Fanclub "Münchner Borussen" im Interview

Zoff vorm Finale: "Was Hummels macht, ist Heuchelei"

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Die BVB-Fans können seinen Wechsel zum FC Bayern nicht nachvollziehen: Mats Hummels.

München - Seit 2010 gibt es in München den BVB-Fanclub "Münchner Borussen". Auch dort wird der Wechsel von Mats Hummels zum FC Bayern unterschiedlich diskutiert. Das Interview.

Sie müssen es doch eigentlich ganz genau wissen: Was hat der Wechsel von Mats Hummels von Borussia Dortmund zum FC Bayern ausgelöst unter den BVB-Anhängern? Warum wurde der Kapitän von den eigenen Leuten ausgepfiffen? Und welche Rolle spielte Hummels' Gattin Cathy? Das Interview mit den Vorständen André und Karsten von den "Münchner Borussen", dem einzigen offiziellen BVB-Fanclub in der bayerischen Landeshauptstadt.

André, Karsten, Hand aufs Borussen-Herz: Wie wird der Hummels-Wechsel zum FC Bayern unter BVB-Fans gesehen?  

Karsten: Gerade als Kapitän, als guter Kapitän, mit seiner Vorbildfunktion hätte er die Arschbacken zusammen kneifen und in Dortmund bleiben können. Ein Wechsel ins Ausland hätte ihm wohl keiner richtig krumm genommen, aber ausgerechnet wieder zu Bayern, das schmerzt schon. Ich bin enttäuscht und auch sauer.

Karsten und André wollen ihre Gesichter nicht öffentlich zeigen.

André: Mich stört vor allem, wie das Ganze schon wieder abgelaufen ist. Bei Lewandowski war das anders: Er hat während der Saison seine Wechselabsicht kundgetan, hat dann aber die Saison noch gut zu Ende gespielt, uns ins Pokalfinale geschossen, alles tipptopp. Schmerzlich war halt, dass er zu den Roten gegangen ist, aber in einer ordentlichen Art und Weise. Bei dem anderen, dessen Namen ich nicht mehr ausspreche (Mario Götze, Anmerk. d. Red.), war es einfach eine richtig miese Tour. Das haben wir ihm bis heute nicht verziehen und ich möchte ihn nie wieder in Dortmund sehen. Der Hummels-Wechsel erinnert mich stark an den anderen, auch in der Form, wie die Medien das Thema gepusht haben.

Hat das Standing von Hummels in der BVB-Fanszene gelitten?

Karsten: Ich kann nur für mich sprechen. Hummels war für mich der Leader, ein richtiger Kapitän, einer der wichtigsten, wenn nicht der wichtigste Spieler beim BVB nach Sebastian Kehl. Und das hat sich jetzt komplett erledigt. Für mich wäre es auch schade gewesen, wenn er ins Ausland gewechselt wäre. Für mich ist der Kapitän eben der Kapitän, der bis zum Ende seiner Karriere bei seinem Klub bleibt. Er hat ja auch eine Verantwortung und Vorbildfunktion für seine Mitspieler.

André: Sein Standing hat nicht nur gelitten, er hat es komplett verloren. Das hängt aber damit zusammen, dass er zu den Roten geht. Wenn er sich so verhält, was sollen dann die ganzen jungen Spieler denken?

Wie hätte es anders laufen können?

André: Mats hätte einfach die Saison ordentlich zu Ende spielen und dann nach dem Pokalfinale seinen Abschied verkünden sollen. Das wäre natürlich auch schade gewesen, weil er der Kapitän und ein Aushängeschild des Vereins ist. Aber dass er nun ausgerechnet zu den Roten geht, wieder einer nach Lewandowski und dem anderen, das ist einfach scheiße. Dann lieber ins Ausland, aber nach dieser Vorgeschichte doch bitte nicht zum direkten Konkurrenten. Der ganze Wechsel steht stellvertretend für das, was uns im modernen Fußball stört: Es geht zu sehr ums Business und zu wenig um echte Liebe.

Was genau stört Euch?

André: In der Bundesliga geht es nur noch um Kommerz. Das gab es vor 20 Jahren zwar auch schon, aber nicht in dem Ausmaß wie heute. Wenn man sich allein die Gehälter und Transfersummen anschaut, auch bei Dortmund, das hat doch mit Fußball an sich nichts mehr zu tun. Es geht nur ums Geld und das geht uns alten Fußballromantikern gewaltig gegen den Strich. Auch wenn wir selbst zur Kommerzialisierung beitragen, indem wir die Eintrittspreise bezahlen, Sky abonnieren und uns mit Fanartikeln eindecken. Das ist die Kontroverse: Wir sind dagegen, machen aber trotzdem mit. Weil wir es müssen, weil wir den Verein seit über 20 Jahren lieben.

Gibt es konkrete Vorwürfe an Hummels?

André: Mats hat sich falsch verhalten. Warum muss er überhaupt Stellung beziehen und von seinen angeblichen schlaflosen Nächten erzählen? Damit hat er das Thema FC Bayern in die Diskussion gebracht, das muss einfach nicht sein. Er hätte auch sagen können: "Hey, passt mal auf, eventuell gibt's einen Wechsel, ich halte aber einfach mal die Fresse bis zum Ende der Saison, warte das Pokalfinale ab und mache einen sauberen Abschluss." Jetzt ist es wieder wie bei der Nummer 19, wieder vorm Pokalfinale, in dem ohnehin schon genug Brisanz steckt. Es hätte einfach nicht so kommen müssen, weder von Hummels noch vom FC Bayern.

Fandet Ihr die Pfiffe gegen Hummels im Stadion beim Wolfsburg-Spiel gut?

André: Jein. Die Falschaussage von Hoeneß einen Tag vor dem Spiel, dass Hummels bei Bayern an die Tür geklopft hätte, hat diese Pfiffe maßgeblich ausgelöst. Und zu diesem Zeitpunkt waren die Pfiffe dann auch gerechtfertigt. Ich verurteile niemanden, der da gepfiffen hat.

Karsten: Das war auch eine Momentaufnahme. Im Stadion kochen natürlich die Emotionen hoch, das gehört einfach zum Fußball. Als es bei ihm leistungsmäßig nicht so lief, haben die Fans immer hinter ihm gestanden. Wenn man dann so eine Nachricht bekommt, ist ein Mal Pfeifen in achteinhalb Jahren auch okay. Schließlich sitzt die Enttäuschung tief.

Geht es nur ums Geld oder tatsächlich um Familie und Heimat, wie Hummels sagt?

Karsten: Das können wir natürlich nur schwer beurteilen. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus allem. Klar wohnt seine Familie in München. Aber er könnte mit Mitte 30, wenn er dann Fußballrentner ist, immer noch zu seiner Familie ziehen. Er selbst und sein Berater sehen das aber offensichtlich anders.

André: So viele Spieler weltweit verlassen ihre Heimatstädte, und die kehren auch nicht zurück. Da müsste ja jeder anfangen zu heulen und sagen: Ich will zurück zu meiner Mami. Ich kenne Mats persönlich nicht, aber er ist ein intelligenter Mensch. Und deswegen lasse ich die Aussage, es gehe ihm um die Familie, nicht gelten. Er weiß doch ganz genau, welche Wellen so ein Wechsel schlägt.

Welche Rolle spielt seine Frau Cathy bei dem Wechsel?

(Großes Gelächter)

André: Da können wir nur Vermutungen anstellen. Für ein Mädel, das in die Medien und die High Society möchte, ist München natürlich besser als Dortmund. Sie hat sicher einen großen Teil dazu beigetragen, dass es nach München geht.

Karsten: Sie will sicherlich auch ihre eigene Karriere ein bisschen voran treiben. München ist eine attraktive Medienstadt, zumindest attraktiver als die Arbeiterstadt Dortmund. Ein P1 haben wir halt in Dortmund nicht. Ich glaube zwar nicht, dass er unterm Pantoffel steht. Aber wenn man so manche Sachen mitkriegt, kann man schon den Eindruck haben, dass er eher auf Cathy hört als auf sich selbst.

Welche Rolle spielt die Aussicht auf Titel? Hat eventuell die Pleite gegen Liverpool in der Europa League zu seiner Entscheidung pro Bayern beigetragen?

André: Klar haben wir im letzten Jahr in der Liga und der Champions League nichts gerissen. Aber das Potenzial ist auf jeden Fall da. Nicht ganz so groß wie in München, aber immer noch größer als bei jedem anderen deutschen Verein. Du hast großartige Mitspieler wie Reus, Mkhitaryan, Aubameyang, hast eine grandiose Saison gespielt, bist Vizemeister, stehst im Pokalfinale - da spricht doch alles dafür, dass es nächste Saison noch besser wird. Natürlich ist die Chance auf Titel beim FC Bayern noch größer. Aber ist Erfolg wirklich alles? Mats war einer der Gründe dafür, dass die junge Mannschaft 2011 und 2012 alles in Grund und Boden gespielt hat.

Karsten: Die Mannschaft entwickelt sich ja auch immer weiter, es wird investiert und talentierte Spieler werden geholt. Wenn Götze und Lewandowski geblieben wären, hätte man den Bayern noch mehr Paroli bieten können. Und Hummels hat doch selbst mal gesagt: Lieber einen Titel mit Dortmund als fünf mit den Bayern.

Hummels hatte die Rolle des Anführers des Bayern-Jägers übernommen und 2013 Mario Götze dafür kritisiert, dass er zum FC Bayern ging. Wie wirken die Aussagen von damals heute auf Euch?

Karsten: Er ist im Prinzip kein Stück besser als Götze. Für die Fans ist sein Wechsel zu den Roten wie ein Schlag ins Gesicht.

André: Hummels war für mich immer ein Sympathieträger und ein charakterstarker Mensch. Aber damals hat er das kritisiert, und jetzt macht er quasi genau dasselbe! Wenn du als Profi, der in der Öffentlichkeit steht, solche Aussagen triffst und dich nicht daran hältst, dann ist das Heuchelei. Für mich hat er eindeutig an Glaubwürdigkeit und Charakterstärke verloren. Angesichts der Vorgeschichte mit der Nummer 19 und Lewandowski ist das der nächste Faustschlag.

Götze ging 2013 zu den Bayern, Lewandowski 2014 und nun Hummels. Wer ist der nächste?

André: Egal. Ich glaube, da sind wir mittlerweile leider abgestumpft. Was Transfers angeht ist meine Fußballromantik fast völlig verloren gegangen, da überrascht mich nichts mehr.

Hier geht's zu Teil 2 des Interviews: Darin verraten die zwei Vorstände des BVB-Fanclubs "Münchner Borussen", warum sie Mats Hummels im Pokalfinale am liebsten auf der Tribüne sehen würden, welche Bayern-Spieler sie gar nicht mögen und warum sie ein Hoeneß-Comeback begrüßen würden.

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