125. Spielführer der Geschichte

Bei Neuer ist die DFB-Kapitänsbinde in besten Händen

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„Der logische Nachfolger von Bastian Schweinsteiger“: Manuel Neuer.

Düsseldorf – Manuel Neuer wird der 125. Kapitän in der Geschichte der deutschen Nationalmannschaft. Der 30-jährige Torhüter des FC Bayern gilt als Musterprofi der heutigen Zeit.

Das Duo, das sich da eine schwere Aufgabe ausgesucht hatte zum Feierabend, sah ulkig aus: Auf der einen Seite Manuel Neuer, auf der anderen japste Thomas Müller unter der Last. Er macht zwar seit einiger Zeit fleißig Liegestütze, aber mit dem massigen Torwartkoloss kann er nun doch nicht mithalten, und so war es wohl ganz gut, dass Joshua Kimmich hinten den Stabilisator gab. Nicht auszudenken wäre gewesen, wenn sie ihre Fracht hätten zu Boden plumpsen lassen wie einen Mehlsack. Es handelte sich ja schließlich um Bastian Schweinsteiger, den sie auf ihren Schultern zur Fankurve trugen.

 Sie ließen ihn nicht fallen, natürlich nicht, sie warfen ihn sogar noch in die Luft und fingen ihn immer wieder auf – und ganz ehrlich: Wer einen Manuel Neuer an seiner Seite weiß, ist stets gut aufgehoben. So in etwa dürfte auch Joachim Löws Gedankengang gewesen sein, als der Bundestrainer über der Frage sinnierte, wer Schweinsteiger als Kapitän der deutschen Nationalelf beerben solle. Er kam da auch zu dem Entschluss, dass man bei Neuer in besten Händen ist. Gestern machte er die Sache offiziell: Der Bayern-Torwart ist der 125. Kapitän der DFB-Geschichte – und der zweite Schlussmann seit Oliver Kahn, der die Binde dauerhaft tragen darf.

Parallelen zu seinem berühmt-berüchtigten Vorgänger erschöpfen sich aber in der sportlichen Ausnahmestellung der beiden. Vom Naturell her sind die Unterschiede ebenso gewaltig wie der Spielstil und auch die Zeit, in die sie hineingeboren wurden. Kahn gehörte der Generation an, in der man Sachen sagte wie „Dann muss ich eben das Spiel alleine gewinnen“. Neuer hingegen bildet den Musterprofi der heutigen Zeit ab: Konzentriert, hintergründig, bescheiden und hellwach. Ein Gespräch mit dem 30-Jährigen ist immer pointiert, ein bisschen spiegelt es auch sein Wirken auf dem Platz wider. Manuel Neuer ist souverän, ruht in sich – und ist dennoch stets in der Lage, Konter und Akzente zu setzen. Der geborene Kapitän, könnte man auch sagen.

Für ihn sei der Münchner „der logische Nachfolger von Bastian Schweinsteiger“, sagte Löw gestern, „er bringt alles mit, was ich mir von einem Spielführer wünsche“. Seine sportlichen Leistungen seien „überragend“, zudem sei er „immer für die Mannschaft da, er ist ein Teamplayer und ein absolutes Vorbild mit seinen menschlichen Qualitäten“. Neuer übernehme Verantwortung und gehe voran, so der Bundestrainer, „dabei ist er ruhig und besonnen. Er wirkt nach innen und außen, sein Wort hat Gewicht.“ Das klang nun fast so, als würde Löw der Nr. 1 gleich noch die Kandidatur als Bundespräsident antragen, und in der Fußballbranche wird gerne mal gelobhudelt. Im Fall Neuer aber ist das alles okay.

Er freue sich über das Vertrauen, ließ der Münchner wissen, stellte aber auch sofort klar, dass „wir auf dem Platz mehrere Führungsspieler benötigen, wenn wir Erfolg haben wollen“. Die entscheidenden Dinge würden im Mannschaftsrat besprochen, zu dem noch Thomas Müller, Mats Hummels, Sami Khedira und neuerdings auch Toni Kroos gehören.

Neuer hatte schon während der EM in Frankreich in fünf der sechs deutschen Spiele die Binde getragen, da Schweinsteiger sich nicht für die Startformation empfehlen konnte. Sein Debüt in der Nationalelf feierte er im Juni 2009, das WM-Qualifikationsspiel am Sonntag in Norwegen wird seine 72. Partie mit dem Bundesadler auf der Brust. Zuletzt wurde er drei Mal in Serie als Welttorhüter ausgezeichnet – dieser Kapitän ist also voll salonfähig.

„Manuel Neuer ist nicht nur ein erstklassiger Torwart“, gab auch Karl-Heinz Rummenigge seinen Segen, „er ist zudem eine große Persönlichkeit. Ich bin überzeugt“, sagte der Vorstandschef des FC Bayern, „dass er als Kapitän der Nationalelf eine gute Rolle spielen wird.“

Und das vermutlich noch eine ganze Weile. Mit 30 ist Neuer gerade im besten Torhüter-Alter. Es ist gut möglich, dass er noch fünf, sechs Jahre auf dem Niveau agiert. Die Frage, wer ihn dann mal zum Abschied auf Schultern trägt, stellt sich also noch länger nicht. Zum Glück. Denn derjenige, der ihn einst beerben wird, wird wohl ordentlich Schmalz brauchen. Er hat dann einiges zu stemmen.

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