Zwischen 2007 und 2009

Sakradi! Toni kassierte 43 Millionen Euro

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Luca Toni (37) vor Gericht: Er lacht lässig – und fordert Schadensersatz.

München - In seiner Zeit beim FC Bayern galt Luca Toni als Torjäger. 2010 verließ er den Verein, mittlerweile kickt er für Hellas Verona. Nun ist der Italiener wieder in München, für einen Prozess gegen seine ehemaligen Steuerberater.

Die lockigen schwarzen Haare, der lässige Gang und sein vergnügtes Lächeln: Auch mehr als fünf Jahre nach seinem Abschied vom FC Bayern ist Luca Toni (37) noch ganz der Alte. Zu seinem Termin am Oberlandesgericht erschien er am Mittwoch im eleganten grauen Anzug, wirkte fit und erholt. „Ich bin gerne wieder in München“, sagt er zur tz. Kein Wunder! Denn beim FC Bayern hat er zwischen Juni 2007 und Dezember 2009 brutto insgesamt 43 487 332 Euro brutto verdient.

Im Schadensersatz-Prozess um die nicht entrichtete Kirchensteuer wurden am Mittwoch alle Zahlen offen gelegt: Der Italiener wirft seinen Steuerberatern vor, ihn 2008 bei den Münchner Behörden falsch angemeldet zu haben. Deshalb kassierte er einen üppigen Steuer-Bescheid (tz berichtete) – über 1,7 Millionen Euro, wie am Mittwoch ans Licht kam.

Wahnsinn: Diese Summe beziffert nur den Anteil der Kirchensteuer seines Gehalts. Laut Richter Hans-Werner Wolf bezahlte der FC Bayern seinem Stürmer-Star allein für die Vertragsunterschrift im Jahr 2007 sieben Millionen Euro Handgeld. Monatlich verdiente Luca Toni 500 000 Euro – mit dem FC Bayern hatte er eine Nettolohn-Vereinbarung, dazu gab’s Prämien. Sein Vertrag lief ursprünglich bis zum 30. Juni 2011. Bereits Ende 2009 kam es aber zum Bruch mit dem Verein: Toni unterzeichnete eine Abfindungserklärung und wechselte zum AS Rom. Auch dafür kassierte er wohl – der Betrag ist aber nicht bekannt. In Summe fielen in den zweieinhalb Jahren, in denen Toni für den FCB spielte und in 89 Partien 58 Tore erzielte, 1,56 Millionen Euro Kirchensteuer an – inklusive Säumniszinsen sind es heute 1,7 Millionen. Denn die Summe hat Toni –entgegen ersten Meldungen – bisher nie bezahlt – er sieht die Schuld bei seinen Beratern. „Man hätte ihm sagen müssen, dass er in München überhaupt Kirchensteuer abführen muss“, rügte der Richter. Und: Auch durch einen nachträglichen Austritt aus der Kirche wäre Toni nicht um die Steuerpflicht herumgekommen.

2014 gab das Landgericht der Klage des Italieners bereits statt. In der Berufung am OLG stehen seine Chancen aber eher schlecht, denn Toni trägt die Beweislast. Bedeutet: Er muss seinen Steuerberatern einen Fehler nachweisen. Richter Hans-Werner Wolf sah den Ex-Bayern-Star aber in der Mitschuld. Er schlug einen Vergleich zur Kostenaufhebung vor: Tonis Berater und der FC Bayern sollen je 500 000 Euro zahlen. Luca Toni den Rest, also 700 000 Euro. Über Anwalt Georg Jaeger lehnte der FCB das Angebot zunächst ab. Grund: eine Abgeltungsklausel im Abfindungsvertrag – demnach sind alle Ansprüche nach dem Ausscheiden aus dem Club abgegolten. Erst am 15. Juli wird der Prozess am OLG fortgesetzt. Bis dahin will der FC Bayern über eine Zustimmung zum Vergleich beraten – der Ausgang ist laut Jaeger „völlig offen“.

Luca Toni jedenfalls wird wieder nach München kommen. Und hofft dann auf einen millionenschweren Sieg vor Gericht.

Fehler im Lohnbüro

Ein falsches Kreuz kann Millionen kosten – das zeigt der Gerichtszoff um Luca Tonis Kirchensteuer. Den Ursprung allen Übels sah Richter Hans-Werner Wolf im Lohnbüro des FC Bayern. Eine Sekretärin habe Luca Toni nach dem Training gefragt, ob er denn demnächst heiraten wolle. Auf die Antwort Nein habe sie gesagt: „Dann ist das mit der Religion auch egal.“ Und setzte in die Spalte des Formblatts einen waagerechten Strich: keine Konfession. „So hat sich der FC Bayern die 1,5 Millionen Euro gespart“, sagte Richter Hans-Werner Wolf. „Der Club war der Nutznießer.“ Denn: Für den Schaden kommt jetzt dessen Berufshaftpflicht auf.

Nach Erhalt des Steuerbescheid über 1,7 Millionen hätte sich Luca Toni beim FC Bayern melden müssen, sagt Club-Anwalt Georg Jaeger. Richter Wolf mahnt: „Vielleicht wird jetzt das Finanzamt noch auf den FC Bayern zukommen.“

Die Top-Verdiener des FC Bayern

Name Brutto-Gehalt
Franck Ribéry (31) 12 Millionen Euro
Mario Götze (22) 12 Millionen Euro
Philipp Lahm 10 Millionen Euro
Bastian Schweinsteiger 10 Millionen Euro
Thomas Müller 8 Millionen Euro
Thiago Alcántara 8 Millionen Euro
Manuel Neuer 7 Millionen Euro
Arjen Robben 7 Millionen Euro
David Alaba 7 Millionen Euro
Javi Martínez 6 Millionen Euro
Quelle: Sport Bild 2014

Andreas Thieme

Andreas Thieme

Andreas Thieme

E-Mail:Andreas.Thieme@tz.de

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