"Für mich ist ein Weitermachen keine Option"

Mit 29! Ex-Nationalspieler Jansen beendet Karriere

Marcell Jansen
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Marcell Jansen bei seinem drittletzten Länderspiel am 15. November 2013 in Mailand gegen Italien.

Berlin - Nach der WM 2006 galt Marcell Jansen als großer Hoffnungsträger des deutschen Fußballs. Nun beendet der langjährige HSV-Profi und Nationalspieler mit 29 Jahren seine Karriere.

Er war das Küken des Sommermärchens 2006, wechselte für 14 Millionen Euro zum FC Bayern - und löste das Versprechen einer ganz großen Karriere doch nie ein: Nun hat Marcell Jansen mit erst 29 Jahren seine Fußballschuhe an den Nagel gehängt. Nach sieben Spielzeiten war sein Vertrag beim Hamburger SV nicht mehr verlängert worden.

„Ich habe lange überlegt. Einige Tage, einige Wochen sogar“, sagte der gebürtige Mönchengladbacher der Bild-Zeitung: „Doch nun ist es für mich klar: Meine Karriere ist vorbei, ich höre auf.“ Nach 242 Bundesliga- und 45 Länderspielen (3 Tore) will sich Jansen nun neuen Projekten widmen - seinem Modelabel und dem Traum von einem Start-up-Unternehmen. Offerten des FC Everton und von Benfica Lissabon stimmten den Linksfuß nicht mehr um.

„Zuletzt war Fußball mein Beruf, nun wird es wieder mein Hobby“, sagte Jansen. Bundestrainer Joachim Löw bedankte sich bei seinem früheren Spieler für dessen Einsatz. „Ich habe Respekt vor seiner Entscheidung, die Karriere schon jetzt zu beenden, obwohl er sicher noch weiterspielen hätte können“, sagte Löw auf dfb.de: „Marcell war über viele Jahre Bestandteil der Nationalmannschaft, er stand für Dynamik, Einsatz und Leidenschaft.“ Bruno Labbadia zeigte sich überrascht. „Ich bin gespannt, wie Marcell in zwei Jahren darüber denken wird“, sagte der HSV-Trainer der Hamburger Morgenpost.

Jansen hat den ganz großen Fußballzirkus erlebt. Schon ein Dreivierteljahr nach seinem ersten Bundesligaauftritt für Borussia Mönchengladbach streifte er im September 2005 als 19-Jähriger in Bratislava erstmals das Trikot der A-Nationalmannschaft über. Er war dabei, als Jürgen Klinsmanns Rasselbande den deutschen Fußball bei der Heim-WM 2006 wachküsste, spielte im EM-Finale 2008 gegen Spanien (0:1) und holte den dritten Platz in Südafrika 2010.

„Das WM-Sommermärchen 2006 im eigenen Land durfte ich, gemeinsam mit Cristiano Ronaldo als jüngster Spieler, miterleben. Das war und ist das größte Turnier, was ich bisher erlebt habe und ein Highlight meiner Karriere“, schrieb Jansen am Mittwochmittag bei Facebook.

Den Sprung in den DFB-Kader für die Weltmeisterschaft in Brasilien verpasste er nur knapp. Im März 2014 stand Jansen beim letzten Länderspiel vor der Benennung des vorläufigen Aufgebots für das Turnier in der Startelf. Doch nach dem Duell gegen Chile verzichtete Bundestrainer Löw auf den Linksverteidiger.

Es war nicht der einzige Rückschlag in den vergangenen Jahren. Nach einem kurzen Intermezzo beim FC Bayern (2007/08) hielt er zuletzt sieben Spielzeiten die Knochen für den mehr und mehr strauchelnden HSV hin, setzte dabei aber immer seltener Impulse. Insgesamt 13 Trainer und fünf Manager erlebte Jansen an der Elbe. Nach den Europacup-Halbfinals 2009 und 2010 ging es rapide bergab. Dank des Last-Minute-Klassenerhalts ihm Jansen eine schwere Schmach kurz vor dem Karriereende immerhin erspart.

„Die letzten Jahre war ich sehr emotional mit dem HSV verbunden“, sagte Jansen. Er werde den Bundesliga-Dino „immer lieben“, ein Neuanfang bei einem anderen Klub konnte er sich nicht mehr vorstellen. „Es gab sehr tolle Angebote“, sagte der Blondschopf: „Ich kann jetzt nicht plötzlich ein anderes Wappen küssen.“ Auch die Aussicht auf weitere Millionen-Gagen reizt ihn nicht mehr: „Ich verzichte lieber auf dieses Geld.“

Stattdessen plant Jansen, der schon mit 23 eine eigene GmbH und zuletzt mit fünf Freunden ein Modelabel für Sportkleidung („Gymjunky“) gründete, ab sofort seine Karriere nach der Karriere. „Ein Start-up zum Beispiel. Davon träume ich - und das setze ich um. Mit hundert Prozent Leidenschaft, da brenne ich“, meinte Jansen. Er habe das Glück gehabt, „in elf Jahren Bundesliga gutes Geld zu verdienen und nun frei entscheiden zu können“.

sid/dpa

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