Überraschender Blitztransfer

Analyse: Kann Tasci dem FC Bayern wirklich helfen?

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Früher Gegner, jetzt Verbündete: Serdar Tasci (l.) im Zweikampf mit Arjen Robben.

München - Der FC Bayern hat doch noch auf dem Transfermarkt zugeschlagen und Serdar Tasci von Spartak Moskau ausgeliehen. Notnagel oder Triple-verdächtiger Geheimtipp - unsere Analyse.

Anstatt bei Spartak Moskau die Vorbereitung fortzusetzen, fand sich Tasci am Montag überraschend beim deutschen Fußball-Rekordmeister wieder. Zweieinhalb Jahre war der frühere Stuttgarter in Deutschland aus dem Blickfeld verschwunden. Jetzt soll er ausgerechnet dem großen FC Bayern auf dem Weg zum Triple helfen.

Den meisten Fans ist Serdar Tasci noch vom VfB Stuttgart ein Begriff. Dort feierte der 1,86 Meter lange Innenverteidiger im Sommer 2007 seinen größten Karriereerfolg: Er wurde mit den Schwaben sensationell Deutscher Meister. Sonst ist Tascis Titelausbeute eher überschaubar. Seit er 2013 für vier Millionen Euro in die russische Premier Liga 

zu Spartak Moskau gewechselt war

, hat man hierzulande nicht mehr viel von dem inzwischen 28-jährigen Deutsch-Türken gehört.

Verletzungsmisere in der Bayern-Innenverteidigung 

Jetzt soll er dem FC Bayern - und Pep Guardiola - den Traum vom Triple retten. Das ist in Gefahr: Abwehr-Held Jérôme Boateng fällt monatelang aus und auch sein Kollege Javi Martínez ist für mehrere Wochen außer Gefecht. Dazu kommt: Holger Badstuber ist nach langer Verletzung erst wieder in den Kader zurückgekehrt und Medhi Benatia plagt ein Wehwehchen nach dem anderen.

Bei so viel Krise hat der FC Bayern dringend einen Stabilisator in der Innenverteidigung nötig, der nicht lange braucht, um bei den Münchnern auf Betriebstemperatur zu kommen. „Wir sind froh, dass wir kurzfristig die Möglichkeit bekommen haben, so einen Spieler zu holen“, lobte Sportvorstand Matthias Sammer den Neuzugang, „er ist in der Lage, uns mit seiner Qualität und Erfahrung sofort zu helfen.“ Dabei startete Serdar Tascis Zeit in Moskau gleich mit einer Verletzung: Wegen eines gerissenen Außenmeniskus war er monatelang außer Gefecht.

Tasci bei Spartak Moskau: Konstante mit viel Einsatzzeit

Positiv: Seit 2014 reifte Tasci bei den Moskauern zur festen Größe, bestritt so gut wie alle Spiele über 90 Minuten. Mit Titeln sah es jedoch schlecht aus: Dreimal flog Spartak Moskau früh aus dem Pokal, im Kampf um die nationale Meisterschaft spielen die ehemals erfolgsverwöhnten Russen schon länger keine Rolle mehr.

Was den Scouts des FC Bayern aber gefallen haben dürfte: Tasci spielt überlegt, foult selten, kassiert wenige Karten. Den letzten Platzverweis kassierte er 2012 - damals noch im Trikot des VfB Stuttgart in der Bundesliga-Partie gegen Schalke. Zu den Stärken des 28-Jährigen zählen außerdem die Spieleröffnung und seine Schnelligkeit. Ob er auf internationalem Parkett mithalten kann, auf dem der Innenverteidiger schon lange nicht mehr unterwegs war, bleibt abzuwarten.

Als Notlösung fühlt sich Tasci nicht. „Der FC Bayern hat Riesen-Ziele. Auch dieses Jahr gibt es, drei Titel zu gewinnen und ich hoffe, dass ich der Mannschaft mit meiner Qualität weiterhelfen kann, damit wir diese Titel holen können“, sagte er selbstbewusst.

Wie gut Trainer Pep Guardiola den Innenverteidiger kennt, ist nicht bekannt. Immerhin bringt Tasci Eigenschaften mit, die der Spanier durchaus zu schätzen weiß. Ob der Trainer dem Last-Minute-Transfer schon am Samstag in Leverkusen vertraut, ist offen. Zuletzt gegen Hoffenheim (2:0) durfte sich neben Holger Badstuber Mittelfeldspieler Joshua Kimmich in der Innenverteidigung versuchen. Zudem soll Medhi Benatia nach langer Pause bald wieder zur Mannschaft stoßen.

Internationale Erfahrung hat Serdar Tasci noch aus Bundesligazeiten

Champions League, Europa League, Nationalmannschaft: Serdar Tasci war überall dabei - allerdings nur selten ganz vorne. Mit dem VfB schaffte er es 2013 immerhin ins Achtelfinale der Europa League. Für die Nationalmannschaft lief er in acht Freundschafts- und fünf WM-Qualifikationsspielen auf. 

Sein letztes Länderspiel bestritt der Innenverteidiger allerdings im Jahr 2010. Doch Tasci hat die DFB-Elf noch nicht abgeschrieben. „Um die Nationalmannschaft abzuhaken, dafür bin ich zu jung“, sagte er unlängst in einem Bild-Interview. Doch erst einmal muss er sich beim FC Bayern beweisen.

Fazit: Ein vernünftiger Not-Transfer

Mit seiner Einsatzerfahrung und Routine ist Serdar Tasci ein Spieler, der Qualitäten mitbringt, die der FC Bayern im Kampf ums Tripple dringend braucht. So gesehen hat die Transfer-Abteilung der Münchner gute Arbeit auf dem ausgedünnten Wintermarkt geleistet, zumal die Spielberechtigung für die Champions League ein K.o.-Kriterium war. 

Allerdings durfte der Innenverteidiger sein Können schon lange nicht mehr auf hohem Niveau unter Beweis stellen. Es kommt nun darauf an, wie gut er sich in dem für ihn neuen Kader zurecht findet. Eines ist aber klar: Weltklasse-Leistungen, wie sie Jérôme Boateng oder Javi Martínez regelmäßig zeigten, wird Serdar Tasci wohl nicht beisteuern, dazu fehlt ihm die internationale Spielpraxis und das letzte Quäntchen Qualität.

Es bleiben einige Fragezeichen - und dies nicht nur im Fall Tasci. Wie stabil sind die verletzungsanfälligen Badstuber und Benatia? Kann Kimmich die Rolle wirklich ausfüllen? Wie schwer ist die Verletzung von Martinez wirklich? Die kommenden Wochen mit dem Achtelfinale in der Champions League gegen Juventus Turin (23. Februar und 16. März) werden nicht nur für Tasci eine große Herausforderung ...

ja mit sid

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