Start der Champions League

Lisa Evans gegen ihre Landsleute: „Wir können jeden schlagen“

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„Die Aufregung zuhause war groß – eine Schottin beim FC Bayern! Und sie wird auch noch Meister!“ Lisa Evans.

Bayern-Stürmerin Lisa Evans spricht im Interview über die Ziele in der Champions League, Balkonerlebnisse mit Franck Ribery, Treffen mit Alan McInally und Star Wars

München – Lisa Evans hat sich in der Offensive des FC Bayern schnell etabliert. Am Mittwochabend steht für die 24-Jährige ein besonderes Spiel an: Die Münchnerinnen treten um 20.30 Uhr bei Hibernian Edinburgh an. Vor dem Duell mit ihren Landsleuten spricht sie im Interview über die Ziele in der Königsklasse.

Lisa Evans, Sie sind jetzt ein Jahr beim FC Bayern – wie fällt Ihr persönliches Fazit bisher aus?

Ich kann sehr zufrieden sein. Wir haben hier so einen großen Konkurrenzkampf, aber ich habe meine Einsätze – und wir wurden Meister. Ich bin jetzt vier Jahre in Deutschland und war noch nie Meister. Das ist der größte Erfolg in meiner Karriere.

Fühlen Sie sich als Stammspielerin?

Nein, auf keinen Fall. Bei uns ist die Intensität in jedem Training so hoch – wenn du da einmal nicht gut drauf bist, bist du draußen. Das macht uns aber auch so stark.

Welche Ziele haben Sie in dieser Saison?

Die Enttäuschung nach dem Erstrunden-Aus in der Champions League war sehr groß. Da haben wir etwas gutzumachen. Auch das Aus im Pokalhalbfinale war bitter. In beiden Wettbewerben ist mehr drin. Und natürlich will man den Meister-Titel verteidigen. Wir haben große Pläne.

Wie haben Sie denn die Meisterschaft gefeiert – mit Dudelsack?

(lacht) Nein, ich kann das leider gar nicht. Aber wir haben zuhause schon eine Feier gemacht, mit der Familie und Freunden. Die Aufregung zuhause war groß, es war noch nie eine Schottin beim FC Bayern – und dann wird sie auch noch Meister! Größer gibt es fast nicht. Ich musste viele Interviews geben, das war eine große Sache, zumal die Bayern in Schottland viele Fans haben. Auch die Bilder, wie wir mit den Dirndln und der Mannschaft von Pep Guardiola auf dem Rathausbalkon feiern durften, wurden zuhause wahrgenommen.

Sie kamen mit Franck Ribery auf den Balkon – wie war das alles so?

Riesig. Er ist sehr lustig, aber es ging alles so schnell. Dann stehst du da oben, schaust auf diese vielen Fans, da bekommt jeder eine Gänsehaut. Es ist unglaublich. Ich musste zuhause so viele Fragen beantworten, alle wollten wissen: Wie war es?

Wie war es denn?

Um ehrlich zu sein, war ich etwas nervös. Ich muss das einfach noch mal erleben, dann kann ich es besser beschreiben (lacht).

Ein schottisches Klischee ist, dass gerne mal Karaoke gesungen wird. Haben Sie so gefeiert?

Nein, leider nicht. Aber das Klischee stimmt schon, bei unserer Nationalmannschaft machen wird das öfter.

Sie wollten Ihrem Vater mal eine Lederhose schicken. Haben Sie das schon geschafft?

Leider nicht. Oder besser: noch nicht! Ich habe ja noch etwas Zeit in München. Ich hatte gehofft, meine Eltern kommen zum Oktoberfest, aber es hat nicht geklappt.

Stattdessen spielen Sie nun mit Bayern in Schottland. Was wissen Sie über Hibernian Edinburgh?

Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht so viel, ich bin ja schon so lange in Deutschland. Vier, fünf Spielerinnen von ihnen sind in der Nationalelf, ich kann sagen, dass wir uns auf eine kämpferisch starke Mannschaft einstellen müssen, typisch schottisch, aggressiv, zweikampfstark, und sie werden sehr tief stehen.

Hibernian Edinburgh hat eine große Tradition: 1875 gegründet, und es war sogar der erste britische Klub im Europacup.

Ach wirklich? Das wusste ich nicht. Das wird sie noch stolzer machen.

Wie kann man sich den Frauenfußball in Schottland vorstellen?

Er entwickelt sich. Früher war immer nur mein früherer Klub, Glasgow City LFC, vorne. Jetzt gibt es zwei, drei Mannschaften, die oben mitspielen. Das Niveau ist nicht gut, aber es wird besser. Wir haben uns jetzt auch das erste Mal für die EM qualifiziert. Als ich damals angefangen habe, zu spielen, wurde ich ständig gehänselt, das ist in Schottland noch viel ungewöhnlicher als in Deutschland: eine Frau auf dem Fußballplatz. Aber ich war schnell, ich habe immer mit Jungs gespielt, und als sie gemerkt haben, dass ich kicken kann, haben sie die Klappe gehalten.

Sie kamen dann zu Turbine Potsdam. Wie lief der Transfer ab?

Wir haben gegen sie in der Champions League gespielt. Insgesamt haben wir 0:17 verloren, einmal 0:7 und einmal 0:10. Es war so schlimm, ich glaube, die schlimmsten Niederlagen meines Lebens. Ich wollte mit Fußball aufhören.

Hatten Sie einmal Kontakt zu Alan McInally?

Nein, leider noch nicht. Ich kenne ihn nur aus dem Fernsehen, er arbeitet als Experte.

Er wurde 1990 mit dem FC Bayern Meister.

Oh, dann sollten wir echt mal ein Treffen engagieren. Wir sind wohl die einzigen Schotten, die mit Bayern Meister wurden. Das ist ja kurios.

Aus Ihrem Heimatort Perth kommt auch der Hollywood-Star Ewan McGregor. Kennen Sie ihn?

Nicht persönlich, aber ich mag seine Filme. Star Wars, aber auch die anderen.

Ihr persönliches Star Wars ist nun die Champions League. Letztes Jahr sagten Sie, der FC Bayern könne jede Mannschaft schlagen, auch international. Bleiben Sie dabei?

Ja, wir können jeden schlagen. Unser Start in die Bundesliga war nicht perfekt, aber das haben wir erwartet. Wir hatten viele Spielerinnen bei den Olympischen Spielen und haben Verletzungsprobleme. Bei 100 Prozent können wir noch nicht sein, aber ich mache mir keine Sorgen. Die Konkurrenten haben sich verbessert, aber wir haben uns auch sehr gut verstärkt. Wir brauchen einfach noch Zeit, bis wir unser Spiel durchziehen können.

Welche Lehren haben Sie aus dem Erstrundenaus in der Champions League letztes Jahr gezogen?

Dass wir auf den Punkt da sein müssen. Das sind K.o.-Spiele, da musst du dein Spiel durchziehen. Es war so bitter gegen Twente, wir sind ja bei zwei Unentschieden ausgeschieden, also ohne verloren zu haben. Aber diese Erfahrung tut uns gut. Uns passiert das jetzt nicht noch einmal, dass wir nicht bereit sind.

Quelle: fussball-vorort.de

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