Drei Bayern-Stammspieler fallen aus

Lässt Ancelotti jetzt sein Lazarett auflaufen?

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Carlo Ancelotti im Gespräch mit Arjen Robben.

München - Der FC Bayern muss kurzfristig auf Lahm, Alaba und Müller verzichten – das wirkt sich bis in die Reha-Abteilung aus. Muss Ancelotti jetzt schon früher auf Arjen Robben zurückgreifen?

Natürlich ist auch Carlo Ancelottis berühmte linke Augenbraue am Freitag wieder zum Einsatz gekommen. Aber an diese Eigenart, an das Lupfen der Braue als mimische Pointe, hat sich die Öffentlichkeit beim Trainer des FC Bayern schon gewöhnt. Weniger beachtet wurde dagegen bisher das pfeifende Luftablassen. Ein wohlartikuliertes Pffff.

Am Freitag ist Ancelotti erwartungsgemäß die Frage nach seinen Wiesn-Erfahrungen nicht erspart geblieben. Die Wiesn ist auch beim FC Bayern ein großes Thema, fast noch größer als das Heimspiel am Samstag gegen den FC Ingolstadt. Eindrücklich schilderte der Trainer also einen Besuch vor drei Jahren. „Es war“ – und hier setzte er zu einem vielsagenden „Pffff“ an – „unglaublich“. Kurze Pause. „Ich war sehr ...“ Nach kurzem Überlegen sagte er dann aber weder „angeheitert“ noch „sturztrunken“. Sondern: glücklich.

Wenig später hat der Moderator die Pressekonferenz mit sanftem Druck beendet, der Sport spielte eh keine Rolle mehr. Was das Duell mit den Ingolstädtern betrifft, hatte Ancelotti das Wesentlich schon ganz zu Beginn mitgeteilt, als noch der Fußball im Mittelpunkt stand. Der Rekordmeister wird am Samstag auf ein namhaftes Trio verzichten müssen. Neben Kapitän Philipp Lahm, dessen Magen-Darm-Beschwerden schon seit Donnerstag bekannt waren, sind aus dem selben Grund nun auch David Alaba und Thomas Müller unpässlich. Das passt zum bisherigen Saisonverlauf, in dem sich die Bayern so resolut durch Liga, Pokal und Champions League bewegen wie eine Wiesn-Bedienung durchs Festzelt. Wirklich schwächen können sie sich nur selber.

Drastischer als geplant wird Ancelotti, der eine maßvolle Rotation ohnehin beabsichtigt hatte, deshalb vor dem dritten von sieben Spielen in drei Wochen die Formation verändern müssen. Noch am Donnerstag waren Jerome Boateng und Arjen Robben für Ingolstadt kein Thema, aber der Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft. Robbens Ankündigung, er plane nur „von Tag zu Tag“, erfuhr am Freitag eine ganz neue Bedeutung. Der Niederländer, der wegen zweier Adduktorenverletzungen seit Anfang März kein Pflichtspiel bestritt, wird ebenso auf der Bank sitzen wie Boateng, der sich im EM-Halbfinale einen Muskelbündelriss im Oberschenkel zuzog. Einen Schritt weiter ist Kingsley Coman. Der Franzose, der sich Mitte August am Sprunggelenk verletzt hatte, rückt für Müller in die Startformation.

Ancelotti ist in diesen Dingen erfrischend offen. Er hat darum am Freitag auch sehr unverkrampft über Joshua Kimmich gesprochen, der in den letzten drei Spielen viermal traf, unter normalen Umständen nun aber ein Kandidat für eine Pause gewesen wäre. Angesichts der diversen Ausfälle ist er jedoch aktuell unverzichtbar. Wie sein Vorgänger Pep Guardiola („er ist fast mein Sohn“) schätzt Ancelotti ihn sehr. Ob Abwehr oder Mittelfeld, zentral oder außen, „er macht es sehr gut“. Und weil ihm das sehr wichtig war, unterstrich der Trainer seine Aussage mit einem kräftigen „Pffff“.

Marc Beyer

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