Gustavo: Probleme lösen macht mich glücklich

Luiz Gustavo spielt beim FC Bayern den Staubsauger
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München - Luiz Gustavo fühlt sich als Staubsauger des FC Bayern sehr wohl. Im tz-Interview spricht er über seine schwierige Vergangenheit und schließt daraus auf seine Spielweise.

Herr Gustavo, einfache Frage: Gefällt Ihnen Ihr Job?

Luiz Gustavo: Sehr! Ich hätte nie etwas anderes machen wollen, von daher versuche ich, so gut wie möglich Fußball zu spielen und damit glücklich zu sein.

Im Prinzip sind Sie dafür da, die Fehler Ihrer Kollegen wieder auszubügeln...

Gustavo: Wissen Sie, das passt ganz gut. Ich hatte davor auch schon einige Probleme, sei es in meiner Familie oder woanders. Ich habe früh meine Mutter verloren, von da an musste ich meiner Familie mit dem Fußball helfen. Das war eine große Verantwortung und hat mich auch zu einem stärkeren Menschen gemacht. Die Probleme auf dem Platz zu lösen, macht mich eher glücklich. Für mich ist ein gewonnener Zweikampf oder ein eroberter Ball wie ein Tor. Ich kann damit der Mannschaft helfen, und das macht mich glücklich.

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Sie sind also der Bayern-Staubsauger?

Gustavo: In Hoffenheim haben sie mich auch schon so genannt. Ich glaube, dass ich insgesamt auf einem guten Weg bin. Wenn es mir gelingt, so weiterzumachen, dann kann ich – das habe ich ja bereits bei meiner Ankunft gesagt – eine schöne Geschichte hier schreiben.

Nach dem Rückrundenauftakt hat Jupp Heynckes Müller auf rechts, Kroos auf die Zehn und Sie neben Schweinsteiger gestellt. Seitdem klappt’s wieder...

Gustavo: Ich habe einfach meine Arbeit gemacht und bin ruhig geblieben, auch als ich auf der Bank saß. Gegen Stuttgart habe ich dann meine Chance gekriegt und konnte zeigen, was ich drauf hab, wenn ich spielen darf. Und umso mehr ich spiele, umso besser werde ich. Ich kann nur meine Arbeit machen, und am Ende entscheidet dann der Trainer, ob er mich spielen lässt oder nicht.

Jetzt hat aber auch David Alaba auf sich aufmerksam gemacht...

Gustavo: Ich mag ihn sehr. Er ist ein toller Typ, wir verbringen viel Zeit zusammen und machen einen Scherz nach dem anderen. Wenn es geht, versuche ich ihm auch auf dem Platz zu helfen, aber ich glaube, wir harmonieren derzeit sehr gut. Wir reden viel, er hat genauso wie ich unheimlich Lust zu spielen. Also ich bin mir sicher, dass wir noch viele gute Spiele zusammen machen werden.

Aber er ist auch ein Stück weit Ihr Konkurrent?

Gustavo: Nein, das glaube ich nicht. Wir haben verschiedene Stile: Er ist ein offensiver Spieler, ich bin eher defensiv. Meine Art zu spielen ist nicht wie seine.

Aber wenn Schweinsteiger wieder zurück ist, werden Sie und Alaba den freien Platz neben ihm unter sich ausmachen, oder?

Gustavo: Schweinsteiger ist für mich einer der weltbesten Spieler auf dieser Position. Und wer auch immer dann neben ihm spielen sollte, muss sein Bestes geben, damit es so weitergeht wie bislang.

Würde es Sie wurmen, sich dann wieder auf die Bank setzen zu müssen?

Gustavo: Ich stelle hier keine Pläne mehr auf. Zu Beginn der Saison habe ich auch gut gespielt, habe mich dann aber auf der Bank wiedergesehen. Das Gleiche könnte jetzt auch passieren. Wie es am Ende kommt, weiß ich nicht. Ich muss ruhig bleiben, und wenn es tatsächlich so kommt, dann muss ich es akzeptieren. Jupp Heynckes ist der Trainer, und seine Entscheidungen müssen wir alle respektieren.

Auch Arjen Robben?

Gustavo: Also ihm geht’s gut. Im Training gibt er Gas, da ist er schon immer sehr fleißig. Aber als ich auf der Bank saß, war ich auch nicht glücklich, das ist klar. Das ist bei jedem Spieler so, auch bei ihm.

Ihr Vertrag läuft bis 2015. Wie lauten Ihre Ziele, was wollen Sie danach tun?

Gustavo: Ich will hier auf jeden Fall so viele Titel gewinnen wie möglich, das ist mein größtes Ziel. Ich habe ja einen sehr langen Vetrag bis 2015. Ich fühle mich sehr wohl, und sollten die Dinge gut laufen, könnte ich mir vorstellen, hier zu bleiben. Mit 30, 32 Jahren werde ich dann nach Brasilien zurückkehren. Aber bis dahin will ich hier in Europa bleiben, vorausgesetzt, sie wollen mich dann noch.

Interview: J. Carlos Menzel Lopez

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