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Green und Bayern: Die Pläne mit dem Stürmer

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Ziel vor Augen: Green will sich bei Bayern beweisen.

München - Ein Leihgeschäft im Sommer schließt Julian Green aus – Guardiola ist Fan vom jungen US-Nationalspieler und will ihn fördern.

Es wird Pep Guardiola nachgesagt, seine eigene Vorstellung vom Fußball zu haben. Das stimmt. Er ist überzeugt von seinem Weg, von seiner Art, von seiner Philosophie. Aber der Trainer des FC Bayern ist nicht beratungsresistent.

Vor dem letzten Pflichtspiel der vergangenen Saison hat Guardiola lange gegrübelt. Er wollte im Pokalfinale gegen Borussia Dortmund unbedingt diese Dreierkette in der Abwehr auflaufen lassen; er war sich sicher, dass das der einzige Weg sei, den Rivalen zu knacken, gegen den er ein dreiviertel Jahr zuvor im Supercup seine erste schmerzliche Niederlage hatte hinnehmen müssen. Aber er wusste nicht genau, welche Spieler seine Idee schon verinnerlicht haben. Den entscheidenden Tipp bekam er damals von seinem Kapitän: Philipp Lahm riet dem Coach, Pierre-Emile Hojbjerg im rechten Mittelfeld auflaufen zu lassen.

Der Junge ist robust, der Junge kann Fußball spielen, sagte der Mann, dem Guardiola blind vertraut. Die Taktik ging auf: Das letzte Pflichtspiel gegen den BVB, auf dem die Bayern im morgigen Supercup erneut treffen, endete 2:0 nach Verlängerung – und Hojbjerg wurde von allen Seiten für seine starke Leistung als Flankenläufer gelobt.

Auch im ersten Duell der neuen Saison wird der junge Däne gefordert sein. Hojbjerg, der mit 17 Jahren auf Empfehlung des Ex-Bayern Björn Andersson zu den Bayern kam, gilt als Hoffnung im Profi-Kader. Nun, da sowohl die Weltmeister als auch die übrigen Nationalspieler noch nicht in Form sind, kann er sich profilieren. Guardiola wird ihn fördern, da bleibt er seiner Linie treu. Er liebt es, Jugendspieler aufzubauen, es gibt nur eine Bedingung: Er muss bedingungslos von ihnen überzeugt sein.

In München hat Guardiola schon einige junge Spieler gesehen. Alessandro Schöpf (inzwischen bei Nürnberg), Mitchell Weiser, Ylli Sallahi – sie alle konnten ihn nicht so recht überzeugen. Weiser etwa würden die Bayern gerne verleihen, er wird bei den Profis keine Rolle spielen. Auch der Name Julian Green fiel in den letzten Wochen häufig, als es um mögliche Leihgeschäfte in der aktuellen Transferphase ging. Spielpraxis würde dem Stürmer, der bei seinem WM-Debüt für die US-Nationalmannschaft gleich ein Tor schoss, guttun, hieß es. Aber Green ist überzeugt davon, dass er sich in München durchsetzen wird. Bei einem möglichen Einsatz im Supercup will der 19-Jährige sich nicht bei anderen Klubs ins Gespräch bringen, sondern nur beim FC Bayern bewerben.

„Ich denke an keinen anderen Verein. Ich will mich hier beweisen“, sagt der gebürtige Amerikaner. Natürlich weiß er um die prominenten Beispiele im Team. Er weiß, dass Philipp Lahm etwa den Umweg über Stuttgart wählte. Aber er weiß auch, dass der Vergleich zum Bayern-Kapitän hinkt. Lahm ging 2003 zum VfB, weil er unter Ottmar Hitzfeld, einem Trainer, der wenig auf die Jugend setzte, kaum Perspektiven sah. Die allerdings sieht Green.

Im Trainingsspielchen bei der Saisoneröffnung schoss der Offensivspieler ein Tor, ein weiteres bereitete er vor. Er ist unbekümmert, jugendlich frisch, aber lässt sich führen. Green ist eine Allzweckwaffe, einer, den man immer bringen kann. In der Nationalmannschaft bekam der 19-Jährige im Viertelfinale gegen Belgien die Chance, auf die er gewartet hatte. Er kam und traf – und so will er es auch in München machen.

In der letzten Woche haben sich bereits einige Vereine über ihn erkundigt. Ein Leihgeschäft noch in diesem Sommer ist für Greens Seite aber ausgeschlossen. Er folgt seinem guten Gefühl in München. Der Miesbacher sieht sich als fester Bestandteil des Profi-Kaders. Die Regionalliga, in der er in der vergangenen Saison 15 Tore schoss, ist für ihn Vergangenheit. Er ist nun Konkurrent von Franck Ribéry und Xherdan Shaqiri.

Entscheiden darf Green über seinen Werdegang alleine. Sollte sein Gefühl ihn täuschen, wird man sich frühestens im Winter über Alternativen beraten. Davon geht in seinem Umfeld aber niemand aus. Warum man sich so sicher ist? Weil Guardiola Green, der auf Geheiß von Ex-Präsident Uli Hoeneß vor einem dreiviertel Jahr zum Profi wurde, von Beginn an aufgefallen ist. Der Trainer gibt ihm das Gefühl, dass er ihn braucht. Und dafür war kein Tipp von Lahm nötig.

Hanna Schmalenbach

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