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Brandherd Bayern: Hier hakt's beim Meister

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Von: Andreas Werner

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Zwei, bei denen es nicht mehr richtig läuft: Während Bastian Schweinsteiger (l.) nicht an bereits gezeigte Leistungen anknüpfen kann, sitzt Thomas Müller (r.) oft nur noch auf der Bank. © MIS

München - Es gibt ein Politikum und viele Brandherde beim FC Bayern, etwa die Innenverteidigung. Wir analysieren die Probleme und nennen die Abwehr-Kandidaten.

Eineinhalb freie Tage hat Pep Guardiola seinen Bayern nach dem 0:4 gewährt, gestern ließ er sie dann wieder antreten. Nix Feiertag – Tag der Arbeit! Hinter verschlossenen Türen begannen die Münchner die Vorbereitung auf die letzten Aufgaben der Saison. Im Fokus steht ab sofort das DFB-Pokal-Finale gegen Dortmund am 17. Mai in Berlin. Doch dieses Endspiel ist nur eine Etappe – auf den Coach wartet langfristig ein ganzer Haufen Arbeit. Ein Blick auf die Brandherde:

Politikum Schweinsteiger

Eine der heikelsten Personalien der Zukunft heißt Bastian Schweinsteiger. Der Vize-Kapitän wird den Anforderungen unter Guardiola nicht gerecht, doch weil er im Verein viele Fürsprecher hat, versuchte der Coach alles, um den 29-Jährigen heranzuführen. Die Treue wurde nicht belohnt, vor allem in den harten Duellen mit Dortmund (0:3) und mit Real (0:1, 0:4), in denen man eine Führungsfigur brauchte, war Schweinsteiger keine Hilfe. Eine der spannendsten Fragen ist nun, wie rigoros Guardiola die Zukunft angeht. Schweinsteiger auszubooten, hätte auch Folgen für die Nationalelf. Joachim Löw dürfte sehr genau hinschauen, ob auf den Mittelfeldmann noch Verlass ist.

Bau-/Schwachstelle Innenverteidigung

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Laurent Koscielny (2.v.l.) soll 18 Millionen Euro kosten. © AFP

Boateng schwankt zwischen Weltklasse und Irrsinn, Dante knüpfte nie an die Leistungen seiner ersten Saison an, hinter Holger Badstuber, der gestern erstmals leicht mit den Kollegen trainierte, steht nach vielen Knie-OPs ein großes Fragezeichen, Daniel van Buyten gilt als Auslaufmodell: Die Innenverteidigung ist eine Bau- bzw. Schwachstelle. David Luiz (Chelsea/26) sieht Guardiola als defensiven Mittelfeldspieler, und in dem Bereich setzt er lieber auf andere Typen. Matthias Ginter (SC Freiburg/20) ist noch zu grün, um sofort eine Bank zu sein. Laurent Koscielny (Arsenal/28) wird oft gehandelt, er soll 18 Millionen Euro kosten. Billiger wäre Aymeric Laporte, 19 Jahre junger Mann von Bilbao. Er schaffte erst in dieser Saison den Durchbruch und wird auf zehn Millionen Euro taxiert. Weitere Alternative: Mehdi Benatia (AS Rom/27).

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Taktik-Reizwort Flügelzange

Für Guardiola war Bayern vor allem eine Umstellung, weil unter Jupp Heynckes die Lösungen meist über Außen gesucht wurden, er aber beim FC Barcelona mehr die Zentrale bespielte. Unter dem Katalanen sind die zwei Verteidiger an den beiden Rändern der Viererkette in der Regel sehr hoch postiert und neben bzw. leicht vor dem „Sechser“ eingerückt. Guardiola möchte auf diese Art das Mittelfeld überfrachten, um für Franck Ribery und Arjen Robben Räume zu erpressen. Mit der Rückrunde haben die Bayern dieses Modell noch rigoroser gespielt als zuvor, allerdings wurden sie zuletzt immer öfter Opfer von Kontern. Das liegt nun nicht ausschließlich an der neuen Variante, vielmehr waren sie oft mit Teams konfrontiert, die auf Überfälle spezialisiert sind. Gleichzeitig verschob sich durch Thiagos Ausfall und Schweinsteigers Einbau die Hierarchie. Kritiker werfen Guardiola vor, er habe mit Lahm/Robben und Alaba/Ribery die zwei besten Pärchen der Welt ganz ohne Not getrennt. Flügelzange – derzeit taktisches Reizwort.

Problemfälle Kroos und Müller

Die beiden Offensivspieler sind aus völlig unterschiedlichen Gründen zu Problemfällen geworden. Bei Toni Kroos liegt der Verdacht nahe, dass ihn das millionenschwere Angebot von Manchester United beschäftigt. Allerdings darf so ein Poker solche Auftritte wie im Rückspiel gegen Real nicht entschuldigen. Eine symptomatische Szene des gebürtigen Greifswalders war, als er Cristiano Ronaldo beim 0:3 einfach laufen ließ und seine eh schon halbherzige Verfolgung einfach abbrach. Auf der Gegenseite stand Luka Modric beispiellos unter Strom, und an dessen Seite führte Xabi Alonso durch die Partie. Kroos taucht bisher bei kniffligen Spielen regelmäßig ab. Zu den Großen der Branche fehlt noch viel, und allmählich erhärtet sich der Verdacht, dass Talent und Wille bei ihm nicht auf dem gleichen Niveau angesiedelt sind. Thomas Müller hingegen ist von Guardiola sukzessive demontiert worden. Meistens kam er erst spät ins Spiel. Der Coach muss sich den Vorwurf gefallen lassen, die Qualitäten des Nationalspielers zu wenig zur Entfaltung zu bringen.

Fremdkörper Götze und Martinez

Eine der größten Aufgaben von Guardiola wird sein, für Mario Götze und Javi Martinez Rollen zu finden. Beide kamen für viel Geld (37 bzw. 40 Millionen Euro) und sollen tragende Säulen werden. Martinez ist dem Coach im Mittelfeld zu hölzern, dennoch sind seine Talente als Balldieb und Zweikämpfer unbestritten. Bei Götze darf man reklamieren, dass er viel verletzt und neu im Verein ist. Doch die Schonzeit ist nun vorbei. Wie für Guardiola.

Andreas Werner

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