Trapattonis Ex-Assistent

Morales im Interview: Damit wird Ancelotti schlauer umgehen als Pep

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Massimo Morales.

München - Der ehemalige Assistent von Giovanni Trapattoni, Massimo Morales, spricht im exklusiven Interview über Trends bei Trainern, Intrigen und den neuen Bayern-Coach Carlo Ancelotti.

Massimo Morales ist Trainer und Diplomkaufmann - und kein Unbekannter. Als Assistent und Übersetzer von Giovanni Trapattoni saß der 52-Jährige beim FC Bayern München auf der Bank. Fortuna Düsseldorf ebnete Morales den Weg nach oben, und auch in Tschechien feierte der Italiener den Aufstieg. Die Stuttgarter Kickers rettete Morales, wurde danach aber dennoch entlassen. Im Interview spricht Morales offen über Trends, Intrigen und Carlo Ancelotti.

Herr Morales, wo erreichen wir Sie gerade?

Massimo Morales: Ich bin gerade aus England wieder zurück, wo ich viele Spiele in der Premiere League bis hinunter zur League 2, der vierten Liga, angeschaut habe. Hin und wieder waren auch ein paar U21-Juniorenspiele darunter.

Haben Sie nach der „Schnitzelaffäre“ bei den Stuttgarter Kickers keine Lust mehr auf deutschen Fußball? 

Morales: (lacht) Aber natürlich. Deutschland bleibt immer interessant, und außerdem muss ein junger Profi wissen, wie er sich vorbereitet und wie er sich zwei Stunden vor dem Training ernährt. Die Sache ist aber längst gegessen.

Sondieren Sie gerade Anfragen?

Morales: Ja, Angebote liegen vor, auch aus Südamerika und Asien. Ein kolumbianischer Top-Klub wollte mich auch. Aber momentan ist meine Intention ganz klar, weiterhin in Europa zu arbeiten.

Könnten Sie sich auch damit anfreunden, "nur" als Scout und Fußball-Experte wie im italienischen Fernsehen tätig zu sein, oder juckt es Sie, selbst aktiv auf dem Platz zu stehen?

Morales: Ich möchte auf jeden Fall wieder auf dem Platz stehen und ein ambitioniertes Team trainieren. Das Scouting und die Arbeit beim Fernsehen sind eine wunderbare Möglichkeit, im Fußballbusiness mittendrin zu sein. Mit einer Sieg-Unentschieden-Quote von 70 Prozent sehe ich keinen Grund, als Trainer aufzuhören.

Momentan geht der Trend aber auch wieder weg von den ganz jungen Trainern wie Julian Nagelsmann, Thomas Tuchel oder Thomas Schneider und dafür hin zu den erfahreneren Trainern. Wie sehen Sie den Trend?

Morales: Trends im Fußball sind nur für die, die keine klaren Vorstellungen haben. Man sollte immer nach anderen Kriterien unterscheiden: Wie qualifiziert ist der Trainer? Passt er zum Klub und Umfeld? Ältere Trainer mit Erfahrung bleiben in schwierigen Situationen ruhiger. Die erfolgreichen Trainer waren und sind letztendlich meistens reife Männer. Und Konzepte haben sie auch, glauben Sie mir. Es ist komisch, dass in Deutschland ältere Trainer immer mit altmodischen Trainingsmethoden verbunden werden. In Italien und England oder Spanien gibt es solche Diskussionen gar nicht. Junge Trainer lernten immer von Trainern wie Trapattoni, Arrigo Sacchi, Fabio Capello oder Carlo Ancelotti. Da ist immer Respekt da. Tuchel hat schon viel bewiesen. Dem jungen Nagelsmann ist die erste Vorstellung gelungen, und er ist sicherlich talentiert. Zu Thomas Schneider kann ich nicht so viel sagen, der VfB Stuttgart hatte wenig Geduld mit ihm. Jetzt kann er beim Bundestrainer dazu lernen. Weinzierl zähle ich aber sicherlich unter den Besten seiner Generation. Und Ralf Rangnick ist eine Klasse für sich.

So lange laufen die Verträge der Bayern-Stars

Immer mehr italienische Trainer setzen ihre Stempel und Handschrift im Ausland auf. Claudio Ranieri schaffte das Wunder von Leicester, aber auch Luciano Spalletti , Albaniens Nationaltrainer Gianni De Biasi, Ancelotti oder früher Trapattoni hatten große Erfolge. Ihre Erklärung?

Morales: Klar, die Resultate sprechen in all den Jahren für die italienischen Trainer. Ranieri, immerhin 64 Jahre alt, ist das letzte große Beispiel mit dem Wunder von Leicester, das eigentlich kein Wunder ist, sondern das Ergebnis guter solider Trainerarbeit. Die Premiere League holt sich viele Italiener, das muss was bedeuten. Viele sind auch im Hintergrund in den Juniorenabteilungen. Ich denke, dass die italienischen Trainer immer offen und flexibel geblieben sind, auch im Austausch mit anderen Nationen. Wir lernen, taktisch flexibel zu sein. Wir legen Wert auf Details. Wir schonen die Spieler körperlich, legen aber viel Wert auf regeneratives Training. In Italien nehmen die Trainer Rücksicht, mit einem Brasilianer hat man einen anderen Umgang im Training als mit einem Holländer beispielsweise. In Deutschland heißt es immer, du musst Deutsch lernen, sonst bleibst du Außenseiter. Das musste auch ich oft erleben. Dabei spreche ich sechs Sprachen und konnte relativ früh auch gut Deutsch sprechen. Dennoch wurden mir Chancen verwehrt. Das schmerzte früher ein bisschen. Ein sogenannter Kollege hat mich einmal in einem Verein richtig schlecht geredet, und am Ende bekam ich den Job in der Nachwuchsabteilung auch nicht. Undenkbar wäre so etwas in Italien, wo der Respekt untereinander schon größer ist.

Kommen wir zum künftigen Bayern-Coach: Carlo Ancelotti ist kein Fremder für Sie. Wie wird er nach der Ära Pep Guardiola den Verein für sich gewinnen?, und, wird Ancelotti das Ärzteteam auch so stressen?

Morales: Carlo Ancelotti ist ein sehr erfahrener Mann, der bei vielen großen Klubs sehr erfolgreich gearbeitet hat. Manchmal scheint er ein wenig phlegmatisch zu sein, ist es aber gar nicht. Er beobachtet viel und bekommt alles mit. Außerdem hat er einen Sinn für Ironie, und auf Fremde wirkt er manchmal sarkastisch. Jedenfalls findet er mit den Bayern einen super organisierten Verein vor mit einem starken Kader. Da sollte nichts schief gehen.

Wird er das Ärzteteam auch so stressen wie Guardiola?

Morales: Probleme mit der medizinischen Abteilung gab es schon zu Trapattonis Zeiten - also nichts Außergewöhnliches. Ich glaube aber, dass Carlo ein bisschen schlauer als Guardiola mit dieser Thematik umgehen wird.

Sie wird man also nicht an der Säbener Straße neben Carlo Ancelotti auf dem Trainingsplatz oder dahinter im Trainerstab wiedersehen?

Morales: Nein, das Thema stand nie wirklich zur Debatte. Ancelottis Berater meinte, die Bayern wollten bewusst keinen deutschsprechenden italienischen Assistenten. Ich glaube aber auch, dass das Trainerteam bestens aufgestellt ist. Aber sollte eine Anfrage kommen, würde ich sie mir natürlich anhören. Bayern bleibt immer Bayern. Ich kenne die DNA des Klubs.

Interview: Giovanni Deriu

Giovanni Deriu führte das Gespräch. Deriu, 44, ist Sozialpädagoge und freier Journalist, er analysiert und beschreibt Trainerbiografien.

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