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Hoeneß: "Ich komme wieder, das war's noch nicht"

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Uli Hoeneß bei der Mitgliederversammlung. © dpa

München - Seine Stimme zitterte. Vor Wut. Immer wieder musste er Pausen einlegen. All das, was sich in den letzten Wochen in Uli Hoeneß angestaut hatte – es wollte und musste bei der Außerordentlichen Hauptversammlung raus.

Ein für alle Mal. Den Gang in die JVA Landsberg antreten, ohne sein Wort noch ein letztes Mal an die Bayern-Familie, an seine Familie, zu richten? Nein, das konnte er nicht! Doch am Ende wurde es nicht „die letzte“ Rede. Am Ende wurde es kein Abschied. Vor allem kein leiser. Denn Uli Hoeneß, „der Kopf, der Bauch, das Herz und die Seele dieses Vereins“, wie sein Nachfolger Karl Hopfner ihn nannte, kündigte mit entschlossener und grimmiger Miene an: „Wenn ich zurück bin, werde ich mich nicht zur Ruhe setzen. Das war‘s noch nicht.“

Die Hauptversammlung zum Nachlesen im Ticker

Und das war Musik in den Ohren der insgesamt 1593 Bayern-Mitglieder, die an einem verregneten Freitag den Weg in den Audi Dome gefunden hatten. Die immer wieder ihren Präsidenten, ihren „besten Mann“, ihren Uli feierten. Doch Hoeneß war nicht auf Selbstinszenierung aus. Der Mann, auf den in den letzten Monaten ein ganzer Schwall voll Häme gekippt wurde, hatte etwas zu sagen.

Und das tat er auch. Knallhart. „Ich habe in den letzten Monaten etwas in mir entdeckt, das ich nie hatte: Hass“, so Hoeneß. „Plötzlich war ich das Arschloch, das Schwein, das den Leuten das Geld aus der Tasche zieht oder vorenthält. Was viele Leute mit meiner Familie angestellt haben – und das ohne uns zu kennen! Es werden fünf Bücher geschrieben, doch die meisten Journalisten haben nicht einmal mit mir gesprochen! Man will nicht informieren, man will Kohle verdienen – und das ist frevelhaft!“

Beifall für Hoeneß auf Mitgliederversammlung des FC Bayern

Immer wieder betonte er, dass er sich nicht „sauberer machen“ wolle, als er sei. Doch eine Sache, die wollte und konnte Hoeneß nicht auf sich sitzen lassen. „Viele Sagen, Uli Hoeneß habe mit seinem Fehler sein Lebenswerk zerstört“, rief er in den totenstillen Audi Dome hinaus. „Ich sehe das nicht so.“ Sein Lebenswerk bestünde aus drei Fundamenten. Zum Einen „die Familie, mein Bollwerk“, wie Hoeneß die Seinen liebevoll nannte. Sie hätten „dieses Drama keine weiteren 12 bis 18 Monate hätte ertragen können“, fügte er todernst an.

Das zweite Standbein sei die Wurstfabrik, „die Firma, deren Anteile ich an meine Kinder übertragen habe“. Und drittens, klar: Der FCB. Sein FCB. Hoeneß: „Das dritte Standbein seid ihr, der FC Bayern. Das ist ein Traum. Wenn ich den FC Bayern hätte malen müssen – was mir schwer genug gefallen wäre, weil ich nie malen konnte – hätten ich ihn so gemalt wie er sich hier und heute darstellt.“

Ganze 15 Minuten dauerte Hoeneß‘ Kampfansage. am Ende sagt er: „Ich hoffe sehr, dass, wenn ich zurück bin und dieses Trauma für mich vorbei ist, wir uns in aller Gesundheit wiedersehen.“ Und dann, um Punkt 21 Uhr, war sie vorbei: die außerordentliche Mitgliederversammlung und damit auch die Ära Hoeneß. Vorerst.

lop, sw

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