Die wichtigsten Fragen zum neuen Coach

Peps Traum-Karriere: Nur wenige dunkle Flecken

München - Pep Guardiolas traumhafte Karriere als Spieler und Trainer weist nur wenige dunkle Flecken auf. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum neuen FC-Bayern-Trainer:

Es ist der Super-Coup, die wohl spektakulärste Verpflichtung in der Bundesliga-Geschichte: Pep Guardiola übernimmt ab Sommer für drei Jahre Fußball-Rekordmeister Bayern München. Wie kam der Deal zustande? Was wird sich bei den Bayern ändern? Wen bringt Guardiola mit? Ist der Spanier, der am Freitag 42 Jahre alt wird, nach seiner Auszeit überhaupt fit genug für die große Aufgabe? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Wie kam der Deal zustande? Der geschasste Sportdirektor Christian Nerlinger dürfte still in sich hinein geschmunzelt haben, als er von der Verpflichtung erfuhr. Guardiola war seine Idee, er hatte die ersten Kontakte hergestellt, er traf Guardiola selbst und dessen Bruder Pere. Der Kontakt riss über die Monate nie ab, „kurz nach Weihnachten“ erfolgte laut Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge die Vertragsunterschrift.

Warum entschied sich Guardiola für den FC Bayern?

Manchester United, Manchester City, der FC Chelsea, Paris St. Germain - sie alle wollten Guardiola angeblich. „Er hat sich für Bayern entschieden, weil der Klub unter allen Interessierten das beste Projekt war“, sagte Berater Jose Maria Orobitg. Allerdings hatten drei der vier genannten Klubs einen zusätzlichen Nachteil: Nur beim FC Chelsea ist der Trainerposten ab Sommer wirklich vakant. Das Münchner Angebot war laut Orobitg nicht das lukrativste. Am Hungertuch wird Guardiola künftig aber nicht nagen. Das spanische Blatt Sport will erfahren haben, dass er mit einem Brutto-Gehalt von schier unglaublichen 17 Millionen Euro jährlich zum bestbezahlten Coach der Welt wird.

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Bleibt Hermann Gerland Co-Trainer?

Das Bayern-Urgestein Gerland dürfte mit Peter Hermann und Chef Jupp Heynckes im Sommer verabschiedet werden. Allerdings: Guardiola wird nicht mit einer Legion von Assistenten an der Säbener Straße einfallen. „Stand heute ist, dass er wahrscheinlich zwei Mitarbeiter mitbringen wird“, sagte Rummenigge. Die Zeiten eines Jürgen Klinsmann oder Louis van Gaal, die versuchten, sich den Verein Untertan zu machen, sind passe. Heißestes Gerücht: Raul, ein guter Freund und Ratgeber Guardiolas beim Bayern-Deal, wird „Assi“. Auch der Name Stefan Effenberg kursiert.

Welche Philosophie bringt Guardiola mit?

„Nichts ist gefährlicher, als nichts zu riskieren“, hat Guardiola mal über seine Denkweise gesagt, die stark von den Vorstellungen des niederländisch-katalanischen Säulenheiligen Johan Cruyff geprägt sind. „Ich habe Cruyff alles zu verdanken“, sagt Guardiola über „König Johan“, der ihn zum Profi machte und bei seiner Beförderung zu Barcelonas Chefcoach 2008 den Präsidenten-Einflüsterer gab. Guardiola hat Barcas Tiki-Taka-Stil nicht erfunden, ihn aber zur Perfektion getrieben. Van Gaal pflanzte den Bayern einen ähnlichen Stil ein, noch heute ist seine Handschrift erkennbar. Guardiola wird also Bekanntes vorfinden. Und: Er will seine Ideen verständlich vermitteln. „Er lernt Deutsch“, sagte Rummenigge.

Was erhoffen sich die Bayern?

Titel, internationales Renommee. Guardiola habe eine gewisse „Strahlkraft“ auf internationale Stars, sagte Rummenigge. Aber er soll auch den Weg mit- und weitergehen, den der Klub mit Sammer eingeschlagen hat. Im Unterbau Nachwuchsbereich hat sich in den vergangenen Monaten eine Revolution vollzogen. Guardiola soll dabei helfen, dass den Münchnern Talente wie Mario Götze oder die Benders nicht mehr entgehen - und diese dann zu Profis machen.

Ist Guardiola der Aufgabe gewachsen?

„Ich war an einem Punkt angekommen, an dem ich entschied, dass es genug war“, sagte Guardiola noch vor wenigen Tagen über seinen Abschied von Barcelona. Er fühlte sich ausgebrannt, die Familie mit drei Kindern verlangte Aufmerksamkeit. In New York sammelte er neue Kraft. „Es ist ein Abenteuer, eine ganz andere Art zu leben“, sagte er jetzt über die Zeit am „Big Apple“. Und: „Es geht mir gut.“

Wird aus Pep Sepp?

Der Freistaat und der Freigeist - das könnte eine für beide Seiten fruchtbare Beziehung werden. Guardiola setzte sich für die Unabhängigkeit Kataloniens ein, er ist mit Literaten und Künstlern befreundet, gilt als belesen. Ein intimer Barca-Kenner beschrieb ihn als „manisch-obsessiv“ in seiner Leidenschaft für den Fußball und als besessenen Perfektionisten. Darin ist er Sammer ähnlich - das könnte also passen.

Ist alles rosarot?

Nein. Guardiolas Karriere hat ein paar wenige, dunkle Flecken. Als Profi bei Brescia wurde er 2001 des Nandrolon-Dopings überführt - viermonatige Sperre, 2005 Verurteilung zu einer Haftstrafe von sieben Monaten. „Ich bin unschuldig, ich habe Vitamine eingenommen“, sagte er. Sein Körper soll ungewöhnlich viel Nandrolon produzieren. Guardiola wurde freigesprochen, die Behörden lobten explizit, dass er sich vorbildlich an der Klärung des Falles beteiligt habe. Zudem gab es 2009 Unregelmäßigkeiten bei Steuerzahlungen. Auch diese Vorwürfe wies Guardiola zurück.

sid

Rubriklistenbild: © dpa

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