Ehrung für Jerome Boateng

Wahl zum Fußballer des Jahres hat tiefere Symbolik

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Jerome Boateng ist auch ein Anwärter auf den Posten als DFB-Kapitän.

München - Jerome Boateng ist nach Jürgen Kohler 1997 der erste Verteidiger, der Fußballer des Jahres wird. Tatsächlich hat diese Ehrung sogar eine noch tiefere Symbolik als gewöhnlich.

Erst neulich ist mal wieder offensichtlich geworden, dass Jerome Boateng zu einer speziellen Marke geworden ist. Obwohl der Nationalspieler noch an den Folgen eines Muskelbündelrisses laborierte, reiste er seinem FC Bayern zu dessen PR-Trip in die USA nach. Er war dabei, als Karl-Heinz Rummenigge an der Wall Street die Glocke betätigte, die täglich den weltweiten Aktienmarkt startet, als einziger Spieler, und dabei hätte er noch weiter Urlaub machen können. Die Münchner schmücken sich gerne mit dem 27-Jährigen, und es ist zu einer wechselseitigen Beziehung geworden. Beide Parteien profitieren von der jeweiligen Strahlkraft des anderen. Nun wurde Jerome Boateng Fußballer des Jahres.

Der Mann hat sich bemerkenswert entwickelt. Als die Bayern ihn vor fünf Jahren von Manchester City holten, galt er als potenzieller Innenverteidiger von Weltklasseformat, doch in England hatte er nicht überzeugt, und in seinen ersten Jahren wurde er oft auf die rechte Seite verfrachtet. Auch, weil er den Hang zum Bruder Leichtfuß hatte.

Nun ist er gereift: Abwehrchef bei den Bayern und beim DFB, Sympathieträger. Vor der EM wurde er unfreiwillig zum Spielball der Politik, allerdings hätte man diesen Typen gerne als Nachbarn. Boateng hat sich auch als Mensch entwickelt, er ist einer der gefragtesten Interviewpartner, weil er über den Spielfeldrand hinausdenkt und ein charmantes Gegenüber ist.

Er war dennoch überrascht von der Wahl, sagte er, doch tatsächlich hat diese Ehrung sogar eine noch tiefere Symbolik als gewöhnlich. Zum einen ist sie ein gesellschaftliches Zeichen für gute Nachbarschaft, und dazu ein Zeugnis höchster sportlicher Wertschätzung. In der Regel gewinnen Offensivspieler. Boateng ist der erste Verteidiger seit 1997, dem die Auszeichnung zuteil wird. Damals siegte Jürgen Kohler (BVB).

Mit Spannung wird in den nächsten Wochen eine weitere Entscheidung in der Branche erwartet, die ebenfalls eine politische Tiefe hat. Nachdem Bastian Schweinsteiger als Kapitän der deutschen Nationalmannschaft aufgehört hat, muss Joachim Löw eine neue Leitfigur benennen. Boateng gilt neben Manuel Neuer als aussichtsreichster Anwärter. Er wäre der erste farbige DFB-Kapitän. Gerade in der heutigen Zeit hätte das eine Signalwirkung.

„Natürlich wäre es ein Zeichen“, sagt Boateng, „es wäre eine große Ehre, als erster Farbiger so ein Amt zu bekleiden. Das wäre aussagekräftig.“ Er würde diese Aufgabe „gerne machen. Ich weiß, dass das zu mir passt.“ Löw lobte ihn bereits als Meinungsmacher im Team. Boateng ist zu einer Marke geworden. An der Wall Street musste er neulich nicht wenige Autogramme geben.

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