Ausfälle, Patzer, mangelnde Abstimmung

Retter Neuer: Bayern hat einen Manu für alle Fälle

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Zack! Manuel Neuer pariert mit blitzartigem Reflex gegen Ingolstadt.

München - Ausfälle, Patzer, mangelnde Abstimmung, ein bestens sortierter Gegner – es gab für den FC Bayern am Samstag reichlich Hindernisse. Aber wer einen Klassetorwart hat, kann sich auch mal einen löchrigen zweiten Anzug leisten.

Eilig hatten sie es fast alle. Xabi Alonso empfahl sich freundlich, aber unmissverständlich und nahezu wortlos. Ebenso Robert Lewandowski, wie der Spanier Torschütze beim 3:1-Sieg des FC Bayern über den FC Ingolstadt. Auch Jerome Boateng verlangsamte bei den Interviewanfragen sein Tempo nur geringfügig und verwies auf einen Termin, der ihm beim besten Willen keine Zeit lasse. Am schnellsten von allen aber war Javi Martinez. Seine Kollegen waren nach dem Schlusspfiff noch nicht bei den Fans angekommen, da verschwand der Spanier schon Richtung Kabine. Sein Gang war auffallend unrund.

Die Wiesnzeit ist auch für den FC Bayern ein Quell der Freude und heiteren Zerstreuung, gleichzeitig aber birgt der Kalender im frühen Herbst allerlei Anstrengungen. Das Spiel gegen die Ingolstädter war das dritte von sieben in drei Wochen und entwickelte sich unerwartet aufreibend. Am Ende konnten die Gastgeber aufrichtig froh sein, dass sie den Besuch des nördlichen Nachbarn schadlos überstanden hatten.

Mittlerweile kommt es nicht mehr oft vor, dass die Bayern, der große Dominator, sich einen schlechten Tag genehmigen. Der Samstag war mal wieder so einer, wenn auch mit mildernden Umständen. Der Magen-Darm-Infekt, der die Stammspieler Lahm, Alaba und Müller heimgesucht hatte, wäre schon ärgerlich genug gewesen. Weil sich aber am Wochenende auch noch Mats Hummels eine Erkältung einfing und Jerome Boateng zwar auf die Bank, aber nicht sofort aufs Feld zurückkehrte, blieb von der Wunschabwehr kein einziges Mitglied übrig. Das kam zwar dem treuen Rechtsverteidiger Rafinha entgegen, der klaglos seinen Platz hinter Philipp Lahm akzeptiert („Ich muss immer bereit sein, seit sechs Jahren“) und sich über seinen kunstvollen Schuss zum Endstand umso mehr freute. Es hat aber zwangsläufig auch eine Kehrseite.

„Die Automatismen greifen dann nicht zu hundert Prozent“, gab Manuel Neuer zu bedenken. Eigentlich musste der Schlussmann gar nicht so oft eingreifen. Wenn er aber gefordert war, wie gegen Leckie (53.) und Lex (90.), war die Lage im Strafraum dramatisch. Carlo Ancelottis Lob, jeder wisse ja, „dass er der beste Torhüter der Welt ist“, war auch ein Kompliment an den Gegner. Allzu oft kommt es in der Liga nicht vor, dass Besucher Neuer seine besten Kunststücke entlocken.

Ihm blieb nichts anderes übrig. Joshua Kimmich und Javi Martinez zum Beispiel, die beiden Innenverteidiger, agierten derart fahrig, als wollten sie den donnernden Hymnen der vergangenen Wochen etwas Erdendes entgegensetzen. Weil zudem Renato Sanches in neuer Umgebung noch fremdelt und Kingsley Coman nach mehrwöchiger Pause einen schleppenden Einstand erlebte, boten die Bayern einen Auftritt mit Seltenheitswert. So unsortiert und flatterhaft wie am Samstag agieren sie im eigenen Stadion nur alle Jubeljahre.

Bayern müht sich gegen Ingolstadt zum Sieg: Zwei Zweier, sechs Vierer

„Man spielt nicht immer gut“, fiel Ancelotti dazu ein, dabei klang der Trainer unaufgeregt wie immer. Tatsächlich ist der Auftritt kein Grund, die Alarmsirenen in Gang zu setzen. Die meisten Patienten werden sich bald erholt haben, zweifellos schneller als der Arena-Rasen, dem das dichte Programm (zwei Spiele in 24 Stunden) deutlich anzusehen war. Bereits am Mittwoch im zweiten Wiesn-Heimspiel gegen Hertha BSC Berlin wird man die Abwehr wohl nicht wiedererkennen. Besonders für Martinez könnten bald ruhigere Zeiten anbrechen, wenn Hummels’ Nase nicht mehr läuft und Boateng seine Einsatzzeiten ausdehnt.

Auf ihr Defensivdreieck Neuer/Hummels/Boateng freuen sich die Bayern, seit sie aus Dortmund das fehlende Drittel verpflichtet haben. Schon jetzt ist die Bilanz mit einem einzigen Gegentor aus drei Spielen fast ohne Makel. Demnächst, wenn alle drei fit und aufeinander abgestimmt sind, streben die Bayern ein noch ganz anderes Maß an Stabilität an. Das Ingolstadt-Spiel mit seinen vielen Chancen für die Gäste dürfte dann eine skurrile Erinnerung sein.

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