Satiriker hat ein Herz für Uli Hoeneß

Kalkofe: "Nur ein kleiner Staatsbeschiss"

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Kalkhofe ist mit seiner Kultshow „Rekalked – Kalkofes Mattscheibe“ freitags ab 20 Uhr bei Tele 5 zu sehen, zudem gibt es seine TV-Kritiken ab 24. Mai auf DVD

München - Eine Woche nach Bekanntwerden der Steuerprobleme von Uli Hoeneß meldet sich Satire-König Oliver Kalkofe bei Youtube zu Wort und springt dem Bayern-Präsidenten als "Fressesprecher" zur Seite.

Jetzt redet er! Eine Woche nach Bekanntwerden der Steuerprobleme von Uli Hoeneß meldet sich Satire-König Oliver Kalkofe bei Youtube zu Wort und springt dem Bayern-Präsidenten als „Fressesprecher“ zur Seite. Im Beitrag „Ein Herz für Uli“ verteidigt Kalkofe den angeblichen Steuersünder. Wie genau und warum überhaupt, das hat die tz noch mal mit ihm besprochen. Ein Interview, in dem die Wurst drin ist.

Herr Kalkofe, wo waren Sie eigentlich die ganze letzte Woche? Als offizieller Fressesprecher von Uli Hoeneß kommen Sie ja recht spät daher!

Kalkofe: Die Ereignisse haben sich ja mehr oder weniger überschlagen. Wenn man eine große Angelegenheit professionell schönreden möchte, braucht man Zeit dafür und wartet am besten erst mal, bis sich die Wogen schon von selbst geglättet haben. Wenn heutzutage ein Thema mindestens eine Woche lang aktuell ist, sagen die ersten Leute ja schon: Ach komm, jetzt muss doch mal gut sein. Dann kann man noch mal richtig schön die Wurst dazwischen hauen.

Eine Verständnisfrage haben wir aber: Uli Hoeneß ist klar das Opfer aus Ihrer Sicht?

Kalkofe: Auf jeden Fall! Wir haben Mitleid. Er ist doch überall schon in der Opferrolle, da sieht man ja, welche Macht Medien und Internet haben.

Bushido: "Kopf hoch, Herr Hoeneß" - Reaktionen auf Hoeneß' Selbstanzeige

Bushido: "Kopf hoch, Herr Hoeneß" - Reaktionen auf Hoeneß' Selbstanzeige

Das erklären Sie ja mehr als deutlich: Wir Schmuddelmedien sind Schuld an allem.

Kalkofe: Ja! Das ist ja auch gemein, dass die immer überall drin herumwühlen, wo sie gar nichts zu suchen haben. Es gibt doch so viel Schönes, über das man berichten kann! Dass man sich jetzt wie die Geier auf so einen kleinen Kavaliersdelikt stürzt, ist nicht ganz fair.

Was meinen Sie? Dass wir weiterfragen?

Kalkofe: Exakt, dieses ganze Recherchieren. Man kann doch einfach mal warten, bis alles vorbei ist. Später kann man dann ja mal kurz berichten, wie es ausgegangen ist. So in einem Jahr.

Interessant ist auch, dass Sie sagen: Wer von uns noch nie ein paar Millionen von einem großen Konzern als Spielgeld für dubiose Börsenspekulationen genommen hat, der werfe die erste Wurst. Ich würde gern wissen, wie machen Sie das mit Ihren Millionen?

Kalkofe: Das ist ja der Punkt, auf den ich hinweise: Wir würden das doch im Grunde alle genauso machen, aber es ist unser Fehler, dass wir zu arm, zu faul sind, solche Strapazen wie eine Reise in die Schweiz auf uns zu nehmen. Das liegt an uns, da können wir doch nicht jemandem, der das gut gemacht hat, einen Vorwurf machen! Das ist ein normaler Vorgang, Herr Wulff hat es doch in etwa vorgemacht! Ich hatte gehofft, wir alle hätten aus der Affäre Wulff etwas gelernt.

Ein guter Punkt, das Ganze hat ja längst politische Dimensionen angenommen. Wann sehen wir Sie denn in einer Talkshow wie bei Anne Wurst oder Reinhold Brätmann?

Kalkofe: Das frage ich mich auch, die Anfragen werden jetzt sicherlich kommen. Hängt aber auch immer davon ab, wie lange das Thema noch gebraten wird. Also wie oft man die Wurst noch wenden kann, bis sie platzt. Da Herr Jauch es aber schon zweimal hintereinander gemacht hat, wird es wohl noch ein bisschen gehen. Und es sind ja längst nicht alle Fragen beantwortet, da gibt es bestimmt noch andere Tiere in der Wurst, so zu sagen.

Das Verfahren kann Monate dauern: Schafft es Jauch, bis dahin jede Woche eine Sendung zum Thema zu machen?

Kalkofe: Ich denke ja. Und man kann ja irgendwann auch die ersten Folgen wiederholen, es dreht sich ja sowieso im Kreis. Die Leute merken das nicht.

Glauben Sie denn, am Ende kann Hoeneß sein Würstchen noch aus der Schlinge ziehen?

Kalkofe: Das Gute an Wurst ist, dass sie so stromlinienförmig ist und einen leichten Schmierfilm hat. Damit dürfte es möglich sein. Und zur Not gibt es mit Senf und Ketchup ja Schmiermittel, in diesem Fall sind sie aber blau und weiß und nicht gelb und rot.

Darf er denn weiter als Bayern-Präsident „herumwursteln“?

Kalkofe: Er muss! In solchen Vereinen hängt doch immer das eine mit dem anderen zusammen. Da würde ja der ganze Wurstpalast zusammenfallen, wenn man die eine Weißwurst unten rauszieht. Und was wäre Bayern ohne Uli, was würde man tun? Na gut, man könnte Jürgen Klopp holen. Ist ja sowieso bald halb Dortmund in Bayern.

Was werden Sie nun tun?

Kalkofe: Ich werde die Aktion "Ein Herz für Hoeneß" weiter betreiben und dadurch, dass ich viel darüber spreche, das Thema in Vergessenheit geraten lassen. Ich sage: Schwamm drüber! Es geht doch auch nicht um ein Verbrechen, nur um einen charmanten kleinen Staatsbeschiss!

Eine letzte Frage: Besitzen Sie eine Rolex?

Kalkofe: Nein, leider nicht. Aber es wäre mal ein schönes Mitbringsel, ich warte da schon seit langer Zeit drauf. Aber ich weiß natürlich, was Sie meinen – ich sollte auch Fressesprecher von Herrn Rummenigge werden! Aber ob ich das noch schaffe? Es gibt einfach zu viele Menschen, die mit den Gesetzen etwas salopper und kreativer umgehen und meine Hilfe brauchen…

Interview: mic

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