Reise ohne Rachegelüste

"Keine Revanche, keine Symbolwirkung" gegen Atlético

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Im Halbfinal-Hinspiel Ende April gerieten die Bayern im Estadio Vicente Calderon früh in Rückstand - der Anfang vom Ende.

München/Madrid - Der FC Bayern ist bemüht, die Partie bei Atletico Madrid, die Wiederauflage des Halbfinales der Champions League von vor einem halben Jahr, kleinzureden.

Mats Hummels war irritiert, denn irgendwie stand er nicht da, wo er hingehörte. Links: Fans, rechts: Fans, vor ihm: Kameras, hinter ihm: Fans. Seine Mannschaftskollegen vom FC Bayern hatte der Neuzugang am Dienstagvormittag am Flughafen München mal kurz aus den Augen verloren. „Wo muss ich denn hin?“, fragte er ratlos. Der Weg aus dem Tumult, die Gasse zum Schalter wurde ihm gezeigt, alles ging gut. Aber so ist es eben, wenn man zum ersten Mal mit den Bayern auf Champions League-Reise geht. Da sind die Abläufe noch nicht bekannt.

Einige Mitspieler mussten lachen, als Hummels sich verspätet in ihre Reihe stellte. Aber der Nationalspieler ließ sich davon nicht beeindrucken. Denn gegenüber den meisten von ihnen hatte er einen entscheidenden Vorteil, als er am Dienstag um 10 Uhr an Bord des Lufthansa-Sonderfluges LH 2570 ging: Er stand in den vergangenen Jahren bei Borussia Dortmund unter Vertrag – und reiste deshalb als einer von Wenigen ohne Spanien- bzw. Atletico-Trauma in die sonnige Hauptstadt.

„Es ist bekannt, dass wir in den letzten drei Jahren gegen spanische Mannschaften keine Punkte erzielt haben. Wir werden morgen versuchen, dass wir zumindest nicht verlieren“, sagte Karl-Heinz Rummenigge vor dem Abflug. Mit Pep Guardiola war der Rekordmeister drei Mal im Halbfinale gescheitert, verlor jeweils bei Real Madrid, dem FC Barcelona und eben beim heutigen Gruppengegner Atletico. Deshalb hörte man auf dem Weg zum bisher wichtigsten Saisonspiel auch vergleichsweise leise Töne von höchster Bayern-Stelle. Für den Vorstandsvorsitzenden ist heute Abend (20.45 Uhr, bei uns im Live-Ticker) „alles außer einer Niederlage ein positives Ergebnis“. Heißt: Auch ein Unentschieden reicht.

Immerhin Carlo Ancelotti ist ein Atletico-Experte. Er hat zwar selten gegen den Stadtrivalen von Real gewonnen, sich aber immerhin gegen ihn den Champions League-Titel 2014 gesichert (Rummenigge: „Gutes Omen“). Und auch die 21 Spieler, die den Flieger bestiegen (alle außer die Verletzten Douglas Costa und Holger Badstuber), werden sich nicht mit einem Remis zufriedengeben. Für einen Sieg, sagte Thomas Müller, spreche, „dass wir in guter Verfassung sind, noch kein Pflichtspiel verloren haben. Und eben, dass wir schon so oft in Spanien verloren haben – das steigert die Wahrscheinlichkeit.“ Man ist sich aber bewusst, dass dafür mit Blick auf das späte 1:0 in Hamburg eine Leistungssteigerung her muss. Denn „der Unterschied zwischen Bundesliga und Champions League“, führte Müller fort, „ist, dass in der Champions League jeder Fehler bestraft wird“.

Bilder: So machen sich die Bayern fit für Atletico

Was passiert, wenn man gegen Atletico – übrigens bisher auch ungeschlagen – unaufmerksam ist, wissen die Bayern noch zu gut aus der Vorsaison. Die Niederlage im Halbfinale war „unglücklich“, sagte Rummenigge. Wenn man einen Mann wie Saul Niguez aber derart laufen lässt wie die Bayern im April in Madrid, ist das riskant. Dieses Aus aus dem Frühjahr, es flog am Dienstag irgendwie mit, ganz verdaut ist es noch nicht. Von „Rachegelüsten“ wollte Müller aber nicht sprechen, und auch Rummenigge betonte: „Revanche? Das bringt nichts. Es geht jedes Jahr bei Null los.“ Die Mannschaft habe beim 5:0 gegen den FK Rostov „ein Zeichen gesetzt. Und unsere Ansprüche sollten wir morgen wieder unter Beweis stellen.“ Philipp Lahm erwartet „einen Kampf“.

Die Bayern sind bemüht, der Partie im Calderon nicht allzu viel Bedeutung zuzumessen. „Für die Vorberichterstattung“ sei das Thema ja ganz nett, sagte Müller. Rummenigge stellte heraus, dass von dem Spiel – obwohl es sicher entscheidenden Charakter für den Kampf um den Sieg in Gruppe D hat – keine Symbolwirkung ausgehe: „Man muss zusehen, dass man sich qualifiziert. Aber los geht es im Februar mit dem K.o.-System.“

Bis dahin dürfte auch Hummels sich eingelebt haben. Die Wege am Münchner Flughafen werden dann die kleinste Hürde sein.

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