FC Bayern in der Länderspielpause

Viel Zeit, wenig Personal

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Neuer Trainingsgast: Holger Badstuber absolvierte am Dienstag Teile des Mannschaftstrainings.  

München – Eigentlich hätte Trainer Carlo Ancelotti in der Länderspielpause genug Zeit, den Bayern seine taktischen Ideen zu vermitteln. Es fehlt ihm aber an Spielern.

Das Bild von Carlo Ancelotti mit Hut hat sich in den letzten Wochen irgendwie eingeprägt. Man muss dem Bayern-Trainer zugute halten, dass er diese Zeit, die nicht jedem Zugereisten in München gefällt, gut gemeistert hat. Er hat sich zwei Mal auf der Wiesn blicken lassen, und den Eindruck vermittelt, Spaß zu haben.

Das Bier – so sah es zumindest aus – hat dem Italiener fast so gut geschmeckt wie der Wein aus der Heimat, und der Schmankerlplatte konnte er allerlei Gutes abgewinnen, obwohl auf dem rustikalen Holzbrett keine Tortellini „della casa“ serviert wurden. Man könnte meinen, Carlo Ancelotti hat sich in den letzten beiden Wochen gestärkt für härtere Zeiten. Für den kalten Herbst und den nahenden Winter zum Beispiel. Oder aber für Phasen, in denen es beim FC Bayern nicht ganz so gut läuft wie noch zum Start ins Oktoberfest. Also: Für das Hier und Jetzt.

Seit Dienstag trägt Carlo Ancelotti keinen Trachten-Hut mehr. Als er seine Spieler am Nachmittag zur ersten Trainingseinheit der Länderspielpause bat, war er so standesgemäß gekleidet, wie man es als Fußballtrainer eben sein kann. Bayern-Dress, Turnschuhe, Kappe – wie immer. Das Problem nur: Gerade mal eine Hand voll potenzieller Stammspieler hatte der 57-Jährige zur Verfügung. Manch ein Trainer freut sich auf ruhige Wochen. Für größere Korrekturen am noch nicht ganz rund laufenden Bayern-Spiel fehlt Ancelotti aber schlichtweg das Personal.

Zwölf Profis sind Anfang der Woche ausgeschwärmt

„Unsere Spielweise hat sich verändert, das muss sich erst einspielen“, hatte Kapitän Philipp Lahm nach dem 1:1 gegen Köln gesagt. Abstimmung, Laufwege und Tempowechsel gehörten zu den Schlagworten, die die Beteiligten als verbesserungswürdig einstuften. Ancelotti wird daran arbeiten, auch in den kommenden beiden Wochen. Wie groß der Effekt aber auf das Spiel seiner A-Elf sein wird? Fraglich.

Zwölf Profis sind Anfang der Woche zu ihren Nationalmannschaften ausgeschwärmt und werden erst in der Mitte der kommenden, also zur unmittelbaren Spielvorbereitung auf die Partie bei Eintracht Frankfurt, wieder zurück sein. Zwischendrin haben sie jeweils zwei Spiele zu absolvieren. Die DFB-Elf mit Manuel Neuer, Jérôme Boateng, Mats Hummels, Joshua Kimmich und Thomas Müller trifft am Samstag in Hamburg auf Tschechien. Drei Tage später geht es in Hannover gegen Nordirland.

Das Programm der übrigen sieben: Renato Sanches spielt mit Europameister Portugal gegen Andorra und auf den Färöer Inseln. David Alaba und die Auswahl Österreichs empfangen Wales und gastieren dann in Serbien. Robert Lewandowski darf gegen Dänemark und Armenien zwei Mal zu Hause ran. Julian Green absolviert mit den USA in Kuba und gegen Neuseeland zwei Freundschaftsspiele, Chiles Arturo Vidal erwarten gegen Ecuador und gegen Peru zwei schwere Partien. Thiago musste die Reise zur spanischen Nationalmannschaft, die gegen Italien und Albanien spielt, alleine antreten, weil Javi Martinez verletzt abgesagt hat. Und Kingsley Coman darf sich mit Frankreich nach der Partie gegen Bulgarien nicht auf ein Duell mit Arjen Robben im Trikot der Niederlande freuen, da auch der Kapitän der Elftal in München geblieben ist.

Martinez: Reha in der Länderspielpause

Robben hat sich im Spiel gegen Köln eine Rippenprellung zugezogen. Das ist zum einen äußerst unglücklich, da es für den Flügelspieler der erste Startelf-Einsatz der Saison war; zum anderen ist es aber auch schmerzhaft und unberechenbar. Es kann schnell gehen (dann könnte Robben noch nachreisen), es kann sich aber auch ziehen. Bei Martinez ist die Sachlage etwas klarer. Die Adduktorenverletzung, an der er seit Samstag laboriert, wird ihn länger dazu zwingen, kürzer zu treten. Die Länderspielpause sollte er für die Reha brauchen. Ein paar Wochen Ausfallzeit sind einkalkuliert.

Die beiden schlechten Nachrichten machten am Montag die Runde, dem freien Tag der Bayern. Immerhin hatte zuvor aber noch alle einmal auf der Wiesn feiern können. Bester Laune – und ein letztes Mal: Mit Hut.

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