FCB nicht interessiert am Verbleib des Löw-Schützlings

Was steckt hinter dem Rätsel Götze?

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Vorfreude: Mario Götze will sich auf die EM konzentrieren.

Ascona – Mario Götze und seine Entscheidung für einen Verbleib FC Bayern - nicht nur beim Rekordmeister sorgte das für Verwirrung. Was steckt hinter dem Rätsel Götze?

Die erste Frage, die Bundestrainer Joachim Löw im Traininglager gestellt wurde, lautete: Was sagt er denn zu Götze? Zu den neuesten Entwicklungen? Dass der WM-Finaltorschütze vorhat, beim FC Bayern anzugreifen und (noch) nicht zu wechseln?

Löw antwortete, das alles habe ihn „nicht überrascht“. Er hat ja auch immer wieder mit ihm gesprochen über die Perspektiven. Und glaubt, in diesen Unterhaltungen gespürt zu haben, „dass der Mario mit dem Herzen schon noch in München ist“. Das Telefonat zwischen dem künftigen Bayern-Trainer Carlo Ancelotti und Götze, in dem es um eine mögliche Einsatzgarantie ging, sei, so Löws Meinung, „nicht ganz richtig wiedergegeben worden“. Solche Zusagen könne ein Trainer, der neu und noch gar nicht da ist, schlecht erteilen. Jogi Löws Kenntnisstand ist nun der, „dass Mario dieses eine Jahr noch bleibt und es mit dem neuen Trainer versucht. Ich finde das absolut okay und erst einmal richtig.“

Im Fußballgeschäft setzen bei dieser Argumentation indes die Misstrauensreflexe ein. Denn wenn Mario Götze auch in der Saison 2016/17 für den FC Bayern spielen sollte (oder auf der Bank sitzen – sein bisheriges Los), käme er, da sein Vierjahresvertrag dann abgelaufen sein wird, ablösefrei auf dem Transfermarkt. Bei einem Wechsel in diesem Sommer jedoch könnten die Bayern für ihn Geld einnehmen, zwischen 20 und 30 Millionen Euro wären schon drin, denn die Welt des Fußballs hat den Glauben an die außerordentlichen Fähigkeiten Götzes (Löw: „Er kann Dinge, die sonst keiner kann“) noch nicht verloren.

Was ist Götze nun? Ein Sportler, der die Ambition, die man bei ihm die vergangenen Jahre nicht so gespürt hat, gerade wiederentdeckt und die bisherigen Münchner Eindrücke korrigieren will? Der auch mit einem Wechsel des Managements ein Zeichen für den Neuanfang setzt? Oder ein eiskalter Taktiker, der mit seinem Verhalten Bayern unter Druck setzt, ihn für eine geringere Ablöse demnächst schon gehen zu lassen?

Jedenfalls: Sein Chef Karl-Heinz Rummenigge reagierte im „kicker“-Interview gereizt auf die Ich-will’s-wissen-Initiative seines Spielers: „Mario wurde alles klar und seriös kundgetan. Er weiß Bescheid, wie der Klub denkt, und er weiß, wie der künftige Trainer denkt. Mario muss jetzt für sich selbst bewerten: Will ich kontinuierlich spielen?“ Offensichtlich hatte der bisherige, nun aber quasi gefeuerte Berater Volker Struth für Götze mit dem FC Liverpool schon alles klar gemacht und dabei wohl sogar ein höheres Gehalt als das bei Bayern (geschätzte zehn Millionen Euro per anno) herausgeschlagen.

Mario Götze wollte für Klarheit sorgen – und hat Verwirrung gestiftet. Gewiss nicht in seinem Sinne, denn unstrittig ist seine Intention, dass er ein EM-Turnier spielen will, das nicht von den üblichen Spekulationen flankiert wird. Er will einfach nur als sehr feiner Fußballer gesehen werden, der für Deutschland spielt. Für alle.

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