FCB-Markenbotschafter im tz-Interview

Breitner über Pep, Ancelotti und die FCB-Kaderplanung

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Ist begeistert von der Arbeit der Bayern-Bosse: Markenbotschafter Paul Breitner freut sich über die Arbeit der Kollegen.

New York - Paul Breitner genießt die Entwicklung des FC Bayern hin zu einer Weltmarke. Der Markenbotschafter spricht im Interview auch über Carlo Ancelotti und dessen Vorgänger.

Seine Liebe zu den USA hat Paul Breitner früh entdeckt. Der Markenbotschafter des FC Bayern hat Familie in Atlanta, Georgia und ist seit dem Beginn der 70er-Jahre immer regelmäßig in den Vereinigten Staaten. Im tz-Interview schwärmt Breitner unter anderem von den Spielansetzungen in der spanischen Liga und den "Raketen-Zündern" Louis van Gaal, Jupp Heynckes und Pep Guardiola. Von Carlo Ancelotti erwartet er sich - typisch italienisch - Stabilität in der Defensive.

Herr Breitner, Chicago, Charlotte und New York sind voll mit Bayern-Trikots. Stolz?

Paul Breitner: Eine sehr schöne Sache ist das. Bereits vor zwei Jahren, als wir hier waren, konnten wir absehen, wohin das Ganze führen kann. Der FC Bayern entwickelt sich grandios, das merkt man allein schon am Interesse der Menschen hier.

Die Arbeit der vergangenen Jahre trägt Früchte.

Breitner: Tolle Arbeit war das. Als Markenbotschafter konnte ich an vorderster Front miterleben, wie positiv sich der FC Bayern in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Vor drei Jahren war ich bei den Laureus Awards in Kuala Lumpur, um den Award für die beste Mannschaft weltweit entgegenzunehmen. Zum einen für die Erfolge, zum anderen für die Arbeit der Verantwortlichen an diesem Aufstieg. Egal auf welchem Erdteil ich bin, es ist ein Genuss zu sehen, wie diese Arbeit Früchte trägt.

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Vor 30 Jahren erschien einem diese Vorstellung noch etwas surreal.

Breitner: Surreal nicht. Der Knackpunkt war die Einführung des Privatfernsehens 1984, ein Moment, auf den damals nur der FC Bayern vorbereitet war. Warum? Weil Uli Hoeneß sich mit diesem Thema in den Staaten befasst hat. Auch deshalb konnte er zur rechten Zeit die Schublade aufmachen und sagen: Do samma! Ein Momentum, bei dem der FC Bayern wieder gut aufgestellt war. Und soll ich Ihnen etwas sagen?

Bitte!

Breitner: Wir sind weltweit nachgefragt, weil wir jeden Tag Milliarden von Menschen unterhalten. Daher war es uns möglich, auf diesen Zug zu steigen, als er losfuhr. Und der ist gerast! Das sind die Gründe für unsere starke Position in den Bereichen Marketing und Internationalisierung.

Ist sogar die Premier League für den FC Bayern irgendwann in Reichweite?

Die Youngsters aus der U19 des FC Bayern.

Breitner: Vielleicht in zehn Jahren. Obwohl die DFL mit dem neuenTV-Vertrag mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr einnehmen wird, ist der Abstand zur Premier League immer noch sehr groß. Wir befinden uns derzeit in einer Art Einkaufsstraße, in der zehn Möbelhäuser stehen. Und umso mehr Leute dieselbe Ware verkaufen, umso interessanter wird sie und umso mehr Umsatz macht der, der Qualität verkauft. Nehmen Sie die arabische Halbinsel. Dort werden alle Spiele der Premier League übertragen, fünf der französischen Liga, drei der holländischen und ein, zwei von uns. Parallel laufen aber auch immer die der spanischen Liga, weil die es geschafft haben, jedes Spiel zu einer unterschiedlichen Zeit anzusetzen. Gigantisch.

Sehen viele in Deutschland anders.

Breitner: In Deutschland gibt es immer einen Aufschrei. Doch irgendwann fangen die Menschen an zu denken. Will der Fan, dass wir auch weiterhin Top-Leute bezahlen können, werden wir beweglich sein müssen. Die nächsten fünf Jahre wird nichts passieren, denn die Engländer können so viel Geld machen, wie sie wollen. Die Spieler, die sie eigentlich bräuchten, um wieder dominant zu werden, kriegen sie nicht mehr so leicht. Die Superstars gehen nicht zwingend nach England, selbst wenn sie dort vielleicht ein paar Millionen mehr verdienen können. Und das wird die nächsten Jahre so bleiben, trotz der vielen Milliarden. Dann kaufen sie bei uns in der zweiten Liga eben Spieler für 30 Millionen ein, die sie aber nicht weiterbringen.

Pep Guardiola hat es dennoch nach England getrieben. Wie beurteilen Sie seine Zeit in München?

Breitner: Pep hat uns den bislang schönsten, besten, attraktivsten Fußball gebracht, den es je gab. Ich bewerte ihn in keinster Weise nach der Champions League, sondern nach dem, was er hinterlassen hat. Und das ist großartig.

Und zwar?

Breitner: Er hat die dritte Stufe der Rakete gezündet. Louis van Gaal hat sie gezündet, indem er uns die Idee des Ballbesitz- und Positionsfußballs gebracht hat. Jupp Heynckes hat die zweite Stufe gezündet, indem er Bewegung in diese neue Spielweise brachte. Es war nicht mehr vorhersehbar, was passieren würde. Und in diese Bewegung hat Pep außerdem noch die Rotation und die Höchstgeschwindigkeit, die Jupp ansatzweise forciert hatte, perfektioniert. Er hat die Basis von seinen beiden Vorgängern perfektioniert.

Und warum zündet Carlo Ancelotti nun die vierte Stufe?

Xabi Alonso (l.) und Holger Badstuber.

Breitner: Er wird an der einen oder anderen Schraube drehen. Ich denke, dass diese Schraube die Abwehr sein wird. Der Italiener wird ja in der Regel geboren, um 0:0 zu spielen. Carlo trägt diese Erziehung in sich, ein Punkt, der jetzt sehr wichtig ist. Wir haben stets hoch und aggressiv verteidigt, über 90 Minuten, und genau das wird Carlo jetzt anpassen, damit wir nicht weiterhin in Konter laufen und ein Manuel Neuer in ungemütliche Situationen gerät. Das ist der Ansatz, den ich bei Carlo sehe. Pressing? Gut! Aber mit Absicherung.

Stimmen Sie Ancelotti zu, dass es keine weiteren Verpflichtungen mehr braucht?

Breitner: Wen sollen wir denn noch brauchen? Natürlich hätte ich gerne Messi oder Ronaldo. (lacht) Spaß beiseite: Den Verantwortlichen ist es erneut gelungen, zwei sehr gute Transfers ohne großes Tamtam einzutüten. Wie bereits vergangenes Jahr ist das ein Beispiel dafür, wie Transferpolitik für den besten Kader der Welt funktioniert. Den haben wir nämlich. Und den müssen wir haben, weil nicht die vermeintlich besten Elf eine Saison entscheiden, sondern die Nummer 15 bis 24. Wenn dort kein Qualitätsverlust herrscht, liegst du weit vorne, wenn du an bestimmten Abenden Normalform erreichst.

Zuletzt waren das verstärkt die spanischen Mannschaften. Warum?

Breitner: Mit Barcelona haben die Spanier den Erfolgsfußball der jüngsten Vergangenheit, des Hier und Jetzt und der Zukunft geschaffen. Und während wir diesen neuen Fußball mit Abstand betrachteten, waren sie in Spanien direkt dran. Und konnten davon lernen. Und ihre Kinder und Jugendlichen nach eben diesem Modell ausbilden. Wir hingegen haben unsere Kinder bis 2004 zu Fußballarbeitern gemacht. Wie oft habe ich erlebt, dass Sechsjährige zwei Tage nach einem Spiel Waldläufe absolvieren mussten. Die Symbiose zwischen Technik und Kraft ist damals deutlich zu Ungunsten der Technik ausgefallen. Bis 2004 unter Klinsmann und Löw der Cut kam. Sie haben das erkannt und die Jugendausbildung beim DFB verändert. Mit einem neuen Fußball als Konsequenz, der wieder Spiel heißt. Und nicht Arbeit.

Dieses Spiel braucht nach dem Rücktritt Bastian Schweinsteigers einen neuen Spielführer.

Breitner: Ich habe Philipp Lahm damals nach seinem Rücktritt gratuliert. Ich will mir nichts anmaßen, bei Bastian wäre es aber in meinen Augen auch eine Überlegung wert gewesen, nach dieser WM aufzuhören. Ganz einfach um mit dieser Theatralik, mit seinem Cut unter dem Auge und in der Erinnerung von Milliarden von Menschen, von der großen internationalen Bühne abzutreten. Aber gut.

Interview: José Carlos Menzel López

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