"Seine Entwicklung hat stagniert"

Maurizio Gaudino: Darum spielt Gianluca in der Schweiz

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Die Leichtigkeit am Ball hat Gianluca Gaudino (r.) von seinem Vater Maurizio (l.), der früher erfolgreicher Bundesligaprofi war.

FC Bayern München II - Als 17-Jähriger feierte Gianluca Gaudino im Trikot des FC Bayern sein Bundesliga-Debüt. Mittlerweile spielt das Talent in der Schweiz. Sein Vater, Maurizio Gaudino, war am am Montagabend Gast bei kicker.tv, um über die oft fehlende Perspektive von jungen Talenten zu sprechen.

Seit dem achten Lebensjahr spielt Gianluca Gaudino beim FC Bayern München. Er durchlief alle Jugendmannschaften der Münchner und schaffte es bis zu den Profis. Als gerade einmal 17-Jähriger profitierte er vor allem von der Weltmeisterschaft: weil viele Profis noch im verlängerten Urlaub waren, oder verletzt zurückkamen, schenkte ihm Pep Guardiola Vertrauen. Als seine Einsätze in der Profimannschaft jedoch ausblieben und er vermehrt bei der Reservemannschaft zum Einsatz kam, entschied er sich vergangene Saison, in Absprache mit seinem Vater, für einen Wechsel nach St. Gallen in die Schweiz.

Anfang des Jahres sprach Gaudino im spox-Interview über seine Leihe: "Ich wollte einfach mal weg, um mich weiterzuentwickeln." Eineinhalb Jahre läuft sein Leihvertrag in der Schweiz. Über den Trainerwechsel im Sommer und eine mögliche neue Chance unter Carlo Ancelotti sprach Gaudino gelassen: "Da habe ich nicht viel darüber nachgedacht, wer ab Sommer Trainer beim FC Bayern wird. Ob meine Chancen größer gewesen wären, weiß ich nicht. Ich muss erst einmal hier Leistung bringen und konzentriere mich auf St. Gallen und nicht auf Bayern."

Maurizio Gaudino, Vater und ehemaliger Bundesligaprofi (294 Bundesligaspiele u.a. für den VfB Stuttgart und Eintracht Frankfurt) war am Montagabend zu Gast bei kicker.tv - Der Talk, um über die Problematik der Integration von Jugendspieler im Profibereich zu diskutieren. Dabei berichtete er auch von den Erlebnissen seines Sohnes.

"Junge Spieler entwickeln sich so, wie es der Verein vorgibt"

Maurizio Gaudino über ...

... die Anfänge von Gianluca in der Profimannschaft des Rekordmeisters

"Er hatte das Glück, zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort zu sein: Weltmeisterschaft, verletzte Spieler und verspätete Rückkehrer, dass alles waren die Gründe, wieso Guardiola in der Vorbereitung auf ihn gesetzt hat. 

... die Einsätze seines Sohnes für den FCB in der Bundesliga

"Gianluca hat in der Bundesliga seine Duftmarken setzen dürfen. Der Trainer hat das gefördert. Er hatte eine starke erste Saison mit der Profimannschaft."

... Gründe, wieso es mit dem Durchbruch vorerst nicht geklappt hat

"Nach der ersten Saison hat seine Entwicklung stagniert. Im zweiten Jahr fängt man dann an, sich Gedanken zu machen und ist nicht mehr so unbekümmert. Außerdem kamen verletzte Spieler zurück und neue Talente wurden verpflichtet, die den Vortritt bekamen. Der Konkurrenzkampf war sehr groß. Zuletzt wurde er nur noch in den letzten Minuten eingewechselt.

... den Wechsel zum FC St. Gallen

"Der Grund für den Wechsel war, dass er nach der Vorbereitung mit den Profis, wieder runter zu den Amateuren musste. Und bevor er wieder in der Regionalliga spielen muss, was mental auch nicht fördernd ist, haben wir uns gemeinsam für diesen Weg entschieden. In der Schweiz kann er sich in der ersten Mannschaft entwickeln. Außerdem macht er nun gewisse Erlebnisse: Purer Abstiegskampf, drei Spiele später Europa-League, oder vorne mitspielen. Diese ganzen Schwankungen, die bei einem "normalen Verein" vorkommen, kennt man beim FC Bayern nicht, wo von Anfang an um drei Titel gespielt wird."

... Angebote aus der Bundesliga

"Wir haben uns bewusst gegen einen Wechsel innerhalb der Bundesliga entschieden, da er dadurch vom Druck wegkommt, weil auch der Vater in der Bundesliga gespielt hat. In der Schweiz kann er sich gut entwickeln."

... das erste halbe Jahr von Gianluca in der Schweiz

"Er lebt zwar in der Schweiz, aber es ist alles deutschsprachig. Zusammen mit seiner Freundin gestaltet er sein Leben komplett selber. Das ist sehr gut für ihn, um jetzt den nächsten Schritt zu machen, um sich dann im Geschäft Profifußball durchsetzen zu können. Ich stehe ihm bei und versuche ihm Tipps zu geben, wie ich es damals selbst gemacht habe. Trotzdem muss er sich auch mal die Finger verbrennen, um dann auch den nächsten Schritt machen zu können."

... die bedenkliche Entwicklung von Jugendlichen, die in Fußball-Internaten aufwachsen

"Den Kindern und Jugendlichen, die in Internaten von zuhause weg aufwachsen, fehlt die Entwicklung und Erziehung. Sie kennen es nicht, mit Freunden und Kumpels unterwegs zu sein. Diese Dinge fallen alle weg. Man wird in dieses Schema hineingepresst und entwickelt sich so, wie der Verein die Entwicklung vorgibt. Man sollte darüber nachdenken, wie man das verbessern kann."

Text: Daniel Georgakos

Quelle: fussball-vorort.de

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