Ex-Trainer wünscht sich Hoeneß-Rückkehr

Hitzfeld warnt vor Juve: "Bayern bei Kontern anfällig"

Ottmar Hitzfeld Uli Hoeneß FC Bayern
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Ex-Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld.

München - Der ehemalige Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld sieht Uli Hoeneß wieder in einer hohen Position beim FC Bayern und traut Pep Guardiola das Triple zu. Er warnt allerdings vor Achtelfinal-Gegner Juventus Turin.

Ottmar Hitzfeld, ehemaliger Meister-Trainer des FC Bayern München und Borussia Dortmund, hat im exklusiven SID-Interview am Rande eines PR-Termins über Uli Hoeneß' Zukunft beim Rekordmeister, Dortmunds Erfolg unter Trainer Thomas Tuchel, seinen Ex-Kapitän Stefan Effenberg und Franz Beckenbauers Rolle im WM-Skandal gesprochen.

„Herr Hitzfeld, ihr ehemaliger Chef Uli Hoeneß wurde am 29. Februar aus der Haft entlassen. Wie haben Sie diesen Tag erlebt?“

Ottmar Hitzfeld: „Ich habe mich natürlich riesig gefreut. Ich weiß, wie Uli dem Tag entgegengefiebert hat und ich habe auch schon mit ihm telefoniert und ihn zu seiner neu gewonnenen Freiheit beglückwünscht.“

„Wird Hoeneß wieder eine Funktion bei Bayern München übernehmen?“

Hitzfeld: „Er selbst hat diese Entscheidung noch nicht gefällt. Er will erst einmal Abstand zur Vergangenheit gewinnen und jetzt ein neues Leben beginnen mit seiner Familie. Dann wird er mit ihr auch diskutieren, wie es weitergeht und ob sie sich wieder dem Druck aussetzen wollen.“

„Würden Sie eine Rückkehr befürworten?“

Hitzfeld: „Ich wünsche mir, dass Uli wieder auf eine Position im Verein zurückkehrt. Er ist der Macher, der Kopf des FC Bayern - und Bayern hat ihm unglaublich viel zu verdanken. Er ist ein Mensch, der die Strippen in der Hand hält, und von daher würde er auch wieder hundertprozentig zu Bayern München passen.“

„Für den FC Bayern steht am 16. März das Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen Juventus Turin an. Wie sehen sie die Chance nach dem 2:2 in Turin?“

Hitzfeld: „Nachdem man bei Juventus 2:0 geführt hat, ist 2:2 kein optimales Resultat. Denn man hat Juve wieder aufgebaut, sie glauben jetzt plötzlich wieder an ihre Chance. Bayern ist bei Kontern anfällig und darauf wird Juventus hundertprozentig lauern.“

„Kann Bayern die Champions League gewinnen?“

Hitzfeld: „Es wäre wünschenswert, dass Bayern das Finale erreicht. Aber wenn man in der Zwischenzeit gegen Real oder Barcelona spielt, ist das eine immense Belastung für Pep Guardiola. Die Spanier liegen den Bayern nicht so. Aber wenn man das Finale in Mailand erreicht, wo man fünfzehn Jahre zuvor die Champions League gewonnen hat, wäre das ein gutes Omen und Pep könnte mit dem Triple noch einen glorreichen Abgang bei Bayern München bekommen.“

"Wird Guardiola auch bei seinem neuen Verein Manchester City erfolgreich sein?“

Hitzfeld: „Ich bin gespannt, ob Pep Guardiola seine Philosphie den Spielern beibringen kann. Pep hat Bayern weiterentwickelt und ihnen eine Stufe mehr Attraktivität gegeben. Das wird er - davon bin ich überzeugt - auch bei Manchester City schaffen, denn er ist ein akribischer Arbeiter, ein Taktik-Freak, der Tag und Nacht nur über den Fußball nachdenkt.“

„Neben den Bayern haben Sie auch sechs Jahre lang Borussia Dortmund trainiert. Wie schlägt sich Thomas Tuchel als neuer BVB-Trainer?“

Hitzfeld: „Thomas Tuchel ist ein Glücksgriff für den BVB, denn er hat die Mannschaft wieder vorangebracht. Er hat der Mannschaft ein neues Gesicht gegeben: Dortmund spielt nicht nur Hochgeschwindigkeits-Fußball, sondern ist etwas variabler geworden. Es ist Tuchels Verdienst, dass Dortmund diese außergewöhnliche Saison spielt.“

„Wird Dortmund in dieser Form auch in der Europa League weit kommen?“

Hitzfeld: „Ich zähle Dortmund schon mit zu den Favoriten der Europa League. Jetzt hat man ein schweres Los mit Tottenham, aber wenn man ins Finale will, muss man starke Gegner ausschalten.“

„Tuchels Vorgänger Jürgen Klopp versucht sein Glück nun in England, beim FC Liverpool. Was halten Sie von seiner bisherigen Arbeit dort?“

Hitzfeld: „Jürgen Klopp ist ein positiver Typ, der Spieler motivieren kann und einen attraktiven Fußball spielen lässt. Das will er auch bei Liverpool vermitteln. Aber die Qualität der Mannschaft ist noch nicht überragend. Für die neue Saison kann er dann die richtigen Spieler holen, die ihm dann auch mehr Erfolg garantieren.“

„Ihr ehemaliger Spieler Stefan Effenberg ist dagegen beim Zweitligisten SC Paderborn als Trainer gescheitert. Wie bewerten Sie das?“

Hitzfeld: „Ich habe das sehr bedauert, dass Stefan Effenberg entlassen worden ist, denn ich war ja auch ein Fürsprecher von ihm. Er wäre, obwohl er die letzten zwölf Spiele nicht gewonnen hat, der ideale Mann gewesen, um Paderborn zu retten.“

„Ist damit die Trainerkarriere von Effenberg nach der ersten Station schon beendet?“

Hitzfeld: „Natürlich ist es eine unerfreuliche Situation, dass gerade der erste Job nicht hingehauen hat. Aber er braucht jetzt nur Geduld, bis er einen neuen Verein bekommt. Und natürlich etwas mehr Glück, vielleicht auch etwas mehr Qualität in der Mannschaft, um erfolgreich zu sein.“

„Seit Monaten wird in den Medien spekuliert, ob die WM 2006 in Deutschland gekauft war. Franz Beckenbauer beteuert weiterhin seine Unschuld. Glauben Sie ihm?“

Hitzfeld: „Franz Beckenbauer hat einen Teil seines Lebens geopfert, um die WM nach Deutschland zu bringen. Generell muss man aber vermuten, dass man fast keinen großen Anlass wie eine WM mehr bekommt, ohne dass man wirtschaftliche Zuschüsse zahlt. Aber es wäre natürlich besser gewesen, wenn man gleich alles offen gelegt hätte.“

„Was wäre dann anders gewesen?“

Hitzfeld: „Man hätte vielleicht mal zwei, drei Tage einen Wirbel gehabt, aber dann wäre das Thema erledigt gewesen. Denn die ganze deutsche Bevölkerung war stolz darauf, dass wir das Sommermärchen bekommen haben.“

SID

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