Timo: Mit mir fährt keiner Schlitten

+
Für Timoschtschuk geht's bergab - zumindest mit dem Schlitten.

München - In Lissabon kickte er gemeinsam mit Stars aus der ganzen Welt für die Opfer auf Haiti. In München hat ihn die kühle Realität wieder eingeholt – Anatoli Timoschtschuk, 11,5-Millionen-Neuzugang aus St. Petersburg, drückt derzeit nur die Bank.

Doch der Ukrainer ist ein Kämpfer, wie er auf dem Rodelhang und im Interview erklärt.

Herzlichen Glückwunsch, Herr Timoschtschuk, Sie sind Weltauswahlspieler!

Anatoli Timoschtschuk: Ja, danke. Aber das war ich diese Woche nicht zum ersten Mal!

Stimmt. Sie sind seit Jahren international gefragt. Warum sitzen Sie bei Bayern nur auf der Bank?

Timoschtschuk: Dass ich nicht spiele, ist Sache des Trainers. Ich gebe hier alles. Jeder kann zum Training kommen und sich selbst davon überzeugen. Mehr kann ich nicht sagen.

Timoschtschuk im Schnee

"Tola" scheut die Kälte nicht: Timoschtschuk im Schnee

Aber es scheint Sie mächtig zu stören...

Timoschtschuk: Ich war es in meiner Karriere immer gewohnt, über 90 Minuten zu spielen. Daher ist das eine völlig neue Erfahrung für mich.

Die Sie sehr trifft?

Timoschtschuk: Es ist so: Der Fußball stellt mich zufrieden – voll und ganz. Leider kann ich im Moment nur im Training zeigen, was ich kann. Und das mache ich auch. Ein Profi wächst mit seinen Aufgaben, diese ist nun sehr groß. Ich werde diese Phase aber überstehen und dadurch stärker werden.

Ein Vereinswechsel, beispielsweise zum HSV, kommt für Sie also nicht infrage?

Timoschtschuk: Es gibt Anfragen, auch von anderen Vereinen. Aber daran denke ich jetzt nicht. Ich will hier meine Arbeit machen!

Der Vertrag von Mark van Bommel läuft aus. Wären Sie der perfekte Nachfolger, sollte Bayern nicht mit dem Kapitän verlängern?

Timoschtschuk: Was van Bommel oder Bayern machen, interessiert mich nicht. Man könnte mich nachts wecken und ich würde Fußball spielen. Das ist meine Einstellung. Alles andere ist kein Thema.

Und würden Sie – tagsüber – auch in der Innenverteidigung spielen? Christian Nerlinger sieht Sie dort als Alternative...

Timoschtschuk: Ich habe es ja auch im Test gegen Ingolstadt ausprobiert. Sowas ist immer interessant. Aber meine Position (im defensiven Mittelfeld, Anm. der Red.) kenne ich einfach, das spiele ich am liebsten. Letztlich entscheidet der Trainer.

Glauben Sie, unter einem Trainer Jürgen Klinsmann, der Sie schließlich verpflichten wollte, wären Sie Führungsspieler bei Bayern?

Timoschtschuk: Es war ja nicht nur Jürgen Klinsmann, auch Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß haben meine Fähigkeiten gesehen. Alle wollten mich. Aber es geht immer um die Leistungen eines Spielers im Training – und danach entscheidet der Coach…

Wie ist Ihr Verhältnis zu Louis van Gaal?

Timoschtschuk: Außer den Anweisungen im Training und im Spiel gibt es keinen Kontakt. Wir hatten auf dem Weg nach Lissabon die Gelegenheit, miteinander zu sprechen. Grundsätzlich laufen diese Gespräche aber immer auf professioneller Arbeitsebene ab.

Was wird der FC Bayern in diesem Jahr mit professioneller Arbeit erreichen können?

Timoschtschuk: Alles! Es muss alles gewonnen werden!

Also drei Titel?

Timoschtschuk: Ja, so werden wir eingestellt.

Das wäre dann Ihr Trostpreis für die verpasste WM-Teilnahme mit der Ukraine?

Timoschtschuk: Das stimmt. Das wäre wohl ein kleines Trostpflaster (lacht).

Interview: Michael Knippenkötter

auch interessant

Meistgelesen

Sechs Bayern-Watschn für Werder zum Liga-Auftakt
Sechs Bayern-Watschn für Werder zum Liga-Auftakt
Scholl: Ancelotti hat Bayern schon ent-Pept
Scholl: Ancelotti hat Bayern schon ent-Pept
Reif über Hoeneß-Rückkehr: "Er weiß, was er will"
Reif über Hoeneß-Rückkehr: "Er weiß, was er will"
Ancelotti: "Diese Gruppe wird nicht einfach"
Ancelotti: "Diese Gruppe wird nicht einfach"

Kommentare