Transfer rückt näher

Merkur-Kommentar: Hummels bei Bayern nur einer unter Vielen

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Sieht man Mats Hummels bald öfters in der Allianz Arena?

München - Bei einem Wechsel von Mats Hummels zum FC Bayern müsste sich der Innenverteidiger auf eine neue Rolle beim Rekordmeister einstellen. Ein Kommentar von Marc Beyer.

Update vom 28. April 2016: Jetzt ist es offiziell: Wie Borussia Dortmund am Donnerstagnachmittag in einer Börsenmitteilung bestätigt, will Mats Hummels zum FC Bayern München wechseln.

Selbst in einer schnelllebigen Branche wie dem Profifußball ist es verblüffend, wie rasant das Thema des baldigen Vereinswechsels von Mats Hummels Fahrt aufgenommen und das Ziel fast schon erreicht hat. Gerade eine Woche ist vergangen, seit Hummels‘ Vater und Berater den Namen FC Bayern erstmals – da noch in einem abstrakten Zusammenhang – erwähnte.
Inzwischen fehlt nur noch die Vollzugsmeldung. Gemessen an der öffentlichen Anteilnahme könnte man meinen, den Bayern wäre der größte Coup der letzten Jahrzehnte gelungen. Dabei hat der Transfer, zumindest aus Münchner Sicht, eine innere Logik. Hummels hat Münchner Wurzeln, ist eine gestandene Persönlichkeit, ein weltweit anerkannter Verteidiger und als netter Nebeneffekt eine wertvolle Stütze von Borussia Dortmund, das den Bayern zuletzt wieder gefährlich nahe kam.

An diesem Punkt wird die Personalie heikel. Um die sportliche Schlagkraft der Westfalen muss man sich zwar wenig Sorgen machen. Der BVB hat oft genug bewiesen, dass er sein Team punktgenau zu stärken versteht. Selbst als vor zwei Jahren ein gewisser Robert Lewandowski ging, brach im Ruhrgebiet nicht das sportliche Elend aus. Die Tore schießt jetzt halt Aubameyang. Schwerer als der sportliche wiegt jedoch in diesem Fall der ideelle Aspekt.

Die Transfergerüchte rund um den FC Bayern

Die Transfergerüchte rund um den FC Bayern

Hummels bei Bayern nur einer unter Vielen

Marc Beyer.

Hummels ist nicht irgendwer. Es gibt in Europa wenige Top-Fußballer, die dermaßen ihren Verein definiert haben. Über viele Jahre ist er das Gesicht des Dortmunder Aufschwungs gewesen, ein intelligenter und differenziert auftretender Repräsentant des schwarz-gelben „Projekts“, wie er es nannte. In Dortmund hat für Fußball-Verhältnisse ungewöhnlich lange ein Modell funktioniert, das der Dominanz des Geldes (von dem man allerdings auch im Ruhrgebiet eine Menge verdienen kann) mit Werten wie Loyalität, Zusammenhalt und, ja, Freundschaft begegnete.

Dieses Modell war wettbewerbsfähig, weil alle Schlüsselspieler sich ihm total verschrieben. Dass sich mit Hummels nun der Kopf verabschiedet, konfrontiert das Dortmunder Biotop mit der Branchen-Normalität. Der BVB wird künftig ein anderer sein. Dass er deshalb dem FC Bayern nicht gefährlich bleiben kann, ist damit aber nicht gesagt. Hummels wiederum wird sich in München auf eine neue Rolle einstellen müssen. Er ist nicht mehr der herausragende Vertreter, der Posterboy seines Teams. Diese Funktion teilt er sich künftig mit einem halben Dutzend anderer. Am Anfang wird er bei den Bayern alle überragen, weil die Geschichte vom verlorenen Sohn (der er genau genommen nie war, weil er erst in Dortmund zum Klasseprofi reifte) zu verlockend ist. Dann wird er sich einreihen ins Heer der Stars. Das wird ganz schnell gehen, wie so oft im Fußball.

 Marc Beyer

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