Jürg H. in Polen festgenommen

Der Krimi um den Hoeneß-Banker

Hoeneß
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Uli Hoeneß.

München - Sieben Monate nach dem Prozess gegen Uli Hoeneß wegen Steuerhinterziehung ist nun sein Schweizer Banker in Polen festgenommen worden. Dies bestätigte die Staatsanwaltschaft München am Donnerstag.

Es gab eine Zeit, in der Uli Hoeneß (62) stündlich telefonierte. Mittlerweile weiß jeder, dass es dabei nicht nur um Fußball ging, sondern vor allem auch um Bankgeschäfte. Um Devisen-Handel, um Aktienkäufe in Millionenhöhe. Am anderen Ende der Leitung war meist die selbe Person: Jürg H., Banker aus der Schweiz, der Mann, dem Hoeneß voll vertraute.

Genau dieser Jürg H. ist jetzt festgenommen worden. Der Vorwurf: Beihilfe zur Steuerhinterziehung!

Die Vontobel-Bank: Über die Privatbank wickelte Hoeneß seit den 70er-Jahren Deals über hunderte Millionen ab. Alleiniger Ansprechpartner: Jürg H. Ihn konnte er zu jeder Tages- und Nachtzeit erreichen.

Der Fall Hoeneß – er scheint selbst nach dessen Verurteilung wegen Steuerhinterziehung immer noch nicht abgeschlossen zu sein. „Ja, wir haben gestern im Zusammenhang mit dem Steuerstrafverfahren gegen Herrn Hoeneß eine Person in Warschau festgenommen“, bestätigte Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich von der Staatsanwaltschaft München II gegenüber der tz. Mehr wolle man derzeit nicht sagen. Fakt ist aber: Zielfahnder des Landeskriminalamts hatten dem Schweizer Devisenhändler der Privatbank Vontobel in Polen regelrecht aufgelauert, um im richtigen Moment zuzuschlagen. Gegen H. erging zwar kein Haftbefehl, doch wurde sein Pass beschlagnahmt und ein Auslieferungsverfahren nach Deutschland eingeleitet.

Der Hoeneß-Jäger: Staatsanwalt Achim von Engel lässt offenbar auch nach dem Prozess nicht locker: Seine Behörde wirft dem Schweizer Banker Beihilfe zur Steuerhinterziehung vor, beantragte sogar einen Haftbefehl.

Wer ist Jürg H.? Und was weiß er? Der Banker, der seit einigen Jahren in der Chefetage des Geldinstituts sitzt, habe Hoeneß offenbar seit den 90er-Jahren betreut, heißt es in Züricher Finanzkreisen. Die ruhige und besonnene Art H.’s sprach Hoeneß an. Kein Geschäft des Bayern-Managers lief ohne den befreundeten Experten ab. Bevorzugt ging es wohl um Devisen: Da wurde für Millionen eine Währung eingekauft, um sie wenig später in eine andere umzutauschen. Hoeneß und H. sollen die Entscheidungen fast ausschließlich übers Telefon getroffen haben. Nur hin und wieder soll der Finanzexperte der Vontobel-Bank auch zu Treffen nach München gekommen sein.

Jürg H. wurde nun in Warschau festgenommen. Dort hielt er sich nach tz-Informationen bei seiner Lebensgefährtin auf – einer Polin. Half der Banker Hoeneß dabei, Millionen an Steuern zu hinterziehen? Beim Hoeneß-Verfahren sind offensichtlich Details aufgetaucht, die die Ermittler stutzig machten.

Zur Erinnerung: Das Landgericht München II hatte den Ex-Bayern-Boss im März wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 28,5 Millionen zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Seine Beziehung zur Vontobel-Bank geht übrigens bis ins Jahr 1975 zurück. Damals eröffnete Hoeneß bei den Schweizern sein erstes Konto – mit 23 Jahren. Und er war seit einem Jahr Weltmeister. Seine Siegprämie war sein Startkapital: genau 60.000 Mark. AGE

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