Ungewöhnlicher Vertragspoker

Kolumne: Für Simeone gibt Atlético alles

+
Von Alvaro de la Rosa, AS

Madrid - Für Kult-Trainer Diego Simeone geht Atlético Madrid als gesamter Verein an die Grenzen. In seiner Kolumne erklärt ein AS-Experte den bemerkenswerten Vertragspoker.

Wenn jemand unverzichtbar ist für Atlético, dann Diego Pablo Simeone. Niemand kann sich den Klub ohne ihn vorstellen. Er entwarf das Spielmodell , ist der Anführer einer Mannschaft, die ihm blind folgt und einer Anhängerschaft, die ihn liebt. Nach dem verlorenen CL-Finale im Mai sprach er von Selbstreflexion und schloss einen Abschied nicht aus, worauf im Calderon sämtliche Alarmglocken schrillten. Ohne Simeone befürchtete man den Abgang von Stars wie Griezmann und den Bruch mit den Fans. Die Bosse bekamen es mit der Angst zu tun, worauf sie nach Buenos Aires flogen, sich mit dem Trainer an einen Tisch setzten und seinen Verbleib sicherstellen konnten.

Alles gut. Bis vor ein paar Wochen, als die Verkürzung von Simeones Kontrakt von 2020 auf 2018 bekannt wurde. Komisch, nicht? All das war das Resultat jener Sitzung in Argentinien. Simeone hatte viele Angebote, eine Klausel über 20 Millionen Euro machte einen Abgang aber sehr schwer. Um den besten Trainer seit Aragones zufriedenzustellen, willigten die Atlético-Bosse aber in die Verkürzung ein. „Wir glauben, es ist das Beste“, meinte Simeone, ohne Gründe dafür zu nennen: „Das ist privat.“ Das Ziel der Bosse war, Simeone unter allen Umständen über den Sommer 2017 zu halten, jenem Datum, an dem Atlético das Stadion wechselt. Der Auszug aus dem alten Calderon birgt eine gewisse Angst unter den rojiblancos, weshalb die Vorstandsetage nicht auch noch ihr Idol ziehen lassen konnte.

Der Pakt sah folgendermaßen aus: Zwei Jahre weniger Vertrag, dafür ein höheres Gehalt. Seltsam, ja, aber es zeigt auch auf eindrucksvolle Weise, was Simeone den Fans bedeutet. Just nach den Verhandlungen spielte Atlético wieder daheim gegen Gijon, wo die Simeone-Sprechchöre lauter waren als je zuvor. Das ist Cholismus in purer Form. El Cholo, so lautet sein Spitzname, ist der Boss. Alles, was aus seinem Mund kommt, ist Gold. Es wird nicht diskutiert und schon gar nicht widersprochen. „Ohne ihn kann ich mir all das nicht mehr vorstellen“, meinte Kapitän Gabi, fügte aber an: „Wir müssen dennoch zusehen, dass Atlético über jedem steht.“ Aktuell ist das nicht der Fall. Simeone steht über allem.

Von Alvaro de la Rosa, AS

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgelesen

Banner in der Südkurve: FCB-Fans protestieren gegen UEFA
Banner in der Südkurve: FCB-Fans protestieren gegen UEFA
Lewys schöner Baby-Torjubel - Müller reißt schon wieder Witze
Lewys schöner Baby-Torjubel - Müller reißt schon wieder Witze
Hummels: „Thiago wie ein freies Radikal“
Hummels: „Thiago wie ein freies Radikal“
Winter-Transfers: Die Bayern-Streichliste
Winter-Transfers: Die Bayern-Streichliste

Kommentare