadion. Auch wenn die Bayern weniger Show machen als andere, haben sie Spielertypen, die in den USA gut ankommen: Manuel Neuer, Thomas Müller. In den USA schätzen die Leute auch die bayerische Kultur, viele setzen ja den Freistaat mit Deutschland gleich, und da kann man mit authentischen Figuren punkten.

Würde Neuer auf der Straße erkannt werden?

Görlitz: Nein, das denke ich nicht. Da müsste er auf einen echten Fan treffen. Auch Menschen in Fußballtrikots sind mir eigentlich nie so aufgefallen, außer an Spieltagen rund um das Stadion herum. Da hinkt der Fußball den US-Sportarten schon noch hinterher. Wenn, sieht man vereinzelt mal einen im ManU-Trikot oder im Ronaldo-Real-Shirt.

Wie ist der Fußball in der Major Soccer League?

Görlitz: Das Niveau ist überraschend hoch und steigt permanent. Es ist zwar noch kein Vergleich zu Europa, aber es wird schon. Und die Leidenschaft der Fans ist typisch USA: riesig. Wenn du Fußball sehen willst, findest du immer eine Bar, in der viele mitfiebern. Und auch in den Stadien gibt es echte Gänsehauterlebnisse – ich erinnere mich zum Beispiel gerne an Seattle, Portland, Vancouver. Da ist die Fankultur fast europäisch.

Kommt es noch immer vor, dass die Zuschauer jubeln, wenn der Ball hoch über statt ins Tor fliegt – weil sie denken, es sei wie ein „Field Goal“ beim American Football?

Görlitz (lacht): Ja, das passiert. Aber nicht mehr oft. Man darf einfach nicht vergessen, dass die Sportart in Anführungsstrichen noch relativ neu ist.

Was sind kuriose Erinnerungen an Ihre Zeit bei den Earthquakes?

Görlitz: Die vielen langen Reisen, das kommt einem fast vor wie in der Champions League. Da ist man gleich auch mal fünf Tage unterwegs, und plötzlich spielst du in Mexiko, oben auf 3000 Metern Höhe. Da pumpst’ wie ein Maikäfer, wie es auf gut Bayerisch heißt.

Wie ist mit Blick auf die Entwicklung des Fußballs in den USA die Personalie von US-Coach Jürgen Klinsmann zu sehen?

Görlitz: Er hatte auf jeden Fall am Anfang einen Deutschland-Bonus, die Leute wissen ja, dass bei uns eine große Tradition in der Sportart herrscht. Ich denke, dass er auf jeden Fall einen großen Beitrag leistet, dass der US-Fußball international wahrgenommen wird.

Interview: Andreas Werner

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