Youngster überzeugt auf der Verteidigerposition

Joshua Kimmich: Zu süß für den Moment

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Joshua Kimmich.

München - Joshua Kimmich macht seine Sache in der Abwehr solide - er braucht aber noch Zeit auf der neuen Position.

20 Jahre ist dieser Joshua Kimmich gerade mal alt, aber er hat allein seit seinem Wechsel zum FC Bayern im vergangenen Sommer viel erlebt. Schon sein erster Auftritt war recht forsch, im August betrat er das große Podium des FC Bayern und plauderte mal eben den damals anstehenden Abgang von Bastian Schweinsteiger aus. Jugendlich forsch nennt man die Art, die Kimmich auf und neben dem Platz von zahlreichen Talenten absetzt, die den Durchbruch bei den Bayern nicht geschafft haben.

Pep Guardiola liebt diesen Jungen für sein Auftreten, er hat Kimmich nicht erst einmal als „meinen Sohn“ bezeichnet. Am Sonntag, nach dem Sieg gegen Hoffenheim und Kimmichs solidem Auftritt in der Abwehrreihe, wählte der Trainer aber nun Worte, die Burschen in Kimmichs Alter vielleicht nicht ganz so gerne hören. „Er hat heute auch gezeigt, dass er Verteidiger spielen kann. Er ist schnell und kopfballstark“, sagte Guardiola. Ein gewöhnliches Lob; so weit, so gut. Guardiola fügte aber an: „Er ist ein süßer, süßer Junge.“

Man hat sich beim FC Bayern am Montag mit der Frage beschäftigt: Süß sein, das mag vielleicht in der Bundesliga reichen. Aber reicht es auch für die Champions League?

Die Antwort ist bekannt, Serdar Tasci wurde in letzter Sekunde verpflichtet. Allerdings nicht, weil man Kimmich nicht zutraut, irgendwann Stammspieler zu werden. Sondern weil man ihm noch Zeit geben will und muss. Am Sonntag machte der ehemalige Stuttgarter seine Sache gut, agierte zeitweise als rechtes Glied der Dreier- beziehungsweise in der Zentrale der Viererkette. Und trotzdem kamen nach dem Spiel Bedenken auf. „Ich möchte Kimmich hinten nicht in einer Eins-zu-Eins-Situation sehen, dafür ist er nicht schnell genug“, sagte etwa Ehrenpräsident Franz Beckenbauer. Ein mögliches Duell im Champions League-Achtelfinale zwischen Kimmich und Juves Offensive? Ausgang ungewiss.

Kimmich selbst bewertete seinen Auftritt als passabel. „Es hat vieles geklappt, nicht alles. Wir haben auch zwei Chancen zugelassen, aber es war klar, dass nicht alles zu hundert Prozent klappen kann“, sagte er. Die Position in der Verteidigung war Neuland für ihn. Zwar sei es ihm egal, wo er aufgestellt werde („Hauptsache, ich darf spielen und mit den Jungs auf dem Platz stehen“). Es sei aber schon etwas anderes, wenn man nicht im Mittelfeld, sondern als letzter Mann einen Fehler begehe: „Da ist dann kein Spieler mehr hinter mir, dann wird es schon eng. Von daher muss man noch aufmerksamer sein auf der Innenverteidigerposition.“

Zwei, drei Mal war Kimmich in der zweiten Halbzeit nicht ganz bei der Sache, spielte einen Fehlpass, ließ seinen Mann aus den Augen. Das muss man ihm aber verzeihen. Lediglich ein paar Trainingseinheiten hatte der U 21-Nationalspieler, um sich auf der ungewohnten Position zurechtzufinden. Geholfen hat ihm dabei vor allem sein „strenger Lehrer“ Holger Badstuber.

Der amtierende Chef der dezimierten Abwehr sei „ein Winner-Typ, der einem immer auch Kommandos gibt. Das passt einfach, wenn man einen neben sich hat, der mit einem spricht und auch mal negative Sachen anmerkt. Nur so kann man sich verbessern.“ Weise Worte eines 20-Jährigen, der irgendwie gar nicht so wirkt, als wolle er besonders süß sein. Im Gegenteil. Den Gegnern auf dem Platz Saures geben, ist sein Plan. Womöglich auch am Samstag in Leverkusen.

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