"So etwas war noch nicht da"

Mega-Hype in Österreich um David Alaba & Co.

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David Alaba (r.) mit Gyoergy Garics im Training.

Stegersbach/Wien - Vor der EM in Frankreich wachsen in Österreich die Erwartungen. Mit einem Mal sind die Fans voller Begeisterung für ihr Team, in dem viele Bundesliga-Legionäre zum Erfolg beitragen.

Mit viel Euphorie und einer großen deutschen Abteilung startet Österreichs Fußball-Nationalmannschaft ins EM-Jahr. 1500 Fans feierten ihr Team Anfang der Woche im beschaulichen Stegersbach, wo sich die Mannschaft von Trainer Marcel Koller auf die Testspiele in Wien gegen Albanien am Samstag und gegen die Türkei am Dienstag vorbereitete. Seit die ÖFB-Auswahl die EM-Qualifikation mit neun Siegen und nur einem Remis in beeindruckender Manier geschafft hat, ist ein wahrer Hype im Land ausgebrochen. „So etwas war noch nicht da“, meinte Stürmer Marc Janko staunend zum Andrang der Fans. „Zumindest nicht zu meinen Lebzeiten.“

Der 32-Jährige vom FC Basel gehört im 23er-Kader von Trainer Marcel Koller zu einer seltenen Spezies: Er hat noch nie in Deutschland gespielt. 15 Spieler verdienen ihr Geld in der Bundesliga oder in der Zweiten Liga. Fünf weitere, darunter Kapitän und Leitwolf Christian Fuchs, haben schon bei deutschen Clubs gespielt. Die „Bild“-Zeitung titelte nach der EM-Qualifikation im September: „Bundesliga bringt Ösis zur EM - wie wär's mit einem kleinen Dankeschön?“

Deutsche Arroganz kommt im Nachbarland traditionell schlecht an. Trotzdem wissen die Österreicher, welchen Wert die Bundesliga-Erfahrung von David Alaba, Julian Baumgartlinger, Martin Harnik & Co. hat. „Das ist immens wichtig, das Fundament des Erfolgs“, sagte Herbert Prohaska. Der 60-Jährige begleitet die ÖFB-Auswahl als TV-Experte. Unter ihm als Teamchef hatte sich Österreich zuletzt aus eigener Kraft für ein großes Turnier qualifiziert: Unter anderem mit den bundesligaerfahrenen Andreas Herzog, Heimo Pfeifenberger und Toni Polster im Team schaffte das deutsche Nachbarland den Sprung zur WM 1998 in Frankreich.

„Immer wenn wir gute Legionäre hatten, hatten wir gute Nationalmannschaften“, sagt Prohaska. Diesem Rezept folgt auch Marcel Koller. „Im Ausland muss man sich mehr durchbeißen und durchkämpfen, man braucht ein anderes Auftreten“, sagte der 55-Jährige einmal über seine Vorliebe für Legionäre. Anders als noch nach der verpassten WM-Qualifikation 2013, als Wechselgerüchte eine Anti-Koller-Stimmung in den Medien auslösten, ist der Schweizer momentan unantastbar: Er übernahm das Nationalteam im November 2011 auf Rang 70 der Weltrangliste, nach der EM-Qualifikation steht es auf Platz zehn.

Allerdings wachsen mit dem Erfolg auch die Ansprüche. Der „Standard“ rechnete Koller jüngst vor, dass nur fünf europäische Mannschaften in der Weltrangliste vor Österreich stünden - also müsse bei der Europameisterschaft das Viertelfinale drin sein. Koller ließ sich darauf nicht ein und gab sein eigenes Ziel aus: „Wir wollen die Gruppenphase überstehen.“

Dabei wird Koller vor allem auf die Spieler setzen, die auch die EM-Qualifikation geschafft haben. Für die Tests gegen Albanien und die Türkei nominierte er mit dem Schalker Alessandro Schöpf nur einen einzigen Neuling. „So muss er nicht ständig sein System erklären“, sagt Prohaska, der die Eingespieltheit als größten Trumpf der ÖFB-Auswahl sieht. Auch er erwartet, dass Österreich bei der EM das Achtelfinale packt. „Klar, es ist für die meisten das erste große Turnier, das ist enormer Druck“, sagt Prohaska. „Aber damit können die Spieler umgehen. Viele kämpfen ja gerade in der Bundesliga gegen den Abstieg, die sind das gewohnt. Ich mache mir keine Sorgen.“

dpa

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