Links, Rechts, Mitte

Philipp Lahm: Auf welcher Position liegt seine Zukunft?

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Philipp Lahm ist ballsicher und flexibel einsetzbar.

München - Philipp Lahm verkörperte erst als Links- und dann als Rechtsverteidiger Weltklasse. Unter Trainer Pep Guardiola bildet Lahm die Schaltzentrale im Bayern-Mittelfeld. Aber auf welcher Position liegt seine Zukunft?

Philipp Lahm ist die Vielseitigkeit in Person. Als Außenverteidiger links wie rechts und im Mittelfeld ist der 31-Jährige beheimatet.

Als damals 19-Jähriger gelang Lahm unter Trainer Felix Magath beim VfB Stuttgart nicht nur der Durchbruch in der Bundesliga, sondern er reifte als Linksverteidiger auch zur Stammkraft in der Nationalmannschaft. Die Position behielt der Münchner auch beim FC Bayern unter den Fußballlehrern von Felix Magath über Ottmar Hitzfeld und Jürgen Klinsmann bis Jupp Heynckes. Erst als Louis van Gaal zur Spielzeit 2009/10 als Trainer bei den Bayern aufschlug, wechselte Lahm auf die rechte Seite der Viererabwehrkette. Mit der erneuten Rückkehr von Jupp Heynckes auf den Trainerstuhl des FC Bayern im Juli 2011 fand sich der Bayern-Kapitän auf der Position des Linksverteidigers wieder, wo er den Großteil der Spielzeit absolvierte. Seine bevorzugte rechte Abwehrseite durfte Lahm erst wieder ab dem letzten Saisonviertel bekleiden. An der Triple-Saison 2013 hatte die unumstrittene Stammkraft rechts hinten mit elf Torvorlagen in der Bundesliga und fünf Assists in der Champions League enormen Anteil.

Rochade unter Guardiola und Löw

Pep Guardiola installierte ab 2013 nicht nur ein offensiveres Spielsystem bei den Münchnern, sondern erwartete auch eine gehörige Portion taktische Flexibilität. Bereits kurz nach seinem Amtsantritt erkannte der Neu-Trainer die Fähigkeiten seines ballsicheren Kapitäns: "Philipp ist für mich der intelligenteste Spieler, den ich je in meiner Karriere trainiert habe." So lief der Münchner bereits ab dem vierten Spieltag im defensiven Mittelfeld auf. Das Bayern-Urgestein überzeugte als alleiniger "Sechser" im 4-1-4-1-System nicht nur seinen Vereinstrainer, sondern auch Nationaltrainer Joachim Löw. Der Wandel vom Weltklasse-Außenverteidiger zum Weltklasse-Mittelfeldspieler schien vollzogen. Nur noch sporadisch lief Lahm im Bayerndress als Rechtsverteidiger auf. 

Verletzungsprobleme bei der Nationalelf während der Weltmeisterschaft veranlassten Löw jedoch zum umdenken. Der Nationaltrainer stellte Lahm während des Achtelfinals gegen Algerien aus dem defensiven Mittelfeld nach rechts hinten. Auch in den weiteren WM-Partien lief der Kapitän als Rechtsverteidiger auf, was sich als Glücksgriff herausstellte und mit dem Titel endete.

In der Saison 2014/15 spielte der 31-Jährige wieder hauptsächlich im Mittelfeld. In der Hinrunde brillierte er zusammen mit Xabi Alsonso auf der Doppelsechs. Nach seinem Knöchelbruch im November, der ihn zu einer Pause von vier Monaten zwang, fand er jedoch selten zu alter Form.

Was bringt die neue Spielzeit?

Fakt ist dennoch: Philipp Lahm beeindruckt seit Jahren nicht nur durch seine Klasse und Konstanz, sondern besticht auch durch Variabilität. Zudem sollte er auch in der kommenden Saison als Kapitän gesetzt sein. Aber im defensiven Mittelfeld ist die Konkurrenz groß. Auf der "Sechser"-Position erhoffen sich Hochkaräter wie David Alaba, Bastian Schweinsteiger sowie Javi Martinez und Xabi Alonso, zum Stammpersonal zu zählen. Um den Titel in der europäischen Königsklasse zu gewinnen, fehlt es einem Gespann aus Schweinsteiger, Lahm und Alonso an Tempo und Zweikampfhärte, wie die Duelle gegen Barcelona im Halbfinale der Champions League gezeigt haben. Demnach könnte Lahm in der anstehenden Spielzeit auch wieder auf seine ursprünglich angestammte Position als Rechtsverteidiger zurückkehren. Dort wird Rafinha die notwendige Weltklasse von den Experten sowieso aberkannt. Dennoch kam der Brasilianer in 26 Bundesliga- und elf Champions-League-Spielen zum Einsatz. Auch Frankfurt-Neuzugang Sebastian Rode und Mitchell Weiser konnten in ihren Auftritten als rechte Verteidiger nicht ausnahmslos glänzen.

Nach der Verletztenmisere der Rückrunde ist davon auszugehen, dass der FC Bayern bereit sein wird, viel Geld in neue Spieler zu investieren, sollten sie die Qualität des Kaders erhöhen. Für die künftige Aufstellung von Philipp Lahm wird entscheidend sein, ob auf der Position des Rechtsverteidigers ebenfalls nachgerüstet wird, oder ob lediglich Ersatz für die verletzungsanfälligen Frank Ribery und Arjen Robben sowie für den einzigen Stürmer Robert Lewandowski, verpflichtet wird. 

Egal, welche elf Spieler Pep Guardiola in der nächsten Spielzeit aufstellt, Philipp Lahm darf sich dank seiner Klasse und Flexibilität eines Stammplatzes sicher sein.

deu

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