Neue Marke statt Job bei Bayern

Kommentar: Diese PR-Aktion spricht gegen Oliver Kahn

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Sie erreichen den Autor Marc Beyer unter marc.beyer@merkur.de

München - Zunächst deutete Oliver Kahn eine Rückkehr zum FC Bayern an. Dann war alles nur ein PR-Gag. Den Unmut der User hat er sich redlich verdient. 

Bis heute gibt es unterschiedliche Meinungen darüber, wie das damals, vor sieben Jahren, ablief in Rheda-Wiedenbrück. Mal heißt es, Schalke 04 habe Oliver Kahn in aller Öffentlichkeit als Manager umworben, um sich mit dessen Namen zu schmücken und gleichzeitig ganz diskret andere Kandidaten zu sondieren. Dann ist wieder der Torwart der Schuldige, der mit großem Getöse in der westfälischen Provinz aufschlug, um sich zu bewerben oder auch einfach nur zu inszenieren. So oder so: Gelungen war die Aktion von beiden Seiten nicht.

Zuletzt hat es erneut Spekulationen um Kahn und den großen Fußball gegeben, und wieder bleibt ein schaler Nachgeschmack. In einem Internetvideo sprach der Titan von einer „neuen, großen Aufgabe“ und kündigte eine „Rückkehr zu den Wurzeln“ an. Es war ein bizarrer Auftritt, Kahn grimassierte und fuchtelte mit erhobenem Zeigefinger herum, als wolle er einen Motivationstrainer karikieren. Aber weil im Hintergrund unübersehbar das Logo des FC Bayern prangte, folgerten viele User, die neue, große Aufgabe warte an der Säbener Straße. Und um diesen Effekt ging es Kahn natürlich.

Nun hat sich herausgestellt, dass er einfach nur Werbung für eine neue Geschäftsidee machen wollte. Die Reaktionen sind entsprechend harsch. Eine PR-Aktion aber, die dermaßen plump gerät und Erwartungen weckt, die zwangsläufig enttäuscht werden, spricht gegen ihren Urheber.

Kahn ist nicht der einzige bekannte Vertreter seiner Fußballgeneration, dem man nach der Karriere Größeres zugetraut hätte. Viele haben nette Jobs in der Medienwelt gefunden, nicht zu hart und gleichzeitig gut dotiert, doch ins Bundesliga-Tagesgeschäft hat es weder ein Matthäus noch ein Effenberg oder Lehmann geschafft. Narzissten wie ihnen fällt es offenkundig schwer, sich einzuordnen in einer Branche, in der Ich-Bezogenheit eine Tugend von gestern ist.

Einer wie Philipp Lahm, sozusagen Kahns Erbe bei den Bayern, ist da wesentlich weiter. Seit Jahren leitet er seinen Übertritt ins Management ein und agiert dabei ebenso planvoll wie dezent. Das Vorgehen ist völlig anders als bei Kahn. Das Ergebnis wird es auch sein.

Das heißt nicht, dass Kahn nicht doch Markenbotschafter der Bayern wird, wie zuletzt ebenfalls geraunt wurde. Für den Verein, der so sehr die Internationalisierung forciert und besonders die asiatischen Märkte im Auge hat, wäre das eine logische Wahl. In Asien genießt Kahn seit der WM 2002 einen Ruf wie Donnerhall. Er hat ihn sich verdient. Auf dem Platz, wo er immer eine Autorität war.

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