Neues Buch über Erfolgstrainer erscheint

Guardiola verrät: So lief das mit „Mull“, Kimmich und Tuchel

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Führte den FC Bayern in drei Jahren zu sieben Titeln: Pep Guardiola trainierte den Rekordmeister von 2013 bis 2016.

München - Pep Guardiola hat beim FC Bayern drei überaus erfolgreiche Jahre erlebt. In einem neuen Buch lässt der Katalane diese Zeit gemeinsam mit seinem Biograf Revue passieren.

In der Premier League musste Pep Guardiola am Wochenende nach dem 1:1 mit Manchester City gegen Aufsteiger FC Middlesbrough erstmals seit dem ersten Spieltag die Tabellenführung abgeben. Ausgerechnet an den von Jürgen Klopp trainierten FC Liverpool - beide kennen sich aus gemeinsamen Bundesliga-Zeiten. Immerhin hatte Klopp dem damaligen Bayern-Trainer Guardiola als Dortmunder Coach zwei Pleiten im Supercup sowie das Aus im Halbfinale des DFB-Pokals 2014/2015 beschert.

Die Münchner Jahre lassen den Katalanen also einfach nicht los. Auch deshalb bringt der Guardiola-Biograf Marti Perarnau an diesem Mittwoch „Pep Guardiola - das Deutschland-Tagebuch“ heraus. In dem 416-Seiten-Wälzer geht‘s unter anderem um den Streit mit Bayerns Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, die Entdeckung von Joshua Kimmich und ein Abendessen mit Thomas Tuchel - das offenbart die Bild in einem Vorabdruck.

Ärger schon im ersten Pflichtspiel

Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt.

Die Beziehung zwischen Trainer und Doc an der Säbener Straße stand demnach von Beginn an unter keinem guten Stern. Denn vor Guardiolas erstem Pflichtspiel - dem Supercup 2013 bei Borussia Dortmund - untersagte „Mull“ den Einsatz der Führungsspieler Manuel Neuer und Franck Ribéry: Beide seien nicht spielfähig. Die 2:4-Pleite beim BVB ließ Guardiola ohnehin schäumen. Noch dazu kam, dass Neuer und Ribéry nur 36 Stunden nach der Partie problemlos mit dem Team trainieren konnten. Der Katalane verstand die Welt nicht mehr.

Bereits nach seiner ersten FCB-Saison soll Guardiola beim Vorstand vorstellig geworden sein, um die ständige Anwesenheit eines Arztes auf dem Trainingsgelände zu erbitten. So kannte er es vom FC Barcelona. Doch erst ein halbes Jahr später stellte Müller-Wohlfahrt seinen Sohn Kilian für diese Rolle ab. In den folgenden Monaten schwappte eine wahre Verletzungswelle über den Klub hinweg. Zu allem Überfluss verzögerte sich die Rückkehr vieler Stars immens. So fiel Ribéry wegen Sprunggelenksproblemen acht Monate aus, obwohl von den Ärzten anfänglich eine Zwangspause von nur wenigen Tagen prognostiziert worden war.

Rummenigges Kabinen-Wutrede

Nach dem 1:3 im Hinspiel des Champions-League-Viertelfinals beim FC Porto platzte Karl-Heinz Rummenigge in der Kabine der Kragen. Der Wutausbruch des Vorstandsbosses gegenüber den Ärzten und Physios soll zwar nur zehn Sekunden gedauert haben, dürfte das Fass aber letztendlich zum Überlaufen gebracht haben. Und das, obwohl Guardiola anschließend zur Ruhe gemahnt habe.

Denn am Tag darauf ließ „Mull“ via Bild seinen Rücktritt als Mannschaftsarzt nach fast 40 Jahren verkünden. Laut Journalist Perarnau war Guardiola der am meisten Geschädigte von dieser Entwicklung: Denn plötzlich habe der Trainer in der entscheidenden Saisonphase ohne Ärzteabteilung dagestanden und teilweise nur zwölf Feldspieler zur Verfügung gehabt.

Kimmich-Beobachtung bei 1860-Spiel

Guardiola und Joshua Kimmich (r.)

Deutlich besser als mit Müller-Wohlfahrt verstand und versteht sich Guardiola mit Joshua Kimmich. Den 21-Jährigen betitelte er vergangene Saison sogar als „meinen Sohn“. Dabei war es keinesfalls Liebe auf den ersten Blick. Denn erstmals beobachtete der damalige Bayern-Trainer das Talent gemeinsam Kaderplaner Michael Reschke sowie seinem Freund und Berater Manel Estiarte im August 2014 beim Gastspiel von RB Leipzig bei 1860 München.

Die Sachsen gewannen das unansehnliche Duell zwar locker mit 3:0, doch der frischgekürte U19-Europameister blieb mit nur 33 Ballkontakten blass. Guardiola ließ sich dennoch rasch vom Mittelfeldmotor verzaubern. Dessen Übersicht, gepaart mit dem Rhythmusgefühl, der Ballbehandlung sowie einer nicht trainierbaren Antizipation begeisterte den Star-Trainer. Guardiola wollte Kimmich unbedingt in seinem Team haben - und durfte das Juwel in der vergangenen Saison endlich weiter formen.

Guardiola adelt Tuchels Positionsspiel

Guardiola und Thomas Tuchel (r.).

Während dieser Spielzeit 2015/2016 kam es auch zum bereits häufig diskutierten Abendessen mit dem auf Klopp gefolgten BVB-Coach Thomas Tuchel. Nach dem 5:1 des FC Bayern über Dortmund am 4. Oktober 2015 fragte Tuchel an und zwei Tage später diskutierten die beiden Erfolgs-Trainer leidenschaftlich über Taktiken und die Gedanken hinter den Trainerentscheidungen. Unter anderem sollen Salz- und Pfefferstreuer zur besseren Veranschaulichung ihrer Ideen über den Tisch hin- und hergeschoben worden sein. „Wenn Deutschland sich in Richtung Positionsspiel bewegt, dann vor allem dank Thomas Tuchel“, fasste Guardiola anschließend zusammen.

Seine persönliche Spielvorbereitung umfasst drei Ansprachen - eine am Tag vorher, zwei am Tag der Partie. Lediglich die letzte Rede im Hotel zwei Stunden vor dem Anpfiff versieht er manchmal mit einem emotionalen Touch. Zugang zur Kabine haben bei ihm weder Freunde oder Angehörige der Spieler noch Funktionäre - mit Ausnahme des Präsidiums. Zwar gibt es laut seinem Biografen unter Guardiola nur recht wenige Verhaltensregeln, doch wird deren Missachtung hart bestraft.

So ist dem Trainer auch sehr wichtig, dass die Kabine möglichst sauber hinterlassen wird, denn: „Wir dürfen uns nicht zu groß fühlen, uns für die kleinen Dinge zu schade sein.“ In seiner letzten Saison beim FC Bayern hat Guardiola übrigens auch zu einem psychologischen Trick gegriffen. Wohlwissend dass die vierte Meisterschaft nacheinander einen Ligarekord bedeuten würde, ließ er alle Wände auf dem Trainingsgelände während der Vorbereitung mit einer großen roten 4 verzieren. Mit Erfolg.

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mg

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