Ein Mensch. Ein guter Trainer

Merkur-Kommentar zu Ancelotti: Leichter als Guardiola

Hanna Schmalenbach.

München - Bayern-Reporterin Hanna Schmalenbach schreibt in ihrem Kommentar über Carlo Ancelottis ersten Tag beim FC Bayern und wie gut der Italiener wohl nach München passen mag. Sie ist guter Dinge ...

Man hat sie alle bei der EM gesehen, nahezu jede Gattung an Trainertypen, die der Fußball der Neuzeit geformt hat. Alte, junge, smarte, extrovertierte, innovative, traditionsbewusste, freundliche, aufbrausende – diese Liste ist weiterzuführen und bestens auf den Vereinsfußball zu übertragen. Denn auch dort sind die Rollen unter den international gefragten Trainern schon lange verteilt: Es gibt Gentlemen wie Arsene Wenger, Kreative wie Jürgen Klopp, Schurken wie Jose Mourinho, Genies wie Pep Guardiola. Und es gibt Carlo Ancelotti. Einen Mann, der keine Rolle braucht, um Erfolg zu haben.

Der Start des Italieners in München hat zu all dem gepasst, was über ihn gesprochen und in zahlreichen Büchern geschrieben wurde. Der 57-Jährige ist ein feiner Kerl. Einer, den man mag. Einer, der den Eindruck erweckt, es mit seinem Gegenüber gut und ehrlich zu meinen. Er kennt die Branche, zieht von Klub zu Klub, sammelt überall Trophäen, hinterlässt aber nirgends verbrannte Erde – ein nachahmenswertes Erfolgsrezept. Den Bayern imponiert dieser Mann schon lange. Aber: Passt es auch zam?

Carlo Ancelotti.

Ancelotti ist nach Guardiola der zweite gefragte Welttrainer, den der FC Bayern verpflichten konnte. Vorbei ist die Zeit, in der man sich im Inland um einen Coach bemüht hat, die internationale Ausrichtung des Klubs spiegelt sich auch auf dieser Ebene wider. Das Anspruchsdenken jedoch wächst genauso schnell wie der weltweite Bekanntheitsgrad. Große Namen schreien nach großen Erfolgen. Und so wird es auch für Ancelotti das täglich Brot sein, sich mit dem Begriff „Triple“ auseinanderzusetzen.

Bilder: Ancelottis erstes Training bei den Bayern

Allerdings spricht vieles dafür, dass es für den gestandenen Trainer einfacher werden wird als für seinen Vorgänger Guardiola. Schon der Start am Tag nach dem EM-Finale war deutlich entspannter als jener des Spaniers vor drei Jahren. Es war viel los, klar; die Szene ist aber lange nicht so aufgeregt wie damals, als ein Mann kam, den einige zunächst für einen Übermenschen hielten.

Ancelotti muss niemandem etwas beweisen, der FC Bayern ist seine achte Station als Chefcoach, er weiß, wie man die Großen führt. Und er verkörpert neben einer klaren Philosophie und enormem Fußball-Sachverstand etwas, das in München ein entscheidender Vorteil sein wird: Nahbarkeit, Offenheit, sympathische Menschlichkeit. Charakterzüge, die Guardiola erst auf der Schlussgeraden seines Engagements hat durchleuchten lassen. Bis dahin war er zu sehr gefangen, zu sehr Genie. Ancelotti will daher gar keine Rolle spielen. Er ist, wie er ist. Ein Mensch. Ein guter Trainer. Einer, dem man den ganz großen Erfolg durchaus zutraut.

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