Böllerwurf beim Länderspiel

Lewandowski: Schreck in den Gliedern, BVB im Kopf

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Schockmoment für alle Beteiligten: Beim Stand vom 0:1 explodierte in Bukarest ein Böller unmittelbar neben Lewandowski.

München – Im ersten Moment musste man Schlimmeres befürchten, aber Robert Lewandowski kam beim Böllerwurf im Länderspiel glimpflich davon. Dass er trotzdem bereits von der polnischen Nationalmannschaft zurück ist, passt dem FC Bayern gut in den Kram.

Auf den Videos, die nach dem 0:3 der polnischen Nationalmannschaft in Rumänien durch das Internet gingen, sah man Robert Lewandowski extrem gelöst. Noch in der Kabine feierte der Stürmer des FC Bayern seine beiden Treffer, mit denen er maßgeblich dazu beigetragen hatte, dass sich die Polen auf den ersten Platz der WM-Qualifikationsgruppe E schieben konnten. Er lachte in die Kamera, streckte die Zunge raus, schrie „Polska, Polska, Polska“. Was er keine zwei Stunden zuvor erlebt hatte, steckte dem 28-Jährigen zwar noch in den Gliedern – aber anscheinend nicht mehr im Kopf.

Man muss sagen: Zum Glück. Denn die Szene, die sich beim Stand vom 0:1 in Bukarest ereignet hatte, hätte durchaus gravierendere Folgen haben können. Unmittelbar neben Lewandowski war im Strafraum ein Böller explodiert, den ein sogenannter Fußballfan auf den Rasen geworfen hatte. Der Bayern-Stürmer sackte sofort zusammen, blieb wie vom Blitz getroffen liegen. Im ersten Moment musste man Schlimmstes befürchten.

„Am Anfang klingelten meine Ohren. Es wurde dann aber nach und nach besser, ich habe ein paar Minuten gebraucht, um zu mir zu kommen“, sagte Lewandowski. Das Spiel wurde unterbrochen, der Angreifer minutenlang am Spielfeldrand behandelt, ehe er weitermachen konnte. Die Reaktion, die er danach zeigte, war beeindruckend, denn Lewandowski erzielte einfach noch zwei Tore (82./90.+1 Foulelfmeter). Der Ärger über den Vorfall aber wirkte genauso nach.

Rumäniens Nationaltrainer Christoph Daum sagte: „Das sind Gruppierungen, die den Fußball für irgendwelche Aktivitäten nutzen wollen. Davon distanzieren wir uns.“ Man kenne das „Problem von vielen Ostblock-Staaten. Wir bemühen uns um den Dialog mit den Fan-Gruppierungen, aber das ist schwer, wenn man keine polizeiliche Unterstützung hat“, führte er aus. Eine drakonische Strafe für Rumänien seitens der Kontroll- und Disziplinarkommission der Europäischen Fußball-Union (UEFA) ist sicher. Eine Lösung des Problems aber wird sie nicht sein.

4000 Beamte waren bei dem Hochsicherheitsspiel im Einsatz, auch auf den Rängen hatte es Ausschreitungen gegeben. Wie nah die unschöne Seite des Fußballs auch für Spieler ist, wurde dann jedem einzelnen und insbesondere Lewandowski noch mal bildlich vor Augen geführt. Nicht wenige fühlten sich beim Blick auf die Szene an den ehemaligen Torhüter Georg Koch erinnert. Er musste als Schlussmann von Rapid Wien nach einem Böllerwurf 2008 im Derby gegen Austria seine Karriere aufgrund eines Knalltraumas beenden. Koch erlitt eine schwere Schädigung des Gehörs sowie einen Tinnitus, Gleichgewichtsstörungen, Schwindelanfälle und eine posttraumatische Belastungsstörung.

Lewandowski scheint mit dem Schrecken davon gekommen zu sein. Das ließ am Wochenende nicht nur ihn, sondern auch den FC Bayern aufatmen. Dass Nationaltrainer Adam Nawalka im heutigen Spiel gegen Slowenien zudem auf Lewandowski verzichtete und der bereits zurück in München ist, passte auch gut in den Kram. In Arturo Vidal und Kingsley Coman haben sich bereits zwei Spieler des Rekordmeisters in der Länderspielpause verletzt. Für das Topspiel beim BVB am kommenden Samstag braucht man deshalb a) jeden Mann und b) einen wie Lewandowski besonders. Der Ex-Dortmunder soll Tore schießen, bis seinen ehemaligen Teamkollegen – mal salopp gesagt – die Ohren klingeln.

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