Hilferuf in Richtung UEFA und FIFA

Guardiola und Klopp einig: Spieler überlastet

Pep Guardiola (l.) und Jürgen Klopp sind sich einig: So wie es ist, kann es für die Spieler nicht mehr weitergehen.

München - Die Topklubs aus München und Dortmund beklagen verstärkt die hohe Belastung. Doch der Aufschrei, fürchten beide, wird bei FIFA und UEFA ungehört verhallen.

Die Rivalität zwischen Bayern München und Borussia Dortmund ist größer denn je, doch in einem Punkt sind sich die beiden großen Kontrahenten des deutschen Fußballs einig: „Wir killen die Spieler“, sagte Bayern-Coach Pep Guardiola in dieser „englischen“ Woche über die hohe Belastung der Profis - und sein Kollege Jürgen Klopp stimmte uneingeschränkt zu. Man müsse jetzt endlich mal damit anfangen, das Rad zurückzudrehen. Ansonsten drohten noch mehr Verletzungen, vorzeitige Karriereenden und aufgeblähte Kader.

Auf der VIP-Tribüne in München oder Dortmund saßen zuletzt Stars, die es gemeinsam - und fit - mit jeder Klasse-Mannschaft Europas aufnehmen könnten. Franck Ribery, Arjen Robben, Thiago, Javi Martinez, Bastian Schweinsteiger oder Holger Badstuber hier, Roman Weidenfeller, Mats Hummels, Marco Reus, Henrich Mchitarjan, Ilkay Gündogan oder Nuri Sahin da. „Die WM hat alle Spieler viel Substanz gekostet“, sagte Klopp, der kurze Urlaub nach der Endrunde reiche da nicht. „Und das sieht Pep Guardiola genauso.“

Stimmt. „Wir verlangen zu viel von den Spielern. Die großen Vereine verlieren Punkte, sie sind müde, brauchen Zeit“, sagte der Spanier. Klar, in der nordamerikanischen Basketball-Liga NBA hätten die Spieler auch viele Spiele, gab er zu. „Aber die haben auch fünf Monate Urlaub.“ Seine Weltmeister dagegen: „Zwei Wochen!“ Die Fans erwarteten „frische Beine, einen frischen Kopf“, doch das sei bei diesem Rhythmus unmöglich. „Die Spieler brauchen Luft zum Atmen.“ Es klang wie ein Hilferuf.

Klopp schloss sich an, nannte im Gegensatz zu Guardiola aber gleich einen der Schuldigen. Die Europäische Fußball-Union (UEFA). Die lassen in zwei Jahren in Frankreich eine EM mit 24 Mannschaften spielen, „weil irgendwelche Leute Spaß daran haben. Das macht keinen wahnsinnig großen Sinn für die Spieler“. Gehör glaubt Klopp mit seiner Anklage nicht zu finden. „Das ist wie einem Ochs ins Horn gepetzt, das kannst du auch einer Mikrowelle erzählen“, wetterte er.

Rummenigge macht Dachverbände verantwortlich

Klopp liegt damit voll auf der Linie von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge. Laut Rummenigge zeichnen „die Dachverbände mit ihrer Flut von Länderspielen verantwortlich“ für die Misere. Neben der UEFA ist das der Weltverband FIFA. „Das Rad wird immer weiter gedreht“, meinte Rummenigge, und forderte beide Organisationen erneut auf, „dieser Entwicklung dringend Einhalt zu gebieten“. Er appelliere, „den Fußball zugunsten der Spieler zu verbessern und dieser Hatz ein Ende zu setzen“.

Als Vorsitzender der Europäischen Klub-Vereinigung ECA hat Rummenigges Wort eigentlich Gewicht. Doch selbst viele seiner internationalen Kollegen nehmen das Problem nicht ernst. Die neben der Bundesliga in Europa führenden Ligen in England und Spanien leisten sich je 20 Teams und kürzere oder gar keine Winterpausen. Auf der Insel werden gleich zwei Pokalwettbewerbe gespielt, im spanischen Königspokal gibt es Hin- und Rückspiel. Laut Klopp muss es daher zwangsläufig so kommen, dass die Spieler künftig nicht mehr wie bisher üblich bis zum Alter von 35 Jahren durchhalten.

Und noch eine ungewünschte Wirkung dürfte das Auszehren haben. Irgendwann werde man es mit einem „30er- oder 35-Kader“ auffangen müssen, sagte Klopp. Rummenigge fürchtet, der FC Bayern werde „irgendwann 40 Spieler unter Vertrag nehmen müssen, um einigermaßen qualitativ hochwertig durch die Saison zu kommen“. Das meist stattliche Gehalt der Stars ist für Klopp bei all dem Stress Schmerzensgeld. Vor Verletzungen, hat er erkannt, schütze das aber auch nicht.

Kniespezialist Ulrich Boenisch von der Hessingpark-Clinic in Augsburg warnt ebenfalls vor einer Überbelastung der Profis: „Es scheint, (...) als habe die Anzahl der Muskelverletzungen zugenommen“, sagte Boenisch in der Wochenzeitung Die Zeit: „Die wichtigen Partien sind so eng getaktet, dass die Ruhephasen immer kürzer werden.“

SID

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