Uli Hoeneß: Mein Leben

In einer Woche endet die Ära von Manager Uli Hoeneß bei Bayern
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In einer Woche endet die Ära von Manager Uli Hoeneß bei Bayern

München - Eine Woche noch. Eine knappe Woche. Dann soll es auf der Jahreshauptversammlung ein offiziell beschlossenes Ende geben. Es ist das Ende einer Ära... Uli Hoeneß - mein Leben:

Eine Woche noch. Eine knappe Woche. Dann soll es ein offiziell beschlossenes Ende geben. Es ist das Ende einer Ära... Auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern werden die Mitglieder am nächsten Freitag beschließen, dass Uli Hoeneß Nachfolger von Franz Beckenbauer im Amt des Präsidenten wird. Uli Hoeneß, der Mann, der 30 Jahre lang als Manager die Fäden des FC Bayern in der Hand hielt, soll künftig nur noch repräsentieren? Geht das überhaupt? Ein Uli Hoeneß in zweiter Reihe? Kaum jemand hat den Verein so geprägt wie der 57-Jährige.

Uli Hoeneß: Sein Leben in Bildern

Uli Hoeneß: Sein Leben in Bildern

Seine Entscheidungen, seine Wutausbrüche, sein Auftreten – Hoeneß war zu jeder Zeit Gegenstand von Analysen, immer wieder versuchten sogenannte Experten, das Phänomen Hoeneß zu deuten. Nun gibt es einen neuen Ansatz: Das SZ-Magazin hat dem scheidenden Manager ein Jahr lang über die Schulter geschaut. Herausgekommen ist eine lange Erzählung über den Spieler Hoeneß, den Manager und Unternehmer, den Freund und den Menschen. Der tz liegen exklusiv Auszüge aus der Geschichte über den Jungen aus Ulm vor. So auch zu seinen Anfängen als Fußballer, die Hoeneß im Nachhinein sehr kritisch betrachtet:

„Ich war kein herausragender Spieler in meiner Jugend“, sagt er, „auch von der Schnelligkeit her, später ja meine größte Stärke, war ich eher hinten dran. Aber mit 13 habe ich dann meinem Vater gesagt, er soll mich jeden Tag um halb sechs aufwecken, und dann bin ich vor der Schule noch laufen gegangen.“ Er schließt sich sogar einem Ulmer Leichtathletikverein an, um regelmäßiges Sprinttraining zu absolvieren: „Ich wollte unbedingt Profi werden“, sagt er, „ich war ein Tier damals.“

Hoeneß, das Tier! Wie besessen feilte der Junge an seiner Karriere. Im Magazin wird sein unbändiger Wille beschrieben, seine Zielstrebigkeit und sein Einsatz für den Verein – auch und gerade in seiner Manager-Laufbahn. Seine Akribie in dieser Funktion, sie resultiert aus der Niederlage gegen seine Verletzungen. Vielleicht hat er sie nie recht verkraftet. „Wenn mir in der Anfangszeit als Manager ein Arzt bestätigt hätte: Dein Knie hält noch zwei, drei Jahre“, sagt Hoeneß einmal, am Bürofenster stehend, mit Blick auf die trainierenden Bayern-Spieler unter ihm, „fünf Minuten später wäre ich in Trikot und Schuhen wieder auf dem Platz gestanden.“ Hoeneß, der Beißer! Aufgeben stand für ihn nie auf dem Tagesprogramm. Darüber verlor der Welt- und Europameister aber nie seine menschliche Seite, die er bereits als Spieler mit Sinn für das Unternehmerische vereinte, wie es im Magazin heißt. Er war früh als harter Verhandlungspartner bekannt, aber auch als fairer und anständiger Stratege. Diese Werte schätzten Kollegen und Gegner. Und so bekam er schon kurz nach seiner aktiven Laufbahn ein verlockendes Angebot:

Adolf Dassler, der knapp 80-jährige Gründer von Adidas, sucht nach einem Nachfolger für den Sportartikel-Konzern in Herzogenaurach. Hoeneß war schon länger sein Ansprechpartner gewesen, wenn es um die Zusammenarbeit von Adidas und dem FC Bayern ging. (...)Adolf Dassler will ihn enger an das Unternehmen binden – „und da der Alte natürlich in Dynastien dachte“, so Hoeneß, „versuchte er einzufädeln, dass ich auch sein Schwiegersohn werde. Ich lebte damals ein halbes Jahr lang von meiner Frau getrennt. Dassler hat mich regelmäßig nach Herzogenaurach eingeladen, um irgendetwas zu besprechen. Die einzige Person, die er auch zu den Konferenzen bestellte, war komischerweise seine Tochter … aber außer ein paar Küsschen hat’s nie was gegeben.“

Es gibt tatsächlich sehr persönliche Einblicke in die Vergangenheit des Uli Hoeneß. SZ-Magazin-Mitarbeiter Andreas Bernard hat intime Details erfahren – von den Verkupplungsversuchen des Adolf Dassler, über das erste Treffen von Heoneß mit seiner späteren Frau, die zwischenzeitliche Trennung und die Selbstfindung des Managers bis hin zu seinen schwärzesten Stunden. Eine dieser Stunden war ein Zwischenfall in der Luft im Jahre 1981. Vom Flugzeugabsturz ein Jahr später wurde viel geschrieben und erzählt. Von dem Ereignis im Herbst des Vorjahres wussten bislang aber nicht viele.

Zusammen mit seinem langjährigen Freund Werner Gegenbauer, dem heutigen Präsidenten von Hertha BSC und Gegenspieler seines Bruders Dieter, saß er in einem kleinen Privatflugzeug von Bologna nach München, als die Maschine in einem Hagelsturm zwanzig Minuten außer Kontrolle geriet. „Gegenbauer und ich haben uns an der Hand gehalten und wussten: Das war’s! Am Ende ist das sogar ein positives Gefühl: Wenn du merkst, du hast keine Chance mehr, dann geht’s dir plötzlich gut. An Bord war übrigens auch dieser Bluesbarde Willi Michl, ein Bekannter des Piloten. Der hat dann während der Turbulenzen angefangen zu singen. Der hat Arien geschmettert! Und ich hab mich nach hinten gedreht und gesagt: Wenn du jetzt nicht sofort aufhörst, bring ich dich um!“

Beinahe wäre es die letzte Arie gewesen, die Hoeneß in seinem bewegten Leben gehört hätte. Jetzt, 30 Jahre später, werden die Arien auf ihn gesungen. Und die Fans hoffen, dass Uli Hoeneß auch als Präsident weiter Geschichten schreibt – und davon erzählt…

tz

Uli Hoeneß – in 30 Jahren als ­Manager begleiteten ihn viele ­wichtige Persönlichkeiten. Im SZ-Magazin spricht Hoeneß über Weggefährten wie Bayerns Ex-Bosse Robert Schwan und ­Wilhelm Neudecker, über seinen Nachfolger Christian Nerlinger und das brisante Verhältnis zu Trainer Christoph Daum. Und über Jürgen Klinsmann und Louis van Gaal. Über den Ex-Trainer der Bayern sagt Hoeneß beispielsweise: „Er war ein hervorragender Fußballspieler – der es dann nicht geschafft hat.“ ­Gegenüber dem diktatorisch ­auftretenden Louis van Gaal, derzeit wenig erfolgreicher Nachfolger des Reformers Klinsmann, sagt Hoeneß: „Wenn ich mir die ­Trainingsspiele anschaue, dann ­sehe ich, dass ein Stratege auf dem Platz steht.“

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