Robben: „Ich will noch lange mit Ribéry spielen“

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Arjen Robben gestand im Interview, dass er sich wünscht, noch länger mit Ribery zu spielen.

München - Arjen Robben ist der Mann der Stunde beim FC Bayern. Im Interview verrät er das Geheimnis seines Beinkleids und spricht über seine Kindheit sowie seine Ziele in München.

Herr Robben, vor dem sportlichen Teil eine Frage aus dem Bereich Mode: Alles redet über Ihre lange Unterhose, die Sie bei Spielen tragen. Wollen Sie damit einen Trend setzen?

(lacht) Nein, nein! Ich will damit doch nur meine Muskeln warmhalten. Das hat überhaupt nichts mit Mode zu tun. Wenn ich ehrlich bin: Meine eigene Frau findet es auch nicht so schön. Es ist etwas rein Funktionelles. Aber wenn bald kleine Jungs so auf dem Fußballplatz rumlaufen, wäre das lustig. Ich hätte damit jedenfalls kein Problem.

Bei Ihrem Torjubel am Samstag haben Sie Louis van Gaal gesucht. Sie kennen sich schon, seit er Sie als Jugendlicher ins niederländische Junioren-Nationalteam holte. Hat er sich seit damals sehr verändert?

Er ist immer er selbst geblieben, das ist das Wichtigste. Natürlich war es damals anders, wir waren noch so jung. Kinder wäre übertrieben, aber jetzt sind wir einfach erwachsener. Jetzt kannst du auch mit ihm reden, auch wenn du nicht mit einer Entscheidung einverstanden bist. Du musst sie zwar akzeptieren, aber man kann mit ihm darüber reden. Für mich ist er ein großer Trainer, von dem man viel lernen kann – jeder individuelle Spieler. Das ist mir wichtig.

Die Fans bewundern das enorme Tempo, das Sie bei Dribblings an den Tag legen. Woher kommt diese Begabung? Haben Sie das von klein auf extra geübt?

Es gibt kein Geheimnis. Ich denke, man hat diese Schnelligkeit oder man hat sie nicht. Dann musst du sie noch mit Ballgefühl kombinieren. Natürlich war ich früher immer mit dem Ball unterwegs, zuhause und auf der Straße. Auf der Straße habe ich 1 gegen 1 gespielt, stundenlang. Ich habe immer gedribbelt, gedribbelt, gedribbelt. Mit vier habe ich bei einem Klub angefangen. Normalerweise hätte ich noch ein Jahr warten müssen, aber ich konnte mit den Größeren schon mithalten. Meine ganze Familie ist sportlich. Mein Vater hat Fußball gespielt und war Trainer bei einem Amateurverein. Ich habe ihn immer begleitet. Als ich fünf, sechs war, war es immer so: Ich habe auf dem einen Platz gespielt, er auf dem anderen sein Team trainiert.

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War er von klein auf immer Ihr größter Kritiker?

Nein. Er hat mich immer gelassen. Ich denke, das ist das Wichtigste. Wenn ich jetzt ab und zu sehe, wie Eltern an der Linie stehen und reinschreien . . . ich denke, das ist das Schlechteste, was man machen kann. Kinder sollten Spaß haben und ohne Druck dem Ball nachlaufen können. Die muss man nur lassen.

Franck Ribery musste früher mit seinem Vater auf Baustellen jobben. Haben Sie Ähnliches erlebt?

Nein, bei mir war alles normal. Ich hatte eine sehr gute Kindheit und Jugend.

Ribery liebäugelt mit einem Wechsel zu Real Madrid. Sie kommen von dort. Ihr Rat lautet, in München zu bleiben. Warum?

Es ist seine Entscheidung. Aber ich hoffe, dass er bleibt. Ich will noch längere Zeit mit ihm spielen. Bis jetzt standen wir noch nicht so oft zusammen auf dem Platz – und jetzt ist ja schon Rückrunde. Ich hoffe, dass ich diese Saison mit ihm noch oft zusammenspiele und dass das dann nicht die letzten gemeinsamen Spiele gewesen sind. Real Madrid ist ein großer Verein, aber Bayern gehört auch in diese Kategorie der größten Vereine in Europa.

Ist das Klima in München besser als in Madrid?

Es ist sehr familiär hier. Für mich war auch wichtig, dass man mich so gerne haben wollte. Bei Real hatte ich am Ende kein so gutes Gefühl mehr. Die Bayern haben mich schon vorher zwei Mal gewollt. Das eine Mal ging ich dann zu Chelsea, das andere Mal zu Madrid. Ich hatte hier das Gefühl, dass ich richtig willkommen bin. Und das ist ein sehr schönes Gefühl.

Was entgegnen Sie denen, die sagen: Von Real zu Bayern, das ist ein Abstieg?

Manche Leute haben mir das gesagt. Sie meinten: „Die spanische Liga ist besser als die deutsche, du gehst da einen Schritt zurück.“ Aber ich denke, das stimmt einfach nicht. Die Bundesliga ist auch stark, ein Mix aus englischer und spanischer Liga. Die Stadien sind immer voll, die Begeisterung ist groß. Es macht Spaß, hier zu spielen – zumal bei so einem großen Verein. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich einen Schritt zurück mache.

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Dennoch ist Ihr Wechsel einer gegen den Trend. Auf höchster Ebene ist der FC Bayern eher ein Sprungbrett. Sie waren nun schon bei Chelsea und Real – was reizt Sie denn jetzt noch?

Ich bin jetzt einfach froh, hier zu sein. Ich habe ein sehr gutes Gefühl. Ich schaue nicht so gerne in die Zukunft, die Gegenwart zählt im Fußball. Ich will hier gerne lange, lange bleiben. Jetzt ist alles gut, das muss auch so bleiben. Und ich hoffe, dass wir uns im Sommer noch verstärken. -Ist Ihr Ziel, in München eine Ära zu prägen? Ja, ich will gerne wichtig sein für diesen Verein. Schon in dieser Saison, aber auch noch länger. Ich habe ja einen Vierjahresvertrag unterschrieben. -Die Voraussetzungen für eine holländische Ära stehen gut: Der Trainer ist ein Landsmann, der Kapitän ist ein Landsmann . . . Ja, aber für mich ist es nicht wichtig, dass alles holländisch ist. Nur die Qualität zählt. Van Gaal ist ein großer Trainer, Mark van Bommel ist als Kapitän für die Mannschaft so enorm wichtig. Dass das jetzt zwei Holländer sind, ist Zufall und nebensächlich. -Van Bommels Vertrag läuft aus. Würden Sie Bayern raten, zu verlängern? Auf jeden Fall. Ich denke, es wäre gut für die Mannschaft. Er ist wichtig als Kapitän und Spieler. Er sorgt für die Ordnung im Team.

Van Bommel ist der erste ausländische Kapitän der Bayern. Würde Sie dieses Amt auch mal reizen? Warum nicht?

Das wäre eine große Ehre, irgendwann mal. Aber es hat Zeit – ich bin ja erst ein halbes Jahr im Verein. Ich bin noch jung, 26, aber ich habe schon viel Erfahrung. Ich habe in Chelsea und Madrid viel erlebt. Ich möchte hier gerne mehr Verantwortung übernehmen und eine wichtige Rolle für den Verein spielen. Das wichtigste Ziel ist aber, Erfolg zu haben.

Sie hoffen auf Verstärkungen im Sommer. Sie waren bei Real, spielen in der niederländischen Nationalelf. Dort wimmelt es von Stars. Haben Sie ein paar Tipps für die Bayern?

(schmunzelt) Ich denke, der Vorstand ist schon gut informiert. Wir können uns immer verstärken, aber die Mannschaft ist schon sehr gut. Wir haben viel verbessert und sind auf einem guten Weg. -Am Samstag haben Sie Mesut Özil aus nächster Nähe erlebt. Wäre der Bremer ein Bayern-Kandidat? Ich habe ihn noch nicht oft gesehen, aber das ist ein sehr guter Spieler. Er ist technisch wirklich stark. Sicher käme er für den FC Bayern in Frage.

Letzte Woche haben Sie für Wirbel gesorgt, weil Sie im Training mit Philipp Lahm aneinandergeraten sind. Haben Sie ein Problem mit Ihrem Partner auf der rechten Seite?

Nein, und das war ja auch gar nichts. Ich war überrascht, dass das so groß in der Presse war. So etwas kann im Training passieren. Aber wir haben nicht das kleinste Problem miteinander. Wir haben uns gleich in der Kabine umarmt, und damit war das Thema erledigt. Wir sind Freunde und wollen als Kollegen noch viel zusammen erreichen. Ich denke, unser Zusammenspiel auf der rechten Seite läuft schon sehr gut. Philipp ist ein guter Typ und wichtig für die Mannschaft.

Nach der Saison steht die WM als Krönung an. Welches Ziel haben Sie da?

Das Ziel ist immer, anzutreten, um zu gewinnen. Ich will Weltmeister werden, aber es wird schwierig – es sind viele sehr gute Mannschaften dabei. Wir haben ein starkes Team. Wenn alle fit sind und in Form, können wir alle schlagen. So viel Selbstvertrauen haben wir. Bei einer WM reicht aber ein schlechtes Spiel, und du bist weg.

Wer sind Ihre WM-Favoriten? Und welche Rolle wird Deutschland spielen?

Brasilien, Argentinien und Spanien. Es gibt noch vier, fünf, die es schaffen können. Die Deutschen sind bei Turnieren immer stark und physisch oft die Besten. Und sie sind so erfahren. Mit denen muss man immer rechnen.

Und in der Meisterschaft: Muss man da nun wieder verstärkt mit dem Hamburger SV rechnen, nachdem Ruud van Nistelrooy aus Madrid kommt?

Hamburg ist eine gute Mannschaft, die haben Titelchancen – und jetzt sind sie gestiegen. Van Nistelrooy ist für mich noch immer einer der besten Stürmer der Welt. Er hat hart gekämpft nach seiner Verletzung, ich habe das bei Real ja miterleben können. Es war das dritte Mal, dass er Probleme am Knie hatte. Er ist ein guter Freund von mir. Ich wünsche ihm, dass er wieder fit wird und allen zeigt, dass er noch immer weltklasse ist – nur nicht, wenn er gegen uns spielt (grinst).

Interview: Andreas Werner

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