Nach der Bayern-Niederlage in Madrid

Jamón im Mund, Wut im Bauch

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Tröstlicher Ausblick: Ein zweites Gegentor blieb den Bayern bei Griezma nns Elfmeter erspart.

Madrid - Die Pleite bei Atletico ist kein Drama für den FC Bayern, aber sie schmerzt - der Gruppensieg wird schwer. Immerhin: Ein zweites Gegentor blieb den Münchner dank Griezmanns vergebenen Elfmeter erspart.

Carlo Ancelotti hatte sich das Brot und den herrlichen Jamón gerade in den Mund gesteckt, als Karl-Heinz Rummenigge sich im Festsaal des Hotels „Villa Magna“ um kurz vor Mitternacht an ihn wandte. Der Italiener blickte kurz irritiert, überlegte sich sicher auch für einen Moment, mit dem Kauen aufzuhören – machte letztlich aber doch weiter. Man musste da Verständnis haben. Denn es ist nicht ganz einfach, einer Rede, die sich zu einem großen Teil um die eigene Person dreht, zu lauschen, wenn man der Hälfte des verwendeten Vokabulars nicht mächtig ist. Erst bei den Worten „lieber Carlo“ schreckte der Bayern-Trainer daher auf. Mit vollem Mund.

Rummenigge hatte versucht, wohlwollend zu sein, obwohl er wie die weiteren Gäste des mitternächtlichen Festschmauses ernüchtert war von den 90 Minuten, die er zuvor im Estadio Vincente Calderón gesehen hatte. 0:1 bei Atletico Madrid, eine verdiente Niederlage, nach acht Siegen die erste der Saison: Der „vino tinto“ schmeckte am Mittwoch nicht ganz so gut wie sonst. In Richtung des Coaches sagte der Vorstandsboss: „Das ist dein Debüt heute Abend beim Bankett, das ist Kultur des FC Bayern. Aber man kann sich das Debüt leider nicht aussuchen.“

Ancelotti sollte den Spanien-Fluch durchbrechen

Es war Ancelottis Aufgabe – und auch sein Plan – gewesen, den Spanien-Fluch, mit dem der FC Bayern seit nunmehr drei Jahren belegt ist, zu durchbrechen. Am Ende aber musste Rummenigge zugeben, dass es „mal Zeiten gab, in denen wir lieber nach Madrid gefahren sind, als das im Moment der Fall ist“. Keine Punkte auf spanischem Boden – auch das scheint derzeit ein Teil der Bayern-Kultur zu sein, die Ancelotti gerade Schritt für Schritt erkundet.

Die Spieler verzogen keine Miene bei der rund zweiminütigen Ansprache ihres Bosses, nicht mal, als Rummenigge von einer „verdienten Niederlage“ sprach, die daraus resultierte habe, dass „Atletico den Sieg heute Abend mehr wollte als wir“. Sie wussten, dass er recht hatte, denn sie hatten zuvor auch nicht mit Kritik an sich selbst gespart. „Uns hat heute der Killerinstinkt gefehlt“, sagte Manuel Neuer, Jerome Boateng forderte seine Mitspieler auf, „ehrlich zu uns selbst zu sein. Wir haben kein gutes Spiel gemacht.“

Auch wenn die Bedeutung der Partie gegen das Team, das im Frühjahr für das Halbfinal-Aus gesorgt hatte, im Vorfeld bewusst kleingeredet worden war: Die Enttäuschung war allen Beteiligten anzusehen. Über den Auftritt, bei dem die Bayern zu kaum einer Zeit Kontrolle über das hitzige Spiel hatten. Über den gescheiterten Versuch, sich für die K.o.-Phase ein gutes Gefühl für Duelle mit spanischen Mannschaften zu verschaffen. Und vor allem darüber, dass Atletico in der Gruppe D nun als Tabellenführer drei Punkte mehr hat als die Bayern. Die restlichen vier Spiele der Vorrunde (gegen und in Eindhoven, in Rostow, gegen Madrid) sollte nun gewonnen werden – sonst wird es ungemütlich.

Rechenspiele hatten die Profis schon auf dem Rasen angestellt, denn den ausgeheckten Plan präsentierten sie alle unisono. Hummels sagte: „In der Theorie haben wir den ersten Platz noch in der eigenen Hand. Alles gewinnen – und dann zuhause ein 2:0 holen.“ Erst im letzten Spiel am Nikolaustag gastiert Atletico in München. Dort kann es dann noch um den Sieg gehen, der mit Blick auf das Achtelfinale eine deutlich komfortablere Situation zur Folge hätte. „Es ist noch alles drin, auch Platz eins“, sagte Rummenigge.

Dass dafür aber eine Leistungssteigerung her muss, ist allen bewusst. Rummenigge bat zwar darum, aus der Niederlage „kein Drama“ zu machen und erinnerte daran, so etwas könne „auch mal gut sein, wenn man daraus lernt“. Das Spiel aber hat Kraft gekostet, körperlich wie mental. Man wird die nächsten Tage damit verbringen, die Fehler zu analysieren, Gespräche zu führen. „Und vielleicht“, sagte Boateng, „ist es auch mal ganz gut für den ein oder anderen zu sehen, dass nicht alles von alleine geht.“

Aber ab jetzt gilt eine neue Zeitrechnung. Die nach der ersten Niederlage Ancelottis. „Es ist wichtig, dass wir direkt am Samstag reagieren gegen den 1. FC Köln und die Tabellenführung in der Bundesliga verteidigen“, sagte Rummenigge. Ancelotti hörte das zwar – blickte aber schon auf das „bocadillo“, das in seiner Hand lag und zum Verzehr bereit war. Wenn er schon daran gescheitert war, eine spanische Mannschaft zu verputzen, dann sollte es wenigstens spanisches Essen sein. Wer konnte es ihm übel nehmen.

Wieder nix! Bayern verliert bei Atlético: Fünf 5er, eine 2

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