FC Bayern vor dem Pokal-Derby

Mit Goldjungen Sanches gegen Augsburg

Zauberfuß mit Luft nach oben: Renato Sanches war zuletzt nur Joker. Im Pokalspiel gegen Augsburg dürfte er in der Startelf stehen. foto: afp

Wenn man binnen einer Woche zwei Mal gegen denselben Gegner spielt, hat man etwas Zeit, sich um Dinge abseits des Platzes zu kümmern. Zum Start in die Woche, in der der FC Bayern gegen und in Augsburg antritt, standen daher Einzelspieler im Fokus. Ein Quartett, das Weltfußballer werden kann – und ein Nachwuchsspieler, von dem man sich bald mehr erwartet.

München – Man muss zugeben, dass der Wettergott es ein bisschen besser hätte meinen können mit Renato Sanches. Aber Deutschland ist eben nicht Portugal, die Säbener Straße nicht an der Algarve, und so nahm es der Portugiese gestern eben so, wie es war: Mit Nieselregen.

Carlo Ancelotti hatte sein Team am Tag vor dem heutigen Spiel in der zweiten Pokalrunde gegen den FC Augsburg (20.45 Uhr) noch einmal zusammengetrommelt. Und alle, die beim Blick auf den großen Kreis auf dem Trainingsplatz schon wieder den tieferen Sinn der Stärkung des Zusammenhalts, der Abkehr der so oft zitierten Lange-Leine-Taktik sahen, wurden später, als Manuel Neuer in der Pressekonferenz saß, eines Besseren belehrt. Denn der Nationalkeeper verriet, dass sich der große Bahnhof inklusive kleiner Ansprache des Bayern-Trainers ausschließlich an Sanches gerichtet hatte. Den jungen Burschen, der seit Montag offiziell „Golden Boy“ genannt werden darf. Oder übersetzt: Größtes Talent von Europa.

„Er hat sich gefreut“, sagte Neuer über die Reaktion des 19-Jährigen auf die Gratulationen seiner Teamkollegen und ergänzte: „Also, er hat zumindest gelacht.“ Ein Beisatz, der eigentlich nicht weiter wichtig ist, jedoch im Fall von Renato Sanches doch Aussagekraft besitzt. Bisher ist dieser junge Europameister, dessen Verpflichtung man in München als großen Coup gefeiert hatte, noch nicht so richtig angekommen bei seinem neuen Arbeitgeber. Ohne Sprachkenntnisse können nur Gesten gedeutet werden, die Kommunikation auf dem Platz ist erschwert. „Mit den Südamerikanern versteht er sich super“, sagte Neuer gestern. Er hoffe nun, dass der „regelmäßige Unterricht“ bald Früchte trage „und er so schnell wie möglich gutes Deutsch spricht“.

Man muss bei diesen jungen Burschen sicherlich auch ein wenig Nachsicht walten lassen. Sanches ist noch Teenager, muss sich in einem neuen Land, einer neuen Kultur zurechtfinden; und trotzdem wird jeder einzelne Auftritt des Mittelfeldspielers schon jetzt kritisch beäugt. Nach einigen Einsätzen zu Beginn der Saison war er zuletzt nur noch Joker und überzeugte selten. Es ist kein Geheimnis, dass man sich intern mehr von ihm erhofft. Vielleicht, so sagt man, platzt der Knoten ja jetzt, wo er einen neuen Motivationsschub erhalten hat. Im gestrigen Abschlusstraining stand er immerhin in der ersten Elf. Es ist also davon auszugehen, dass er im Mittelfeld heute Abend neben Joshua Kimmich und Arturo Vidal aufläuft – einem Mann, der ihm, vor allem was prominente Wahlen betrifft, schon ein Stück voraus ist.

Der Chilene ist wie Neuer, Thomas Müller und Robert Lewandowski – auch das wurde am Montag bekannt – unter den 30 Kandidaten für die Wahl zum Weltfußballer. Neuer erzählte gestern wie jedes Jahr, dass sie sich alle geehrt fühlten, „dazuzugehören, ist schon eine Auszeichnung“. Viel mehr als die Freude darüber, dass ein bayerisches Quartett unter den Nominierten für die Wahl ist, die ohnehin wieder Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo gewinnen wird, dominiert bei den Bayern der Groll darüber, dass Jerome Boateng erneut nicht dabei ist. „Für mich gehört er dazu“, sagte Neuer. Aber über den Sinn (und Unsinn) des „Ballon d’Or“ will man bei den Bayern ja ohnehin schon lange nicht mehr sprechen.

Ach so – und da war ja auch noch ein Spiel heute Abend. Und Neuer gab kund, was er aus Erfahrung weiß: „Bei K.o-Spielen wird jeder Fehler bestraft. Da kann man ganz schnell aus dem Wettbewerb ausscheiden.“ Bisher ist es gegen Augsburg immer gut gegangen, die beiden zurückliegenden Pokal-Spiele gewannen die Bayern jeweils kurz vor Weihnachten 2:0. Trotzdem seien die bayerischen Nachbarn als Gegner „immer unangenehm“.

Zum Abschluss des Trainings gab es daher keinen großen Kreis. Vielmehr Einzeltraining. Neuer: „Der ein oder andere hat schon noch einen Elfmeter geschossen.“

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