Zustand der Bayern-Abwehr offenbart ein altes Problem

Rafinha-Ausfall: Ohne Alternative

Rafinha
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Schmerzliche Dienstreise: Rafinha machte in Karlsruhe nicht nur die Testspiel-Niederlage zu schaffen. 

München - Rafinha fällt wohl zwei Wochen aus. Der Zustand der Bayern-Abwehr offenbart jetzt ein altes Problem.

Dieses rechte Bein von Rafinha hat in den letzten Tagen einiges mitmachen müssen. Bei der vorletzten Trainingseinheit des FC Bayern in Katar rasselte der Brasilianer zunächst mal mit Sebastian Rode zusammen. Ein Pressschlag, verdammt schmerzhaft, Rafinha verließ den Rasen mit einem dicken Verband um das Schienbein. Die Entwarnung folgte schnell, in München trainierte der Verteidiger wieder; im verlorenen Testspiel am Sonntag beim Karlsruher SC aber erwischte es ihn erneut. Diesmal am Knie.

Offiziell heißt es Prellung, es soll aber auch das Außenband in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Zwei Wochen Pause muss man wohl einkalkulieren. Das rechte Bein braucht eine Auszeit – dabei war es doch gerade erst salonfähig gemacht worden für die Rückrunde. Denn zwischen all den Blessuren lag auch noch ein Besuch beim Tätowierer.

Rafinha ist keiner dieser Profis, den man auf den ersten Blick als typischen Voll-Tätowierten abstempelt. Auch sein neuestes Kunstwerk trägt er an einer Stelle, die bei einem Fußballer so gut wie immer verdeckt ist. Symbolkraft hat das Tattoo auf seiner Wade – genau: der rechten – trotzdem. Es besteht aus einem Fußball mit Champions League-Sternen, den eine Krone ziert. Darunter steht die Jahreszahl 2013. Eine Erinnerung an Rafinhas größten Erfolg, den Titel in der Königsklasse im Wembleystadion von London. Und ein Ansporn für die entscheidende Phase der Saison. Gut möglich, dass es eine seiner letzten bei Bayern ist, Stand jetzt läuft sein Vertrag 2017 aus. Er will nochmal alles. Er will dieses Gefühl noch einmal haben.

Rafinhas Rolle beim FC Bayern hat sich seit 2013 enorm gewandelt. Auch unter Jupp Heynckes hatte der inzwischen 30-Jährige gute Phasen, beim Endspiel in Wembley aber stand er beispielsweise nicht mal im Kader. Inzwischen kann man ihn als Stammspieler bezeichnen, er hat in der laufenden Saison schon alle Positionen in der Bayern-Defensive bekleidet. Dass nun ausgerechnet der Mann ausfällt, den Trainer Pep Guardiola gleichsam für seine Flexibilität und seine Verlässlichkeit schätzt, mag verkraftbar sein, weil sich das Lazarett in der Winterpause enorm gelichtet hat. Die Situation zeigt trotzdem ein Problem auf, das die Bayern seit Jahren belastet.

Gute Außenverteidiger sind schwer zu finden, das weiß man schon länger. Und dem Tabellenführer fehlen nun auch zum Auftakt Alternativen. Die Abwehrreihe ist mit Philipp Lahm, Jerome Boateng, Javi Martinez und dem genesenen David Alaba gut bestückt. Ersatz gibt es aber keinen. Rafinha, der in Karlsruhe „beängstigt von den großen Schmerzen“ war, fehlt in Hamburg und wohl auch gegen Hoffenheim; Juan Bernat hat Adduktorenprobleme und seit Monaten kein bisschen Wettkampfpraxis. Die Viererkette ist also zunächst mal zum Durchspielen gezwungen. Ein Zustand, den Guardiola so gar nicht mag.

Im Sommer pochte der Bayern-Trainer darauf, einen Außenverteidiger zu kaufen – vergeblich. Matthias Sammer bestätigte noch zuletzt, dass „diese Position ein Thema bei uns sein wird“. Besser gesagt: Ein Dauerthema. Man sucht akribisch, es gibt Kandidaten, aber noch keinen heißen. Im Gespräch ist unter anderem Matteo Darmian, 26 Jahre alt, Landsmann vom kommenden Bayern-Trainer Carlo Ancelotti, derzeit bei Manchester United (und nicht ganz glücklich unter Louis van Gaal). Als weiterer Kandidat gilt Bruno Peres vom FC Turin. Ein Brasilianer, wie Rafinha. Allerdings erst 25 Jahre alt und nicht 30.

Das ist – vor allem wenn es um die Gesundheit oder rechte Beine geht – im Fußball doch ein großer Unterschied.

Hanna Schmalenbach

Hanna Schmalenbach

E-Mail:hanna.schmalenbach@merkur.de

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