Beschämend, schlecht, schmerzhaft

HSV ringt nach 0:8-Niederlage um Fassung

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Hamburgs Torhüter Jaroslav Drobny sitzt nach dem 7:0 fassungslos auf dem Boden.

München - Es war die höchste Niederlage in 52 Bundesliga-Jahren: Nach dem desaströsen Spiel gegen die Bayern herrscht beim Hamburger SV das blanke Entsetzen.

Kapitän Rafael van der Vaart starrte mit leerem Blick auf den Rasen, Heiko Westermann fasste sich ungläubig an den Kopf, und Coach Joe Zinnbauer redete seinen Spielern nach der höchsten Niederlage in 52 Bundesliga-Jahren noch auf dem Platz eindringlich ins Gewissen: Nach dem desaströsen 0:8 (0:3) beim Rekordmeister Bayern München herrschte blankes Entsetzen beim Hamburger SV. Von den Bayern-Fans gab's ein hämisches „2. Liga, Hamburg ist dabei“ oben drauf.

„Das war eine beschämende Niederlage“

Während die maßlos enttäuschten HSV-Profis nach der historischen Schmach kommentarlos aus der Arena schlichen, fand Dietmar Beiersdorfer umso deutlichere Worte. „Das war eine beschämende Niederlage“, sagte der Vorstandsvorsitzende mit leiser, aber fester Stimme: „Es tut weh, so ein Spiel miterleben zu müssen. Wir haben uns ganz, ganz schlecht präsentiert. Da gibt es keine Entschuldigung. Das hat bei Weitem nicht gereicht.“

In den 90 Minuten zuvor hatten sich die Hamburger als der ideale Aufbaugegner für die zuletzt etwas kriselnden Münchner erwiesen. Zinnbauer hatte seine Mannschaft überraschend offensiv aufgestellt - und zumindest in den ersten Minuten ging sein Plan auf: In der Spitze liefen der ehemalige Bayern-Star Ivica Olic und der Lette Artjoms Rudnevs die FCB-Defensive schon früh an, auch im Mittelfeld wurden die Hausherren deutlich vor der Mittellinie gestört.

Doch spätestens nach dem Doppelschlag der Weltmeister Thomas Müller (21.) und Mario Götze (23.) war der Widerstand der Hamburger gebrochen - und es folgte eine der bittersten Lehrstunden in der Klubgeschichte. Auch vom Rückenwind durch die zwei Siege zuletzt war nichts zu spüren. Nicht wenige der rund 6000 mitgereisten HSV-Fans fühlten sich schon früh an das denkwürdige 2:9 vom 30. März 2013 an selber Stelle erinnert - 3:31 Tore, 0 Punkte lautet die Bilanz der Norddeutschen aus den letzten fünf Auftritten in München.

Immerhin zu Beginn habe „die Mannschaft versucht, Fußball zu spielen“, kommentierte Beiersdorfer - der Versuch aber scheiterte kläglich: „Man könnte alle Kriterien des Fußballs nennen, überall waren wir den Bayern sehr stark unterlegen.“ Und auch Zinnbauer, der beim 0:0 in Hinspiel sein erstes Spiel an der HSV-Seitenlinie absolviert hatte, gab kleinlaut zu: „Am Schluss habe ich gehofft, dass es nicht zweistellig wird.“

Dass es im 100. Duell der beiden Traditionsteams nicht zweistellig wurde, hatten die Hamburger aber wohl eher den Münchnern als sich selbst zu verdanken. Spätestens nachdem der an diesem Nachmittag einmal mehr überragende Doppeltorschütze Arjen Robben in der 71. Minute beim Stand von 7:0 ausgewechselt wurde, schalteten die Hausherren mehrere Gänge zurück - wohl auch mit Blick auf das Achtelfinale in der Champions League bei Schachtjor Donezk am Dienstag (20.45 Uhr/Sky).

Und dennoch, da waren sich die Verantwortlichen des HSV einig: Vor dem schwierigen Heimspiel gegen den Champions-League-Anwärter Borussia Mönchengladbach am kommenden Sonntag (15.30 Uhr/Sky) gilt es, die Pleite beim Tabellenführer abzuhaken. „Es bringt jetzt nichts, Schuld zuzuweisen. Wir müssen uns jetzt auf das nächste Spiel vorbereiten“, sagte Beiersdorfer, und auch Sportdirektor Peter Knäbel meinte: „Es ging auch nur um drei Punkte, die müssen wir nächste Woche wieder suchen“ - an diesem Nachmittag klang es nach Zweckoptimismus.

sid

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