Auch Atlético kann man aushebeln

Taktikanalyse: So packt Bayern noch das Finale

Atléticos Angriffspressing kann der FCB mit einem hohen Ball überspielen, da sich Räume ergeben (Grafik links). In der Offensive müssen die Roten auf dem Flügel Überzahl erzeugen und in Halbräume stoßen, um für Gefahr zu sorgen.

München - Taktikexperte Alexander Schmalhofer zeigt in der , wie der FC Bayern im Rückspiel des Champions League Halbfinales Atlético Madrid aushebeln kann.

Die Bayern und das 0:1 im Hinspiel bei Atlético Madrid – viel wurde anschließend über die fehlende Aggressivität in der Anfangsphase und den Verzicht auf Thomas Müller gesprochen. Doch hinter der Niederlage steckte mehr, vor allem taktisch machten die Madrilenen den Münchnern das Leben schwer. Aber auch die gut organisierte Atlético-Abwehr ist zu knacken – so packen die Bayern noch das Finale!

„In der zweiten Halbzeit hat man wunderbar gesehen, dass es auch gegen so eine stabile Mannschaft wie Atlético möglich ist, die Spielkontrolle zu haben“, erklärt Alexander Schmalhofer im Gespräch mit der tz mit Blick auf das Hinspiel. Zwar hatten die Münchner auch in der ersten Hälfte über 70 Prozent Ballbesitz, doch kontrollieren konnten sie die Partie dennoch nicht. Der Leiter der Spiel- und Taktik-Analyse des Instituts für Fußballmanagement hat dafür eine Erklärung. „Es heißt ja immer, dass die Bayern durch den Ballbesitz das Spiel bestimmen. Was

Jede Szene schaut sich Schmalhofer bis ins Detail an.

Atlético allerdings beherrscht, ist die Spielkon­trolle ohne den Ball. Individualtaktisch verteidigt die Mannschaft so gut, dass sie den Gegner auf eine gewisse Weise kontrolliert.“ Wie soll das funktionieren? Schmalhofer erklärt seine These: „Die Madrilenen wissen, wo sie den Gegner hinlenken und welche Zone des Spielfelds sie dichtmachen wollen – bei ihnen ist es das Zentrum. Also ziehen sie ihr Pressing so auf, damit sie den Gegner stets von der gefährlichen Zone um den Strafraum weghalten.“

Hohe Angriffspressing in der Anfangsviertelstunde

Ein Teil dieser Philosophie ist das hohe Angriffspressing, mit dem die Rojiblancos dem FCB in der Anfangsviertelstunde zusetzten. „Es gibt nur wenige Mannschaften, die das so beherrschen wie Atlético“, so der Taktikexperte des Ismaninger Instituts. Dagegen brauchen die Bayern Lösungen, Schmalhofer zeigt die effektivste Variante auf. „Dieses Angriffspressing ist meist nur mit hohen Bällen zwischen Atléticos Abwehr und Mittelfeld zu überspielen“, analysiert er und betont, dass zugleich der freie Raum besetzt werden müsse. „Eine Aufstellung mit Müller und Lewandowski wäre die Optimierungsmöglichkeit zum Hinspiel“, so Schmalhofer. Und warum? „Weil dann zwei Spieler den Ball festmachen können. Genau das lief vor dem 0:1 im Hinspiel ja schief.“

Der Ticker zu FC Bayern gegen Atlético

Variables Madrid mit Tempo und Kreativität aushebeln

Doch die Spanier verteidigen nicht über 90 Minuten so hoch, manchmal lassen sie sich sogar bis rund um den eigenen Strafraum fallen. Und dieses Bollwerk ist kaum zu knacken, das mussten die Bayern schon im Hinspiel erleben. Heute Abend brauchen sie Tempo und Kreativität, um zum Torerfolg zu kommen. „Atlético verteidigt sowohl vertikal als auch horizontal mit ganz engen Abständen zwischen den einzelnen Spielern. Für die Bayern wird es schwer, Lücken zu finden“, prophezeit Schmalhofer und zeigt Lösungen auf: „Welche Möglichkeiten gibt es gegen eine so kompakte Mannschaft, die das Zentrum dichtmacht? Die Flügel und die Halbräume.“ Daher war es für ihn durchaus schlüssig, dass Guardiola im Calderon in Coman einen Rechtsfuß auf den rechten und in Costa einen Linksfuß auf den linken Flügel setzte. „Wenn sie sehr breit auf den Außen stehen, binden sie Atléticos Außenverteidiger.

So gibt es Platz in den Halbräumen, in denen die Bayern Überzahl schaffen können. Da war der FCB-Treffer im Viertelfinale zum 1:1 in Lissabon ein Lehrbeispiel“, erinnert der 29-Jährige und bringt eine weitere Komponente ins Spiel: mutiges Andribbeln der Innenverteidiger. Wenn die Bayern mit Dampf anlaufen, müssen Atléticos Angreifer rausrücken und stören. „Mit schnellen Seitenwechseln ergeben sich dann zwangsläufig Räume und kurzzeitig Überzahl auf den Außen. Dann kann geflankt werden, wobei der Strafraum auch besetzt sein sollte.“ Diese Szene kennen die Bayern-Fans noch aus dem Achtelfinale gegen Juve. Flanke Coman, Kopfball Müller, Tor. Gegen ein Deja-Vu hätten sie heute Abend sicher nichts einzuwenden…

FC Bayern gegen Atlético Madrid heute im Free-TV: Wir haben bereits zusammengefasst, wie Sie das Spiel FC Bayern München gegen Atlético Madrid live im TV und im Live-Stream sehen können.

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